Stand: 24.10.2018 17:35 Uhr

Die EU kämpft endlich gegen den Plastikmüll

Das Europaparlament in Straßburg hat - wie von der EU-Kommission vorgeschlagen - für ein Verbot von Trinkhalmen, Einweggeschirr, Wattestäbchen und anderen Wegwerfprodukten aus Plastik gestimmt. Es soll ab 2021 gelten. Ziel ist es vor allem, die Verschmutzung der Ozeane durch Kunststoffmüll zu bekämpfen. Über die neue Richtlinie entscheiden das Europaparlament und die EU-Staaten gemeinsam.

Ein Kommentar von Karin Bensch, ARD-Korrespondentin in Brüssel

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Das Europaparlament hat ein starkes Mandat für die anstehenden Verhandlungen mit den EU-Ländern, meint Karin Bensch.

Endlich! Endlich wird etwas gegen Plastikmüll getan! Das Europaparlament hat damit ein starkes Signal gesetzt. Und das lautet: Wir nehmen den Umweltschutz ernst und wollen tatsächlich etwas dagegen tun, dass unsere Meere vermüllen. Es macht absolut Sinn, Wegwerfprodukte wie Plastikteller, Plastikbesteck und Trinkhalme aus Plastik in Zukunft zu verbieten, denn sie machen einen großen Teil des Mülls aus, der im Meer landet.

Eine Gefahr für Meere, Tiere und Menschen

Klar, für uns Verbraucher ist es einfach und bequem, beim Picknicken im Park Plastikteller zu benutzen. Oder sich eben am Automaten einen Kaffee im Plastikbecher zu ziehen. Aber diese Wegwerf-Mentalität in Europa und weltweit sorgt dafür, dass die Plastikteppiche auf den Meeren immer wieder wachsen. 30 Millionen Tonnen Kunststoff-Abfälle landen jedes Jahr in den Ozeanen. Das ist eine Katastrophe! Nicht nur für die Meere, sondern auch für die Tiere, die dort leben. Für Seevögel, Fische und Schildkröten, die sich darin verheddern, die die Plastikteilchen fressen und elendig daran zugrunde gehen.

Doch am Ende der Nahrungskette steht bekanntlich der Mensch - und auch für uns ist das Mikroplastik eine Gefahr, denn es kommt durch Fische auf unsere Teller. Auch, wenn Forscher derzeit noch nicht sicher sagen können, wie viel Mikroplastik im Körper gefährlich für unsere Gesundheit, ja für unser Leben ist, muss man es nicht darauf ankommen lassen.

Verbot dünner Plastiktüten wäre weiteres Signal gewesen

Deshalb ist es richtig und wichtig, dass das Europäische Parlament sich gegen Plastikmüll entschieden hat - und das erfreulicherweise mit überwältigender Mehrheit. Es ist beruhigend, dass Politiker, egal aus welcher Fraktion, offenbar eingesehen haben, dass es Zeit ist, etwas gegen Plastikmüll zu tun.

Total enttäuschend ist allerdings, dass das Verbot der dünnen Plastiktüten, in die man im Supermarkt Obst und Gemüse einpackt, nicht durchgekommen ist. Es war geplant, hat im Parlament dann aber doch keine Mehrheit gefunden. Das ist sehr schade, denn gerade diese dünnen Plastiktüten fliegen nach dem Einkauf zu Hause sofort in den Müll.

Plastik-Richtlinie nicht verwässern!

Insgesamt gesehen hat das Europaparlament jetzt aber ein starkes Mandat. Und das wird es auch brauchen für die Verhandlungen mit den EU-Ländern, die nun anstehen. Diese Stärke muss es nutzen! Die EU-Länder dürfen die Plastik-Richtlinie nicht verwässern, weil Lobbyisten zu Hause gegensteuern.

Es wäre ein riesiger Erfolg, wenn ab 2021 bestimmte Wegwerfprodukte aus Plastik tatsächlich verschwinden würden. Denn was nicht mehr produziert wird, kann die Umwelt auch nicht mehr verschmutzen.

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NDR Info | Kommentar | 24.10.2018 | 18:30 Uhr

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