Stand: 25.09.2019 13:44 Uhr

Deutsche Thomas Cook meldet Insolvenz an

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Auch die deutsche Thomas Cook Tochter meldet am Mittwoch Insolvenz an. Knapp 100.000 Urlauber sind betroffen.

Die Insolvenz des britischen Touristik-Unternehmens Thomas Cook trifft rund 600.000 Menschen mitten im Urlaub - unter ihnen sind etwa 140.000 Deutsche. Auch deutsche Töchterfirmen sind mittlerweile betroffen. Seit Mittwoch ist der deutsche Thomas-Cook-Ableger insolvent.

Der Ferienflieger Condor zumindest erhält vom Bund und dem Land Hessen einen Überbrückungskredit. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, liegt die Höhe des Kredits bei 380 Millionen Euro.

Thomas Cook Deutschland hofft auch auf Kredit

Thomas Cook Deutschland hofft nach dem Insolvenz-Antrag auch auf Kredite vom Bund. Man sehe sich zu diesem Schritt "gezwungen", um sich aus den "finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen" mit dem insolventen Mutterkonzern lösen zu können. Zu dem deutschen Veranstalter gehören die Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen. Sie verkaufen derzeit keine neuen Reisen. Etwa 97.000 Kunden sind derzeit laut eines Sprechers unterwegs.

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Was passiert mit den Kunden?

Für Reisende, die ein Komplett-Paket mit Flug und Unterkunft bei Thomas Cook gebucht haben, sei die Lage günstig, so Jürgen Fischer von der Verbraucherzentrale in Rostock. Sie bekommen entweder einen Ersatzflug oder ihr Geld vom Unternehmen zurück, das ihnen die Reise verkauft hat.

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Laut Reiseverband DRV hat der Insolvenzversicherer Zurich die Leistungen für betroffene Pauschalreisende übernommen. "Dem DRV wurde bestätigt, dass die Zurich Versicherung die Kosten für zwischen Thomas Cook Deutschland und Leistungserbringern wie zum Beispiel Hotels und Fluggesellschaften vereinbarten Leistungen übernimmt." Insgesamt können Ausfälle bis zu einer Gesamtsumme von 110 Millionen Euro erstattet werden.

Wurde nur ein Teil der Reise - beispielsweise das Hotel - über Thomas Cook gebucht, müssten Touristen sich selbst um Ersatz kümmern und damit rechnen, kein Geld zurückzubekommen. Dies sei von der Entscheidung des Insolvenzverwalters abhängig, ergänzt Verbraucherschützer Fischer.

Auch britische TUI-Urlauber betroffen

Von der Insolvenz bei Thomas Cook sind auch einige Kunden des Konkurrenten TUI betroffen. Nach Angaben eines TUI-Sprechers in Hannover geht es um Urlauber aus Großbritannien, die bis zum 31. Oktober mit Flugzeugen der Thomas-Cook-Airlines in den Urlaub fliegen wollten. Diese könnten ihre Reise nicht mehr antreten, sagte der Sprecher.

Montag: Lange Schlangen in Hamburg und Hannover

Am Hamburger Flughafen hatten sich am Montag, als die Insolvenz des Mutterkonzerns bekannt wurde, lange Schlangen vor den Schaltern von Thomas Cook, von Neckermann-Reisen und den zahlreichen anderen Tochter-Unternehmen gebildet. Wer bei Thomas Cook eine Pauschal-Reise gebucht hat, durfte nicht mehr an Bord der konzerneigenen Condor-Maschinen - aber auch nicht bei anderen Airlines, die Thomas Cook unter Vertrag hatte. Am Flughafen Hannover-Langenhagen blieb das Reisebüro von Thomas Cook am Montag unbesetzt - zurück blieben auch dort zahlreiche verunsicherte und verärgerte Reisende.

Zahlreiche Mitarbeiter in Hamburg betroffen

Die Fluggesellschaft Condor betreibt in Hamburg-Fuhlsbüttel eine eigene Basis, hat dort mehrere Maschinen und Mitarbeiter stationiert. Dank des Überbrückungskredits sollen laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Unklar ist hingegen derzeit, was aus den mehr als hundert Beschäftigten von Thomas Cook inklusive Tochterunternehmen in Hamburg wird. Die Briten hatten unter anderem 2010 den Hamburger Türkeireise-Spezialisten Öger Tours aufgekauft - die Zentrale von Öger Tours befindet sich weiterhin in der Hansestadt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 25.09.2019 | 13:00 Uhr

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