Stand: 28.01.2019 18:38 Uhr

Fast 3.300 Asylanträge weniger im Norden

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Mehr als 30.000 Menschen stellten 2018 einen Asylantrag in Norddeutschland.

In Norddeutschland ist die Zahl der Asylerstanträge 2018 erneut zurückgegangen. 30.290 Menschen stellten dort im vergangenen Jahr ein Schutzersuchen - fast 3.300 Menschen weniger als im Vorjahr. Damit liegt die Zahl zudem erstmals wieder unter der des Jahres 2014. Die meisten Asylanträge im Norden nimmt Niedersachsen entgegen, die wenigsten Mecklenburg-Vorpommern. Zuständig für die Bearbeitung ist in jedem Fall das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das die Anträge in seinen Außenstellen bearbeitet.

Von 2016 auf 2017 war die Zahl deutlich stärker zurückgegangen, da im BAMF wegen Überforderung zahlreiche Anträge 2016 unbearbeitet blieben. Dem rückläufigen Trend in Norddeutschland zum Trotz sind derzeit laut Flüchtlingshilfswerk der UN so viele Menschen wie nie auf der Flucht: 68,5 Millionen. 85 Prozent halten sich in Nachbar- und somit meist Entwicklungsländern auf.

Viele Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen frei

In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr 16.848 Asylerstanträge gestellt. Die Landesregierung betreibt zwei Ankunftszentren und vier Erstaufnahmeeinrichtungen, mit knapp 4.500 Plätzen. Auf Anfrage von NDR.de gab das Innenministerium an, dass diese im November 2018 mit 2.700 Menschen belegt waren.

2018 stellten in Hamburg 4.139 Asylsuchende einen Erstantrag. Von den etwa 2.000 Plätzen in Erstaufnahmeeinrichtungen waren laut Zentralem Koordinierungsstab Flüchtlinge (ZKF) Mitte Januar etwa 1.200 belegt. Rund 400 Menschen lebten Ende 2018 wegen Platzmangels noch in einer Erstaufnahmeeinrichtung statt in einer Folgeunterkunft, in der sie für sich selbst sorgen könnten. Ende 2017 waren es noch 2.400.

Leichte Zunahme bei Anträgen in Schleswig-Holstein

Mit 6.475 Asylbewerbern stellten 2018 etwas mehr als 2017 ihren ersten Asylantrag in Schleswig-Holstein. Die Erstaufnahmeeinrichtungen in Boostedt und Neumünster mit 2.850 Plätzen standen im Dezember 2018 laut Innenministerium zu einem Viertel leer.

2018 haben 2.828 Menschen einen Asylerstantrag in Mecklenburg-Vorpommern gestellt - gut 1.000 weniger als im Vorjahr. Derzeit erfolgt die Erstunterbringung von Asylbewerbern in den beiden regulären Aufnahmeeinrichtungen in Nostorf/Horst (Kreis Ludwigslust-Parchim) und Stern Buchholz bei Schwerin. Von den 1.500 Plätzen war Anfang Januar 2019 laut Innenministerium weniger als die Hälfte belegt. Im vergangenen Jahr kosteten die Erstaufnahmeeinrichtungen etwa 23 Millionen Euro.

Weiterhin mehr Ausreisen als Abschiebungen

Analog zu den Asylanträgen gab es in Norddeutschland auch weniger Abschiebungen und Ausreisen von abgelehnten Asylbewerbern im vergangenen Jahr. Gleichzeitig reisten mehr von ihnen aus, als zwangsweise abgeschoben wurden.

Fast 3.900 sogenannte freiwillige Ausreisen

In Niedersachsen gab es bis November 2018 laut Innenministerium 1.367 Abschiebungen. Weitaus mehr Menschen kamen ihrer Ausreisepflicht vor der Abschiebung nach: Fast 2.500 Menschen haben das Programm zur sogenannten freiwilligen Rückkehr genutzt.

Laut Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern wurden 368 Menschen abgeschoben. 399 Menschen reisten vor ihrer Abschiebung aus - 215 davon mit dem Rückkehrprogramm.

Aus Hamburg wurden laut Innenbehörde 538 abgelehnte Asylsuchende abgeschoben - in ihr Heimatland und andere EU-Länder. Ebenfalls 538 Ausländer kamen ihrer Abschiebung zuvor und reisten aus - dies nennen die Behörden freiwillige Ausreise.

Laut Landesregierung in Kiel reisten gut 500 abgelehnte Asylbewerber vor ihrer Abschiebung aus Schleswig-Holstein aus. Mehr als 340 Menschen wurden abgeschoben.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.01.2019 | 16:30 Uhr

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