Stand: 14.05.2019 05:00 Uhr

Delfin sucht Kontakt in der Kieler Förde

Von Fin Walden

Wochenlang galt der Delfin in der Kieler Förde als Geheimtipp. Zwar hatte seine Sichtung Anfang April hier und da für Schlagzeilen gesorgt, doch weil von dem Meeressäuger oft nur die Rückenfinne zu sehen war, geriet er zumindest in der breiten Öffentlichkeit schnell wieder in Vergessenheit. Ganz im Gegensatz zu Delfin "Freddy", der Schleswig-Holsteiner und Gäste 2016 durch seine Kapriolen und unbändige Neugier einen ganzen Sommer lang in ihren Bann gezogen hatte. Nun jedoch könnte "Schwenteeny", wie ihn einige Fans liebevoll nennen, "Freddy" doch noch den Rang ablaufen.

Delfin macht Luftsprünge

Whale-Watching vom Ufer aus

Der etwa zwei Meter große Gemeine Delfin hält sich vorzugsweise im Mündungsbereich der Schwentine auf. Das ruft mittlerweile ganze Heerscharen von Fotografen auf den Plan. Nahezu täglich treffen sich an den Ufern Whale-Watcher, um das Tier zu beobachten. Der Zahnwal taucht dabei verlässlich immer wieder zwischen Seefischmarkt und Hafendampferbrücke auf. Anfangs schien sich "Schwenteeny" dabei nur für sein Futter zu interessieren. Stundenlang jagte er den Heringsschwärmen nach, tauchte unter, schlug unter Wasser Haken, um überraschend 200 Meter entfernt für Sekundenbruchteile aus dem Wasser zu schauen und sofort wieder den nächsten Fischen nachzustellen. So mancher Fotograf war da der Verzweiflung nahe. Gute Bilder vom Delfin gab es nur wenige.

Ein Luftsprung nach dem anderen

Nun jedoch haben Hobby-Fotografen eine echte Chance für einen Schnappschuss, den sie so schnell nicht wieder vergessen werden. Weil die großen Heringsschwärme die Kieler Förde verlassen haben, wird es dem Delfin in der Schwentine offenbar zu langweilig. Zwar findet er immer noch genügend Fische, um satt zu werden - zum Spielen ist er jedoch allem Anschein nach auf der Suche nach neuen Freunden. Unter dem Jubel der Whale-Watcher macht "Schwenteeny" seit Tagen immer wieder einen Luftsprung nach dem anderen.

Das Geheimnis der Sprünge

Warum Meeressäuger springen, darüber sind sich Walforscher noch nicht einig. So vertreten einige Wissenschaftler die Auffassung, dass sich die Tiere von Parasiten befreien wollen. Andere sind der Meinung, dass Wale und Delfine aus Imponiergehabe oder reiner Lebensfreude Luftsprünge machen. Fakt ist jedoch bei "Schwenteeny": Er zeigt mittlerweile echtes Interesse an Paddlern, Booten und jubelnden Menschen am Kai. Mal umrundet er minutenlang ein Kanu, dann jagt er einem Boot nach, um es sich genauer anzuschauen. Schließlich springt er vor einer begeisterten Fotografengruppe immer wieder aus dem Wasser.

Kiel - zu Hause auf Zeit

Walforscher sind sich sicher: Solange der Delfin genügend in der Schwentine zu fressen findet, so lange wird er dort bleiben. Spätestens mit Beginn der Kieler Woche im Juni dürfte sich der Meeressäuger aber wohl verabschieden. Denn dann gibt es auch für den kontaktfreudigsten Delfin zu viel Trubel im Revier. Wie vorher schon "Freddy" wird auch "Schwenteeny" früher oder später den Weg aus der Kieler Förde über das Skagerrak in den Atlantik zurückfinden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.05.2019 | 10:30 Uhr

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