Stand: 10.04.2019 13:35 Uhr

Die Wut der Taxifahrer ist verständlich

Am Mittwoch haben in vielen deutschen Städten Taxifahrer gegen Pläne der Regierung protestiert, die es Fahrdiensten wie Uber oder Moia auf dem Markt leichter machen sollen. Ist der Protest der Taxifahrer - nicht nur aus ihrer Sicht - verständlich?

Ein Kommentar von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio

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Verkehrsminister Scheuer verliere das Ziel aus den Augen, meint Sophie von der Tann: Weniger Stau in den Städten!

Die Taxifahrer haben recht: Das, was Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) da vorhat, nützt Fahrdienstvermittlern wie Uber oder Lyft - und die bedeuten mächtig Konkurrenz für klassische Taxiunternehmen.

Es ist verständlich, dass sich Taxifahrer darüber aufregen, dass Uber und Co. viel weniger Auflagen haben und jetzt auch noch gefördert werden sollen. Zum Beispiel müssen Taxifahrer eine Prüfung machen und zeigen, dass sie ortskundig sind. Ein Uber-Fahrer muss das nicht. Natürlich fühlen sich Taxifahrer da unfair behandelt.

Straßen in deutschen Städten werden noch voller

Aber das eigentliche Problem ist: Durch solche Fahrdienstvermittler werden die Straßen in deutschen Städten noch voller. Viele Studien zeigen nämlich: Es sind vor allem Menschen, die sonst den Bus oder die Bahn genommen hätten, die auf Uber und Co. umsteigen. Die Konsequenz: Es gibt noch mehr Autos in Städten.

Wenn der Verkehrsminister den Markt für Fahrdienst-Vermittler liberalisiert, dann bekämpft er den Verkehrskollaps nicht, sondern er befördert ihn. Scheuer will nämlich die sogenannte Rückkehrpflicht für Mietwägen aufheben. Bisher müssen die Fahrzeuge nach der Fahrt immer zum Betriebssitz zurückfahren. In Zukunft sollen Fahrer auch weiter auf der Straße herumfahren dürfen, bis sie einen Kunden haben. Das schafft Anreize für Fahrdienstvermittler, noch mehr Autos loszuschicken.

Problematische Arbeitsbedingungen bei Uber

Außerdem sind Anbieter wie Uber allein wegen der Arbeitsbedingungen der Fahrer problematisch: Uber behält 30 Prozent der Fahrtpreise, nach allen weiteren Abzügen bleibt meistens ein Stundenlohn weit unter dem deutschen Mindestlohn für die Fahrer übrig.

Wenn der Verkehrsminister dafür sorgen will, dass es weniger Stau in deutschen Städten gibt, dann sollte er nicht Fahrdienste fördern, die am Ende noch mehr Autos auf die Straße bringen. Das Ziel sollte sein: mehr Menschen in weniger Autos.

Das Ziel im Blick behalten: weniger Stau

Eine Lösung sind On-Demand-Sammeldienste. Das bedeutet: Ein Kleinbus nimmt mehrere Menschen mit, die in die gleiche Richtung fahren wollen. Dass dieses sogenannte Pooling jetzt erlaubt werden soll, ist zwar ein richtiger Schritt. Wenn der Verkehrsminister aber gleichzeitig Uber und Co. fördert - also Anbieter, die wieder mehr Autos auf die Straße bringen -, dann verfehlt er damit das eigentliche Ziel: weniger Stau in den Städten, moderne, effiziente und umweltschonende Personenbeförderung. Wer allein in einem Auto von A nach B gebracht werden will, der kann das schon längst: mit einem Taxi.

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NDR Info | Kommentar | 10.04.2019 | 17:08 Uhr

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