Stand: 03.03.2018 06:17 Uhr

"Kleine Eiszeit" macht großen Ärger

"Gefühlt" haben viele Norddeutsche wohl langsam die Nase voll vom Winter: Nach "gefühlten" Temperaturen unterhalb von minus 20 Grad Celsius, Schneeverwehungen, zugefrorenen Häfen und vom Festland abgeschnittenen Inseln, hieß es am Freitag: weiter Schnee schaufeln in Flensburg, noch mal Bibbern in Bad Schwartau (minus 15 Grad), wieder geborstene Wasserrohre flicken in Rostock - und so weiter.

Der vorhergesagte Temperatur-Anstieg am Wochenende wirft auch schon seine Schatten voraus: Vermutlich wird es ab Sonntagabend in Teilen Norddeutschlands Eisregen geben.

Meldungen zur Lage auf den Straßen finden Sie rund um die Uhr in unserem Verkehrsstudio.

Vor allem Flensburg kämpft weiter mit dem Schnee

Doch erstmal gingen am Freitag die alten Probleme weiter: In Schleswig-Holstein ist die Lage besonders in Flensburg noch angespannt. Das größte Problem: Der Nordost-Wind, der den Pulverschnee immer wieder neu verteilt. Nach Angaben der Feuerwehr mussten in der Nacht zu Freitag zehn Autos aus Schneeverwehungen gezogen werden. In vielen Schulen fiel erneut der Unterricht aus. Der Elbe-Lübeck-Kanal ist gesperrt. Die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen hat ihren Betrieb bis einschließlich Sonntag eingestellt. Auch Busse und Bahnen fuhren in Teilen Schleswig-Holsteins wieder nur sehr eingeschränkt. Am Wochenende soll sich die Lage entspannen, da die Intensität der Schneefälle nachlässt und der Wind weiter abflaut. "Es wird sich wärmer anfühlen als in den Vortagen, in den Plusbereich geht es aber noch nicht", sagte Meteorologin Jutta Perkuhn vom Deutschen Wetterdienst.

Im Ostseebad Haffkrug im Kreis Ostholstein verunglückten mehrere Menschen. Sie hatten offenbar an der Seebrücke versucht, das Ostsee-Eis zu betreten und brachen ins hüfttiefe Wasser ein, wie die Polizei mitteile. Die Behörde warnte dringend davor, die Eisflächen im Bereich der Lübecker Bucht zu betreten. Dabei bestehe akute Lebensgefahr, sagte ein Sprecher.

Niedersachsen: Inseln nicht per Schiff erreichbar

In Niedersachsen sind einige Inseln nur noch per Flieger zu erreichen. Juist bleibt bis Montag vom Schiffsverkehr abgeschnitten, die Personen- und Frachtschifffahrt wurde eingestellt. "Die Versorgungslage ist aber darauf eingestellt, die Vorratslager sind gefüllt", sagte ein Sprecher der Reederei Norden-Frisia in Norddeich. Auch Wangerooge und Baltrum waren am Freitag nicht per Schiff erreichbar. Die extremen Bedingungen schränken zudem die Fahrpläne der Inseln Norderney, Langeoog, Spiekeroog und Borkum ein.

Inzwischen stellte sich heraus: Der auf dem Küstenkanal im Emsland leckgeschlagene Frachter war wohl tatsächlich ein Opfer von Treibeis. "Das ist die wahrscheinlichste Variante", sagte ein Polizeisprecher am Freitag NDR.de. In die mit Futterpellets beladene "Lauwerszee" war am Donnerstagabend durch ein Loch Wasser eingedrungen. Obwohl die Bordelektronik kurzzeitig ausfiel, konnte der Kapitän das Schiff am Ufer festmachen. Verletzt wurde niemand.

Eisbrecher in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern waren am Freitag Eisbrecher unterwegs, um den Peenestrom vom Eis frei zu machen. Im Greifswalder Bodden sowie auf einigen Anfahrten zu den Häfen Stralsund, Vierow und Greifswald-Ladebow gilt ein Nachtfahrverbot für Schiffe. Auch die nördliche Peene ist betroffen. Das Eis auf den Gewässern soll in den kommenden Tagen noch dicker werden, denn im Nordosten hält sich der Frost noch am längsten.

In Rostock verursachte die Kälte erneut einen Wasserrohrbruch samt Straßensperrungen. Aufgrund der Glättegefahr wurde der Dierkower Damm zwischen Hinrichsdorfer Straße und Schenkendorfweg voll gesperrt. Bereits am Mittwoch hatte ein Wasserschaden zu Straßensperrungen geführt.

Sonnabend beginnt langsam das Tauwetter

Heute sind nach der "kleinen Eiszeit" in Norddeutschland erstmals wieder leichte Plusgrade möglich. Allerdings zunächst nur in der Grafschaft Bentheim und im südlichen Niedersachsen, wie Kent Heinemann vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg NDR.de sagte. Am Sonntag würden die Werte dann weiter nach oben gehen. Zum Abend hin könne es Eisregen geben: "Von Nordfriesland bis Dithmarschen, vielleicht sogar bis ins Alte Land." Möglicherweise werde auch Hamburg betroffen sein. "Es ist sehr schwer, das genau vorauszusagen", sagt Heinemann.

Erst "kleine Eiszeit", dann Eisregen im Norden

Weitere Videos
02:59
Hallo Niedersachsen

Viel Spaß im Winterwetter

01.03.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:23
Hallo Niedersachsen

Flughafen: Das Enteiserteam im Dauereinsatz

01.03.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
ratgeber

Erfolgreich und sicher Starthilfe geben

Wenn bei eisiger Kälte das Auto nicht anspringt, braucht der Motor Starthilfe. Wer dabei Fehler macht, kann die Elektronik des Autos erheblich beschädigen. So geht es richtig. mehr

Markt

Eiskratzen: So werden Autoscheiben eisfrei

26.02.2018 20:15 Uhr
Markt

Wenn Autoscheiben im Winter zugefroren sind, muss das Eis runter, bevor die Fahrt beginnt. Sonst drohen Unfälle und ein Bußgeld. Mit diesen Tipps geht's einfach und schnell. mehr

06:01
Visite

Was hilft bei trockener Haut im Winter?

09.01.2018 20:15 Uhr
Visite

Kälte und Heizungsluft können die Haut austrocknen. Sie ist dann gerötet und juckt. Mit der richtigen Pflege bleibt die Haut auch im Winter geschmeidig. Video (06:01 min)

11:18
Mein Nachmittag

Sicheres Fahren auf glatten Straßen

21.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag

Viele Autofahrer wissen nicht, wie sie auf glatten und vereisten Straßen am besten reagieren. Ein Fahrsicherheitstraining kann helfen. Reporter Sven Tietzer probiert es aus. Video (11:18 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 02.03.2018 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten

02:34
Schleswig-Holstein Magazin

Nord-CDU wählt Günther erneut zum Landeschef

17.11.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:28
Nordmagazin

Wie überstehen die Wälder den Klimawandel?

17.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:24
Hamburg Journal

Trotz Rauchmelder-Pflicht wieder mehr Brandtote

17.11.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal