Stand: 28.08.2019 19:21 Uhr

Dräger: Personalabbau und Lohnkürzungen

Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Dräger will Arbeitsplätze abbauen. Das Lübecker Unternehmen, das Anästhesie- und Beatmungsgeräte an Krankenhäuser verkauft, war zuletzt in die roten Zahlen gerutscht, weil nach eigenen Angaben unter anderem die Kosten für den Vertrieb gestiegen sind. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es ohne einen Beitrag der Belegschaft nicht gehen wird", erklärte Firmenchef Stefan Dräger. Wie viele der rund 5.000 Jobs in Lübeck wegfallen könnten, ist aktuell noch unklar. Ein Sprecher der IG Metall sagte NDR Schleswig-Holstein, dass Dräger auch einen Einkommensverzicht von der Belegschaft fordere. Nach Angaben der Gewerkschaft für die nächsten drei Jahre. So solle das Unternehmen wieder effizienter werden, teilte Dräger mit.

Konkurrenz, Brexit und Handelsstreit

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Wie viele der rund 5.000 Jobs in Lübeck wegfallen, teilte das Unternehmen von Konzernchef Stefan Dräger nicht mit.

Außerdem sollen Auszubildende nicht mehr unbefristet übernommen und die Zahl der Azubis pro Jahr reduziert werden. Konzernchef Stefan Dräger erklärte, oberstes Ziel sei es, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern und damit auch die Arbeitsplätze in Lübeck. Vor knapp drei Wochen hatte Dräger seine aktuellen Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2019 veröffentlicht. Trotz steigender Umsätze hat der Konzern im zweiten Quartal vor Zinsen und Steuern ein Minus von 1,5 Millionen Euro gemacht. Die Aktie gab zuletzt gut ein Prozent nach. Das Problem ist nach Einschätzung eines Unternehmenssprechers die günstigere Konkurrenz, außerdem würden der Brexit und der Handelskonflikt zwischen den USA und China den Weltmarkt verunsichern. Darunter leide auch Dräger.

Der Geschäftsführer der IG Metall Lübeck-Wismar, Daniel Friedrich, kritisierte die Ankündigung als kontraproduktiv. Nötig seien jetzt Perspektive und Innovation statt Verzicht und Entlassungen, sagte er.

Kritik vom Betriebsrat

Der Betriebsratsvorsitzende von Dräger Deutschland, Siegfried Kasang, mahnte, zukunftsorientierte Veränderung könne nicht gegen die Beschäftigten gelingen. Die angekündigten Maßnahmen wertete er als Angriff auf die Existenz und finanzielle Situation von Mitarbeitern. "Vorstand und Management müssen begreifen, dass alte Rezepte aus der Mottenkiste von Unternehmenshandbüchern in der heutigen Zeit, wo der Mensch das höchste Gut eines erfolgreichen Unternehmens ist, völlig fehl am Platz sind", erklärte Kasang in einer gemeinsamen Mitteilung von IG Metall und Betriebsrat.

IG Metall: "Management hat es verbockt"

Der Medizintechnik-Hersteller will nach eigenen Angaben verlorengegangene Marktanteile mit innovativen Produkten zurückerobern. Doch die Entwicklung kostet erst einmal viel Geld. Geld, das nun beim Personal eingespart werden soll. Konzernchef Dräger sagte, dass die positiven Effekte einer Personalkostensenkung sich jedoch erst mittelfristig einstellen. Daniel Friedrich von der IG Metall sieht dagegen Fehler im Management als Grund für die Krise. Er sagte, jetzt sollten die Beschäftigten ausbaden, was das Management in den vergangenen Jahren verbockt habe. Konzernchef Dräger entgegnet, ohne einen Beitrag der Belegschaft werde es nicht gehen.

Dräger in 190 Ländern vertreten

Der Konzern beschäftigt weltweit nach eigenen Angaben aktuell mehr als 14.000 Menschen, davon mehr mehr als 5.000 am Stammsitz in Lübeck. Hauptsächlich produziert Dräger in der Hansestadt - aber auch in China, Großbritannien, Südafrika und in den USA fertigt das Unternehmen seine Produkte. Insgesamt ist die Firma in mehr als 190 Ländern vertreten. Zu Dräger gehören außerdem die Geschäfts-Sparten Medizintechnik (Medical) und Sicherheitstechnik (Safety) - sie sind selbstständige Gesellschaften. Den Bereich Luft- und Raumfahrttechnik hatte Dräger 2003 an die britische Cobham Gruppe verkauft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.08.2019 | 17:00 Uhr

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