Stand: 01.10.2019 16:39 Uhr

Und irgendwann wird Strache sein Comeback verkünden

Österreichs Ex-Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zieht nach dem Ibiza-Skandal und Untreue-Vorwürfen einen Schlussstrich unter seine politische Karriere. "Schweren Herzens" teilte er mit, dass er seine Partei-Mitgliedschaft ruhend stelle und er auch keine politische Funktion mehr anstrebe. Eine "Zerreißprobe und Spaltung der FPÖ" wolle er um jeden Preis verhindern, sagte Strache am Dienstag.

Ein Kommentar von Srdjan Govedarica, ARD-Korrespondent in Wien

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Am Dienstag ist Heinz-Christian Strache vor die Presse getreten, um seinen Abschied aus der Politik zu verkünden.

Ich wette einen Wodka-Red Bull dagegen, dass Heinz-Christian Strache wirklich seine politische Aktivität einstellen will und keine Ämter mehr anstrebt. Das hat er zwar heute bei einer Pressekonferenz in Wien so gesagt - aber eigentlich hat er nur die Notbremse gezogen und eine Art Waffenstillstand mit der Partei vereinbart. Denn seine FPÖ hätte ihn wenige Stunden nach seiner Pressekonferenz ohnehin suspendiert oder vielleicht sogar aus der Partei geworfen.

10.000 Euro Spesen im Monat

Strache weiß genau, dass er zu einer toxischen Person für die FPÖ geworden ist. Zumindest so lange die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt - wegen eines für Strache sehr unangenehmen Vorwurfs. Dem der Untreue gegenüber der FPÖ. Strache soll, so der Verdacht, private Ausgaben im großen Stil über die Partei abgerechnet haben. Die FPÖ hatte ihm ein Spesenkonto von 10.000 Euro im Monat eingeräumt und einen 2.500 Euro-Mietzuschuss für seine Villa - zusätzlich zu seinem Gehalt von rund 19.000 Euro als Vizekanzler.

Wer "Unser Geld für unsere Leute" im Brustton der Überzeugung vom Rednerpult im Nationalrat donnert und Robin Hood wegen seines "Freiheitskampfes für das Volk und gegen die Mächtigen" als Vorbild bezeichnet, kann sich so etwas einfach nicht erlauben. Der "kleine Mann", für den Strache seit jeher den Anwalt spielt, findet so etwas gar nicht gut.

Ein Wegducken, kein Angriff-Modus

Straches Rückzug wirkt auf den ersten Blick wie ein sauberer Schnitt, ist aber eigentlich eher ein Wegducken garniert mit Mitleidsgesuchen für seine von den Skandalen schwer gebeutelter Familie und der ewigen Leier von politischen Attentat und Weltverschwörung. Strache hätte genauso gut auf Angriff schalten können und, wie von vielen vermutet, seinen Partei-Austritt und die Gründung einer eigenen politischen Liste für die Landtagswahlen in Wien im kommenden Jahr verkünden können. Wie einst sein politische Ziehvater und jahrelanges Vorbild Jörg Haider.

Doch das wäre selbst bei Straches verbliebenen Anhängern innerhalb der FPÖ nicht gut angekommen - zu sehr ist der Gedanke der großen Familie bei den Freiheitlichen verankert, zu präsent noch das Trauma aus dem Jahr 2002, als sich die Partei im Streit spaltete und für Jahre in den Bedeutungslosigkeit verschwand.

Amt und Würden sind ihm sehr wichtig

Also lieber erstmal wegducken und abwarten. Denn wer weiß, wie sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entwickeln. Es gilt ja die Unschuldsvermutung und es könnte ja sein, dass das Verfahren gegen Strache eingestellt oder er vor Gericht freigesprochen wird. Spätestens dann wird es wieder eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz geben und einen strahlenden Heinz-Christian Strache, der sein Comeback verkündet.

Denn einerseits scheint die Rote Linie für die FPÖ tatsächlich nur das Strafrecht zu sein - sonst wäre Strache ja nach dem Ibiza-Video schon gegangen worden. Außerdem hat Strache, der dieses Jahr 50 wird, sein halbes Leben in der Politik verbracht. Amt und Würden sind ihm sehr wichtig, die politische Bedeutungslosigkeit der Stoff, aus dem sich seine Albträume speisen.

Wenn wir heute wirklich den letzten politischen Auftritt von Heinz-Christian Strache gesehen haben, fresse ich jedenfalls einen Besen - und gebe einen Wodka-Red Bull aus.

Heinz-Christian Strache (FPÖ), ehemaliger Vizekanzler Österreich, im sogenannten "Ibiza-Video" © NDR

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Das "Ibiza-Video" hat den österreichischen FPÖ-Politiker Strache zu Fall gebracht. Aufgenommen wurde es heimlich, das ist in der Regel illegal. Wann steht Medienrecht über Datenschutz?

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Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hatte sich ein Tippfehler eingeschlichen. Im Nachnamen von Jörg Haider stand aus Versehen ein "ei". Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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NDR Info | Kommentar | 01.10.2019 | 17:08 Uhr

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