Stand: 25.04.2019 20:56 Uhr

Der Norden leidet schon jetzt unter Trockenheit

Werden Frühjahr und Sommer dieses Jahr ähnlich trocken wie im "Jahrhundertsommer" 2018? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) jedenfalls warnte bereits am Mittwoch vor einer Dürre, die das vergangene Jahr noch übertreffen könnte. Und die bisherige Bilanz scheint die Meteorologen zu bestätigen. Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: Elf Waldbrände gab es in diesem Jahr - und damit mehr als doppelt so viele wie 2018 zu diesem Zeitpunkt, wie NDR 1 Radio MV berichtete. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit steige die Gefahr von Waldbränden, in zahlreichen Landesteilen gelte bereits die höchste Gefahrenstufe fünf.

"Gerste und Weizen stoßen bald an Grenzen"

Auch den Landwirten im Nordosten bereitet die Trockenheit längst große Sorgen: Gräser auf Wiesen und Weiden wachsen kaum - ein Problem besonders für die Gewinnung von Tierfutter. Aber auch Raps und Mais bräuchten dringend Wasser, ebenso wie die jungen Zuckerrübenpflanzen, sagte eine Sprecherin des Landesbauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag in Neubrandenburg. "Gerste und Weizen können die Trockenheit ein wenig länger kompensieren, aber auch diese Pflanzen stoßen bald an ihre Grenzen."

Bis zu 90 Prozent weniger Niederschlag

In Niedersachsen lieferten an Ostern zwei große Moorbrände - im Gildehauser Venn (Grafschaft Bentheim) und in Goldenstedt bei Vechta - einen Vorgeschmack darauf, was Feuerwehren dieses Jahr aufgrund ausbleibender Niederschläge erwarten könnte. Zumal der DWD für viele Teile Niedersachsens bis zu 90 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel konstatiert hat. Besonders in den östlichen Regionen des Landes habe es seit Wochen nicht mehr ausreichend geregnet, sagte ein DWD-Experte im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Schon jetzt sei der Boden deshalb so trocken wie im Rekord-Sommer 2018.

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Erneute Dürrehilfen ungewiss

Da junge Pflanzen somit nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden, könnte vor allem die Landwirtschaft unter der neuerlichen Trockenheit leiden. Doch anders als nach den Ernte-Ausfällen infolge der Rekord-Trockenheit 2018, als das Land Niedersachsen und der Bund insgesamt knapp 36 Millionen Euro Nothilfe bereitstellten, dürfen Landwirte nicht zwingend noch einmal auf derartige Unterstützung hoffen. Denn: "Ich wünsche mir nicht noch mal eine Dürrehilfe aus Bundes-, EU-Mitteln oder irgendwas", sagte Landesagrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Donnerstag laut NDR 1 Niedersachsen. "Ein zweites Dürrejahr werden viele landwirtschaftliche Betriebe vielleicht auch nicht überstehen." Das sei "knallhart", aber andere Länder hätten dieses Problem auch. Ihre Hoffnung: "Es muss verdammt noch mal regnen."

Waldbrandgefahr in Hamburg steigt

Darauf hoffen auch die nördlichen Nachbarn. Angesichts anhaltender Trockenheit und ausbleibender Niederschläge hat am Donnerstag die Hamburger Verkehrsbehörde als oberste Forstbehörde vor Waldbränden gewarnt. Besonders gefährdet seien Wiesen, Heideflächen und grasreiche Waldgebiete, hieß es. Eine Verbesserung der Gefahrenlage sei nicht in Sicht, auch kurzzeitige Niederschläge würden bei den ausgetrockneten Böden keine Entspannung bringen.

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Schleswig-Holstein Magazin

Regenmangel schadet Rapsanbau

Schleswig-Holstein Magazin

Viel früher als üblich sieht man vielerorts bereits den Raps blühen. Doch der Schein trügt: Wegen der anhaltenden Trockenheit bringt der Rapsanbau nicht die üblichen Erträge. Video (02:39 min)

In Schleswig-Holstein leidet aktuell unter anderem der Rapsanbau unter der Trockenheit, wie das Schleswig-Holstein Magazin berichtete. Demnach drohen die Erträge schon jetzt um 20 Prozent geringer auszufallen als üblich, weil das Wasser fehlt. 280 Liter Regen pro Quadratmeter zwischen Januar und Mai seien normal, im gleichen Zeitraum 2019 sei gerade einmal die Hälfte vom Himmel gefallen.

Regen kommt - aber zu wenig

Und fürs kommende Wochenende ist kaum Besserung in Sicht, wie Markus Eifried vom DWD verdeutlicht: "Das aktuelle Hoch blockiert ein bisschen die Tiefausläufer, die vom Atlantik heranziehen." Am Freitag nehme die Bewölkung über Norddeutschland zu, daher könne es im Laufe des Tages Regenschauer und sogar Gewitter geben. "Aber große Mengen Niederschlag sind nicht zu erwarten, sondern zumeist zwischen einem und fünf Litern pro Quadratmeter", so Eifried. "Also nichts, was der aktuellen Trockenheit etwas anhaben kann." Auch Sonnabend und Sonntag seien Regenschauer im ganzen Norden durchaus wahrscheinlich. "Aber das, was dem Feuchtigkeitsdefizit in den Böden Abhilfe schaffen könnte, ist nicht zu erwarten", erteilt Eifried den Hoffnungen vieler Landwirte und Feuerwehrleute eine Absage.

Wetterextreme werden häufiger

Dabei falle aufs Jahr gesehen gar nicht weniger Regen, nur die Verteilung ändere sich, sagte der Kieler Klimaforscher Mojib Latif bei NDR Info: "Wir müssen damit rechnen, dass die Extreme in beide Richtungen zunehmen werden. Das heißt also: auf der einen Seite längere Dürreperioden, auf der anderen Seite aber auch zum Teil heftige Niederschläge." Seiner Prognose zufolge muss sich Deutschland an diese Ausschläge gewöhnen: "Infolge der Erderwärmung kommen die Wetterextreme häufiger."

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02:09
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Dürre: Feuerwehr in Alarmbereitschaft

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Zwar ist in Hamburg die Waldbrandgefahr nicht so hoch und die Landwirte sehen einem möglichen heißen Sommer entspannt entgegen, aber die Feuerwehr ist in Daueralarmbereitschaft. Video (02:09 min)

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Wie hoch ist die Waldbrandgefahr?

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In der Heide ist die Waldbrandgefahr besonders hoch. 5.000 Hektar Fichten und Kiefer stehen dicht an dicht. Björn Ahrend berichtet aus Oerrel bei Munster. Video (02:27 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 25.04.2019 | 16:00 Uhr

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