Stand: 08.09.2016 06:00 Uhr

Illegale Rennen: Polizei fordert härtere Strafen

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen durch illegale Autorennen. Auch in Norddeutschland sind sie ein Problem - in der Stadt, auf der Landstraße oder auf der Autobahn. Die Verkehrsdirektion der Hamburger Polizei hat die Raser im Blick- und ist doch oft auch machtlos. Elise Landschek hat für NDR Info zwei Polizisten begleitet.

"Wir sind hier auf der A 25 Richtung Geesthacht, vor uns fährt ein Audi mit überhöhter Geschwindigkeit", sagt Polizeihauptmeister Lars Johannes und drückt das Gaspedal durch. Er hängt sich an den silbernen Audi vor ihm. Unter dem Rückspiegel an der Windschutzschreibe klebt unscheinbar ein kleines schwarzes Kamera-Auge, eine Art mobiler Blitzer. "Provida"-Einsatz nennt sich die Jagd auf Verkehrssünder per Videoaufzeichnung. "Jetzt beschleunigt er wieder, 160 km/h, 120 sind zugelassen, wollen wir rausholen? - Ja. Blaulicht ist an."

Besonders in späteren Abendstunden Rennfahrer unterwegs

Lars Johannes und sein Kollege Holger Garwer sind in zivil unterwegs. In den späteren Abendstunden gehen ihnen manchmal auch illegale Rennfahrer in die Falle. "Man würde jetzt schon im Rückspiegel sehen, dass zwei Autos mit überhöhter Geschwindigkeit ankommen, die sich aneinander orientieren und sich gegenseitig provozieren. Da schreiten wir dann auch ein. Wir setzen uns vor die, Blaulicht aufs Dach, Kelle raus, und dann wird denen der Tatvorwurf eröffnet", konkretisiert Johannes.

Cruiser-Szene im Hamburger Südosten

Jeden Freitag trifft sich im Hamburger Südosten die sogenannte Cruiser-Szene. 150 bis 200 Autofans und -fanatiker begutachten gegenseitig ihre hochgetunten Edelschlitten. Danach verabreden sie sich heimlich zu kleinen Rennen, irgendwo auf dem platten Land, in der Dunkelheit. Da müsse man als Polizei schon sehr hinterher sein, erzählt Autobahnpolizist Garwer. "Die sind gut organisiert, die Jungs - und die Polizei muss sich mit Zivilfahrzeugen irgendwo einbuddeln und versuchen rauszufinden, wo die Rennen stattfinden."

Gewerkschaft der Polizei fordert härtere Strafen

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Dietmar Schilff, Chef der Gewerkschaft der Polizei, fordert härtere Strafen für Raser.

Doch Autorennen gibt es nicht nur in Hamburg, auch Niedersachsen ist betroffen. Hier fordert der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff, härtere Strafen für Autorennen. Denn noch gilt das nur als Ordnungswidrigkeit. "Bislang drohen den Teilnehmern bei illegalen Straßenrennen Bußgelder in Höhe von 400 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot. Hier muss geguckt werden, ob man eine Straftat in den Register aufnimmt. Wir fordern, dass das verschärft wird, damit eindeutig klar ist, dass das von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird", betont Schilff.

Steigende Zahl rücksichtsloser Raser im Norden

In Schleswig-Holstein habe man die bekannten Treffpunkte der Cruising- beziehungsweise Tuning-Szene durch Polizei-Dauerpräsenz so gut wie aufgelöst, erklärt ein Sprecher der Landespolizei in Kiel. In allen norddeutschen Bundesländern ist vor allem die steigende Zahl rücksichtsloser Raser ein großes Problem, vor allem in den Innenstadtbereichen.

Das gilt auch für Hamburg: Polizist Lars Johannes zeigt ein Video von einem BMW, der sich halsbrecherisch durch den Verkehr am Jungfernstieg schlängelt. "Da sieht man, wie aggressiv der fährt, hängt dem Vordermann bis zu einem Meter hintendrauf", erklärt Johannes. "Andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Kinder, die rechnen nicht mit sowas. Da kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, wie wir sie in Hamburg haben, oder in anderen Großstädten."

In Skandinavien wird Rasern das Auto einfach weggenommen

Bußgelder von mehr als 1.000 Euro würden die Besitzer von teuren Sportwagen nicht einschüchtern, erzählt Johannes. Sein Chef, Polizeidirektor Ulf Schröder, findet: In Deutschland sind die Strafen für Rowdys und Rennfahrer im Gegensatz zum restlichen Europa zu lasch. In Skandinavien zum Beispiel werde Rasern das Auto einfach weggenommen. "Das wirkt abschreckend. Und das hat Wirkung, der Verkehr läuft wesentlich entspannter und das würde ich mir für Deutschland auch wünschen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 08.09.2016 | 06:20 Uhr

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