Stand: 19.01.2017 17:00 Uhr

Klimawandel: Nordsee ungewöhnlich warm

Die Experten des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind alarmiert: Die Klima-Erwärmung gehe unvermindert weiter. Auch Norddeutschland sei betroffen. So erreichte die durchschnittliche Wassertemperatur der Nordsee im vergangenen Jahr mit 11 Grad den zweithöchsten Wert seit 1969. Lediglich 2014 sei das Wasser mit 11,4 Grad noch wärmer gewesen, sagte der BSH-Abteilungsleiter für Meereskunde, Bernd Brügge, am Donnerstag in Hamburg.

Temperatur-Rekord im September

Für den Monat September verzeichnete die Behörde sogar einen Höchstwert: Wie 2002 kletterte die Temperatur auf durchschnittlich 16,2 Grad und damit auf den höchsten seit 1968 erfassten Wert. Wegen des außergewöhnlich heißen Spätsommers lag die Meerestemperatur im September zudem erstmals über jener im Monat August (15,9 Grad). Im August wird üblicherweise das saisonale Maximum erreicht.

"Klimawandel lässt sich nicht wegdiskutieren"

Das Langzeitmittel für September sei um 2,5 Grad überschritten worden, sagte BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz. Bei den Jahresdurchschnittstemperaturen liege die Nordsee bereits seit Mitte der 1990er-Jahre etwa ein Grad über dem klimatologischen Referenzwert. Damit lasse sich nicht mehr wegdiskutieren: "Die Klima-Erwärmung geht einfach weiter", sagte Breuch-Moritz.

Die höheren Temperaturen der Nordsee wirken sich auch auf die Tierwelt aus. Kälte liebende Fische wie Scholle und Kabeljau ziehen weiter nordwärts in Richtung Grönland. Diese Entwicklung ist beispielsweise im Jadebusen zu beobachten, wie Forscher von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Wilhelmshaven Ende 2016 feststellten. Stattdessen hätten sich Seezungen, Strandkrabben und Schwimmkrabben vermehrt.

Ungewöhnlich viele Sturmfluten

Auch ein weiteres Phänomen zeigt sich. Laut BSH ist die zuletzt hohe Zahl an Sturmfluten bemerkenswert. "Wir hatten in den knapp vier Wochen nach Weihnachten bereits neun Sturmfluten an der Nord- und Ostsee", sagte die BSH-Präsidentin. Anfang Januar seien an beiden Meeren sogar zwei Sturmfluten fast zeitgleich aufgetreten. "Das kommt sehr selten vor."

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Messungen zeigen: Die Nordsee ist im vergangenen Jahr außergewöhnlich warm gewesen.
Ballastwasser soll sauberer werden

Positiv bewertete Breuch-Moritz, dass das internationale Ballastwasser-Übereinkommen Anfang September in Kraft treten könne. "Schiffe müssen dann Standards einhalten, die verhindern, dass mit dem Ballastwasser fremde und schädliche Organismen in Gewässer verschleppt werden", sagte Breuch-Moritz. Betroffen seien rund 40.000 Schiffe, die bis dahin umgerüstet werden müssten. Reedereien stöhnen über die Mehrkosten. Die Ballastwasser-Anlagen kosten laut NDR 90,3 einige Hunderttausend Euro pro Schiff.

Als einen "grandiosen Erfolg" bezeichnete die BSH-Präsidentin die Entscheidung des Umweltausschusses der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (ILO), von 2020 an weltweit nur noch Schiffstreibstoffe mit einem Schwefelgehalt von maximal 0,5 Prozent zuzulassen. Bisher liege der Wert bei 3,5 Prozent. "Wir hoffen, dass damit langfristig das Schweröl vom Markt verschwindet", sagte Breuch-Moritz. Das BSH ist die zentrale maritime Behörde der Bundesrepublik Deutschland - mit Dienstsitzen in Hamburg und Rostock.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 19.01.2017 | 16:00 Uhr

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