Stand: 14.03.2018 16:55 Uhr

IG Metall fordert Aufträge für Marineschiffbau

Nach einem Treffen der Betriebsräte von Marinewerften und Zulieferern in Hamburg fordert die Gewerkschaft IG Metall Küste von der neuen Bundesregierung schnelle Unterstützung. Der Marineschiffbau solle gestärkt und die Branche von der Konstruktion bis zur Wartung als Schlüsseltechnologie eingestuft werden. "Von der Bundesregierung wollen wir wissen, welche strategische Perspektive sie für den deutschen Marineschiffbau in Europa sieht", sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. Kein Unternehmen könne es sich leisten, nicht gebrauchte Ingenieursleistung über einen langen Zeitraum vorzuhalten, um sich dann wieder an einer Ausschreibung zu beteiligen. Laut Gewerkschaft hängen etwa 6.000 Arbeitsplätze in Norddeutschland an der Branche.

Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste.

Marineschiffbau sieht Zukunft in Gefahr

Hamburg Journal -

Bei einem milliardenschweren Rüstungsprojekt der neuen Bundesregierung könnten die deutschen Werften komplett leer ausgehen. Die IG Metall hoffen auf ein Einlenken der Regierung.

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Zwei norddeutsche Werften außen vor

Vertreter mehrerer Betriebsräte hatten sich getroffen, um die Vergabe eines milliardenschweren Rüstungsprojekts der neuen Bundesregierung zu besprechen, von dem die Werften Lürssen und ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) ausgeschlossen worden waren. Die Werften sind damit bei dem Vergabeverfahren für eines der größten Rüstungsvorhaben der Bundeswehr außen vor.

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So soll das MKS 180 einmal aussehen. (Montage)
Vier neuartige Mehrzweckkampfschiffe

Das Verteidigungsministerium will vier völlig neuartige Mehrzweckkampfschiffe, genannt MKS 180, anschaffen. Die modular aufgebauten Schiffe sollen Angriffe unter Wasser, auf dem Wasser und in der Luft abwehren können. Sie sollen länger vor Ort bleiben können als die Fregatten, die aktuell im Einsatz sind. 3,5 Milliarden Euro will die Regierung dafür ausgeben. Für zwei weitere Schiffe soll es eine Kaufoption geben.

Blohm + Voss noch als Subunternehmer im Rennen

Aus Hamburger Sicht ist der Ausschluss von TKMS eine zweispältige Entscheidung: Auf der einen Seite hatten sich die rund 500 Ingenieure von TKMS in der Hansestadt große Hoffnungen gemacht, die knapp 200 Meter langen Schiffe zu konstruieren. Jetzt aber können laut NDR 90,3 die Beschäftigten von Blohm + Voss verstärkt hoffen: Die Hamburger Werft hat sich - quasi als Subunternehmer für den niederländischen Konzern Damen - um den Milliardenauftrag beworben. Damen ist neben German Naval Yards aus Kiel der letzte verbliebene Bewerber. Dort sind die Auftragsbücher momentan gut gefüllt. Aktuell baut das Unternehmen zum Beispiel vier Korvetten für Israel.

Die Schiffe der Deutschen Marine

Große Sorge in Emden

Mit Sorge haben die Mitarbeiter das Vergabeverfahren am TKMS-Standort im ostfriesischen Emden verfolgt. Im Februar hatte der Konzern die beabsichtigte Schließung der Niederlassung mit 220 Mitarbeitern für drei Jahre ausgesetzt. Ein Hintergrund der Entscheidung war das damals noch offene Vergabeverfahren für das MKS 180. Durch die neue Situation sind jetzt aber die Auswirkungen für TKMS insgesamt offen. Gewerkschafter Geiken forderte die Schiffbau-Unternehmen auf, trotz Wettbewerbs stärker zu kooperieren.

Kritik an europaweiter Ausschreibung

Dass der Großauftrag europaweit ausgeschrieben wurde, sieht die Gewerkschaft IG Metall kritisch. "Diese führt zu einem massiven Verdrängungswettbewerb, der Hunderte Arbeitsplätze bei Werften und Zulieferern in Norddeutschland gefährdet", sagte Bezirksleiter Geiken am Mittwoch. Der Großauftrag ist laut Gewerkschaft ein Referenzprojekt für Folgeaufträge. Ein Verlust könne sich negativ auf weitere Exportvorhaben auswirken, deutsches Know-how langfristig verloren gehen. Auch würden Zulieferer darunter leiden, dass Aufträge europaweit vergeben werden.

Die IG Metall hofft auf ein neues Vergabeverfahren. Wäre die Branche eine Schlüsseltechnologie, würde sie als besonders schützenswert definiert. Eine europaweite Ausschreibung könnte so künftig ausgeschlossen werden. Gewerkschaft und Betriebsräte hoffen nun auf ein Einlenken im Verteidigungs- und Wirtschaftsministerium.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 14.03.2018 | 12:00 Uhr

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