Stand: 05.06.2019 09:55 Uhr

"Containern von Lebensmitteln ist sinnvoll"

Die Justizminister der Bundesländer beraten am Mittwoch in Lübeck über den Kampf gegen Lebensmittel-Verschwendung. Hamburgs Justizsenator Till Steffen hat vorgeschlagen, dass es künftig nicht mehr strafbar sein soll, wenn man Lebensmittel aus Abfallcontainern vor Supermärkten sammelt. Bei NDR Info hat der Grünen-Politiker außerdem gefordert, dass Supermärkte verstärkt mit Tafeln für Bedürftige zusammenarbeiten, damit erst gar nicht soviel Überschuss entsteht.

"Strafrecht darf nur das letzte Mittel sein"

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Bislang ist es nicht erlaubt, Lebensmittel aus Abfallcontainern herauszuholen.

Nach Ansicht von Hamburgs Justizsenator herrscht bei den Bürgern Unverständnis darüber, dass Containern verboten ist, wenn jemand Dinge, die noch brauchbar sind, aus dem Abfall nimmt. Steffen sieht eine gute Chance darin, dass die Kollegen sich seiner Initiative anschließen. Es gehe um die rechtliche Frage, inwiefern das Strafrecht Systeme der Verwendung von Lebensmitteln, die zu großer Verschwendung führten, stütze. Seiner Meinung nach solle das Strafrecht nur das letzte Mittel sein.

Weniger Überschüsse als Ziel

Steffen regte an, dass Supermärkte sich anders organisieren, damit nicht soviel Überschuss entstehe. Außerdem gehe es um die Frage, ob es nicht besser wäre, diese Lebensmittel für andere Zwecke zur Verfügung zu stellen. "Als Gesellschaft können wir nicht billigen, wenn in großem Umfang  planmäßig Überschüsse produziert werden", sagte Steffen auf NDR Info.

Lieber an Tafeln abgeben

Das Strafrecht anzuwenden sei in diesem Fall nicht richtig. Steffen hält es für absurd zu sagen, dass derjenige bestraft werde, der für weggeschmissene Lebensmittel noch eine sinnvolle Verwendung hätte. Es sei hocherwünscht, wenn Einzelhändler weitere Ideen entwickeln würden, zum Beispiel Lebensmittel kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums günstiger abzugeben. Das könne man verstärken und die Kooperation mit gemeinnützigen Organisationen wie den Tafeln, die obdachlosen und armen Menschen organisiert eine Nahrung anbieten.

Auch zu Hause achtsam sein

Das Risiko von verderblichen Lebensmitteln, bestehe auch zu Hause. Wenn man frisches Obst und frisches Gemüse kaufe, dann sei das die eigene Verantwortung, dass man nicht Dinge nach ihrem Verderben verzehre. Wenn Menschen sich an den Müllcontainern bedienten, führe das nicht zu groben Missständen. In der Regel stehe dort niemand und erstatte Strafanzeige. Hier sei es nötig, dass das Strafrecht eine Korrektur vornehme.

Lebensmittel wie Brot liegen in einer braunen Mülltonne © dpa Foto: Arno Burgi

Soll Containern erlaubt werden?

NDR Info - Aktuell -

Die Jusitzminister-Konferenz diskutiert darüber, ob das Herausfischen von genießbaren Lebensmitteln aus Containern von Supermärkten erlaubt werden soll. Ein Interview mit Hamburgs Justizsenator Till Steffen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 05.06.2019 | 07:10 Uhr

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