Stand: 29.05.2019 17:51 Uhr

Elsflether Werft: Millionen-Beschlagnahme korrekt

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Vor Gericht geht es um einen Teil des Privatvermögens von Ex-Werft-Vorstand Marcus Reinberg.

Das Landgericht Hamburg hat einen sogenannten Vermögensarrest über 8,4 Millionen Euro gegen Marcus Reinberg bestätigt. Die insolvente Elsflether Werft hatte Schadenersatzansprüche in dieser Höhe gegen ihren Ex-Chef geltend gemacht. Nach Überzeugung der Zivilkammer gebe es ausreichend Anhaltspunkte dafür, dass der Schiffbaubetrieb Ansprüche in genannter Höhe habe, sagte ein Gerichtssprecher nach der Urteilsverkündung am Mittwochmittag. Der neue Vorstand der Werft, die als Generalunternehmer für die Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" zuständig ist, hatte beantragt, Konten, Motorboote, Rentenansprüche und eine Immobilie an der Hamburger Elbchaussee pfänden lassen.

Gericht: Vorstand hat Pflichten verletzt

Die Vorwürfe sind gravieren: Nach einer Prüfung gehe das Gericht davon aus, dass der Beklagte seine Vermögensbetreuungspflicht durch die Vergabe von Darlehen verletzt habe, so der Sprecher weiter. Die Kredite hätten nichts mit dem Betrieb der Werft zu tun gehabt und seien an Firmen gegangen, an denen der Ex-Vorstand persönlich beteiligt war. Zum Teil seien die Darlehen nicht einmal schriftlich dokumentiert gewesen. Der neue Vorstand der Elsflether Werft will mit der Beschlagnahme von Vermögen die Insolvenzmasse sichern. Daraus würden am Ende offene Rechnungen und Ansprüche bezahlt, zum Beispiel von Lieferanten. Einen ersten Vermögensarrest in Höhe von 3,9 Millionen Euro hatte die Landgerichtskammer am vergangenen Freitag aufgehoben.

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Kosten von zehn auf 135 Millionen Euro gestiegen

Reinberg und der zweite ehemalige Werft-Vorstand, Klaus Wiechmann, waren Ende Januar entlassen worden. Kurze Zeit später musste die Werft Insolvenz anmelden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide wegen des Verdachts der Untreue. Sie sollen zum eigenen Vorteil unrechtmäßig Geld aus dem Unternehmen gezogen haben. Im Laufe der Arbeiten sind die kalkulierten Kosten immer wieder nach oben korrigiert worden: von ursprünglich zehn Millionen auf 135 Millionen Euro. Das Bundesverteidigungsministerium wird dafür mitverantwortlich gemacht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 29.05.2019 | 17:00 Uhr