Stand: 09.08.2019 16:46 Uhr

Grundschullehrer müssen mehr Geld bekommen

Auch zu Beginn des neuen Schuljahrs fehlen wieder Lehrer - nicht nur in Norddeutschland, sondern in ganz Deutschland. Ganz besonders gilt das für Grundschulen. Die Gewerkschaften fordern deshalb schon lange, den Gehaltsunterschied zwischen Grund- und Gymnasiallehrern aufzuheben. Nun kommt Bewegung in die Sache: Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen alle Lehrer mittelfristig nach dem gleichen Tarif bezahlen, Niedersachsen zahlt vorerst zumindest einen Aufschlag.

Ein Kommentar von Korinna Hennig, NDR Info

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Mehr Geld bedeutet auch mehr Anerkennung für das, was Grundschullehrer leisten, meint Korinna Hennig.

Man kann eigentlich wirklich nur den Kopf schütteln darüber, wie lange dieses Thema brach lag - schließlich reden wir nicht von einem Randgruppenproblem. Jahrzehntelang beklagten Bildungspolitiker den Lehrermangel gemeinsam mit denen, die darunter litten. Sie klebten kleine Flicken auf große Lücken - und suchten den Schuldigen außerhalb des Systems oder zumindest in neueren Faktoren. Der große Zustrom geflüchteter Schüler war schuld, der erhöhte Aufwand durch Ganztagsbetreuung und Inklusion. Dabei konnte man vieles zumindest in der Dimension vorhersagen, wie in der großen bildungspolitischen Studie aus dem vergangenen Jahr, in der eine Personallücke von 35.000 Grundschullehrern bis 2025 prognostiziert wurde.

Arbeit ist anstrengend und anspruchsvoll

Schüler melden sich während eine Lehrerin etwas an die Tafel schreibt. © NDR Foto: Julius Matuschik

Mehr Geld für Grundschullehrer

NDR Info - Wissenschaft und Bildung -

Im Kampf gegen den Lehrermangel wollen Bildungspolitiker nun die Gehaltstabelle verändern. In Norddeutschland werden viele Grundschulpädagogen bald besser bezahlt.

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Trotzdem hat die Politik immer wieder haushaltspolitische Zwänge vorgeschoben, obwohl vielversprechende Maßnahmen auf der Hand liegen. Es muss mehr Kapazitäten an den Hochschulen geben, um Grundschullehrer und -lehrerinnen auszubilden. Wenn außerdem zu wenig hochqualifizierte Schulabgänger den Beruf ergreifen wollen, dann liegt das an dreierlei: den Arbeitsbedingungen, dem Gehalt und dem Ruf, den der Job hat.

An gleich zwei Punkten setzt eine höhere Besoldung an, denn mehr Geld bedeutet eben auch mehr Anerkennung für das, was Grundschullehrer leisten. Es geht nicht nur darum, dass die Arbeit extrem anstrengend ist, sie ist auch wirklich anspruchsvoll. Pädagogik und Didaktik wiegen nicht weniger als fachliche Qualifikation. Wenn Gymnasiallehrer wie Vertreter des Philologenverbands das nicht anerkennen wollen, dann ist das nicht mehr als eine peinliche und dünkelhafte Neiddebatte.

Der Norden ist dem Süden weit voraus

Letztlich ist Schulpolitik nicht nur eine Frage von haushaltspolitischen Zwängen, sondern vor allem auch eine Frage des politischen Willens, wie die neue Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern beweist, die schon im kommenden Jahr die Gehälter übergangslos an die der Kollegen auf den Gymnasien angleichen möchte.

Doch auch wenn anzunehmen ist, dass schnelle, radikale Maßnahmen rascher wirken als eine Politik der kleinen Schritte: Es ist nicht der Zeitpunkt, Art und Tempo der Umsetzung dieses wichtigen Vorhabens in den einzelnen Bundesländern gegeneinander auszuspielen. Das Ziel ist das entscheidende. Der Bildungsföderalismus bringt es mit gutem Grund mit sich, dass nicht überall alles gleich ist. Wenn Schleswig-Holstein sich mehr Zeit lässt und die Gehälter in kleinen Schritten über mehrere Jahre anhebt, dann kann man darüber diskutieren, ob das nicht schneller gehen kann. Man kann aber auch schlicht die Entscheidung der Kieler Bildungsministerin begrüßen und den Kollegen in den anderen Bundesländern auch den Mut wünschen, endlich diesen Schritt zu gehen. Dass Hamburg sich um mehr Stellen gekümmert und seine Schulgebäude vorbildlich saniert hat, dass Niedersachsen Arbeitszeit und Arbeitsbelastung verbessern will, gehört auf jeden Fall zum Gesamtbild dazu. Trotzdem: Um eine tarifliche Angleichung werden auch sie nicht herumkommen - und zumindest die moralische Absicht haben sie auch längst formuliert. Damit ist Norddeutschland dem Süden übrigens weit voraus.

Auch Erzieherinnen und Erzieher müssen belohnt werden

Es wäre schön, wenn die Politik sich als nächstes die Löhne von Erziehern vornähme. Während profilierungssüchtige Abgeordnete nämlich eifrig und publikumswirksam über Sprachförderung in der Vorschule diskutieren, werden die, die solche Forderungen umsetzen müssen, noch schlechter bezahlt als Grundschullehrer.

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NDR Info | Kommentar | 09.08.2019 | 17:08 Uhr

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