Stand: 15.10.2018 15:00 Uhr

Bayern-Wahl: Beileid und Begeisterung im Norden

Bei der Landtagswahl in Bayern haben CSU und SPD große Stimmenverluste hinnehmen müssen, während AfD und Grüne enorm gewannen. Die CSU ist künftig auf einen Koalitionspartner angewiesen - die Freien Wähler bieten sich an. Das Wahlergebnis in Bayern wurde in Norddeutschland unterschiedlich aufgenommen. Während CDU- und SPD-Politiker enttäuscht bis entsetzt reagierten, freuten sich vor allem die Grünen.

Grüne feiern mit Stagediving die "Lederhosen-Revolution"

Der aus Schleswig-Holstein stammende Grünen-Bundeschef Robert Habeck feierte den Erfolg mit "Stagediving" auf der Wahlparty in München. Gemeinsam mit dem bayrischen Fraktionschef Ludwig Hartmann sprang Habeck kopfüber von der Bühne und ließ sich von Parteianhängern auf ausgestreckten Händen einige Meter durch den Saal tragen. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank von den Grünen sagte dem Hamburg Journal: "Wir können nur gratulieren. Das war eine richtige Lederhosen-Revolution, die da stattgefunden hat." Die Grünen hätten sich in einer Werte-Auseinandersetzung durchgesetzt und das bislang beste Ergebnis in Bayern erreicht.

Günther: CSU hat Wähler verprellt

Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther von der CDU sagte, ihr schlechtes Ergebnis bei der Bayernwahl müsse die CSU ganz allein verantworten. Damit könne die Union keinesfalls zufrieden sein. Angesichts der Tatsache, dass die CSU eine erfolgreiche Politik gemacht habe, sei ihr Abschneiden sehr, sehr schlecht und liege "an der eigenen Performance". Mit ihrer Art und Weise, Politik zu präsentieren, habe sie viele Wähler verprellt, besonders wertkonservative, sagte Günther. "Wer in heutiger Zeit so auftritt, muss sich nicht darüber wundern, dass ihm die Wähler davonlaufen." Im Grunde habe die CSU ja sogar noch besser abgeschnitten, als zuletzt erwartet worden sei, meinte Günther. "Ohne die Schwesternschaft von CDU und CSU wäre das Ergebnis noch schlechter ausgefallen".

tagesschau.de
Link

Bayern-Wahl: Debakel für CSU und SPD, Grüne jubeln

Die CSU stürzt bei der Landtagswahl in Bayern ab und braucht zum Regieren Partner. Noch mehr Stimmen verlor die SPD. Die höchsten Zuwächse verzeichneten AfD und Grüne. Mehr bei tagesschau.de. extern

Weil: SPD-Einbruch hat auch mit Agieren der CSU im Bund zu tun

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bezeichnete das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl als Zäsur. Dies gelte zum einen für die CSU, die eine "krachende Niederlage" erlitten habe. Dass die Menschen ihr Land nicht mehr "durch das breitbeinig-arrogante Auftreten einer Männerriege repräsentiert wissen wollen", sei ein gutes Zeichen für die demokratische Kultur. Das miserable Ergebnis der SPD habe auch mit dem Agieren der CSU in der Bundesregierung zu tun, urteilte Weil. "Insgesamt ist das Wahlergebnis - einschließlich eines zu starken Abschneidens der AfD - ein klarer Hinweis darauf, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung mit dem derzeitigen Bild der Politik sehr unzufrieden ist", sagte Weil.

Schwesig: Im Norden steht die SPD besser da

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin und SPD-Bundesvize Manuela Schwesig sagte NDR 1 Radio MV, das Ergebnis der Sozialdemokraten in Bayern sei "bitter für die Partei vor Ort". In den Abgesang über die SPD als Volkspartei wollte Schwesig nicht einstimmen. Die Partei sei regional unterschiedlich stark, im Norden stehe sie besser da. Der Wahlausgang in Bayern sei "eine Quittung" für das schlechte Erscheinungsbild der Regierungspartner im Bund, befand Schwesig. Die Große Koalition müsse endlich den Streit beenden und gute Politik machen.

AfD feiert "Niedergang der ehemaligen Volksparteien"

Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Landeschef Leif-Erik Holm sagte, seine Partei sei jetzt in 15 Landtagen vertreten und habe sich längst im Parteiensystem etabliert. Die Bürger bräuchten eine "echte Alternative", denn mit den "ehemaligen Volksparteien" laufe es nicht, weder in Berlin noch in den Ländern. Der Hamburger Landesvorsitzende der AfD, Dirk Nockemann, erklärte, die SPD und die CSU hätten massiv gegen die AfD in Bayern geschossen und argumentiert. Das hätte seine Partei den einen oder anderen Prozentpunkt gekostet. Ansonsten sei das ein Ergebnis, das "die gute Arbeit der AfD-Kollegen in den anderen Bundesländern und im Bundestag honoriert". Schleswig-Holsteins AfD-Fraktionschef Jörg Nobis sagte: "Der heutige Tag dokumentiert den Niedergang der ehemaligen Volksparteien." Deren Erosion schreite unaufhaltsam voran.

Reaktionen zum Wahlausgang in Bayern
03:04
Hallo Niedersachsen

FDP: Hätten uns besseres Ergebnis gewünscht

FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki aus Schleswig-Holstein räumte ein, er hätte sich ein besseres Ergebnis für seine Partei gewünscht. Die FDP war in Bayern gerade so über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen. Auch Hamburgs FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein sagte: "Wir hätten uns natürlich mehr erhofft."

Özdemir: Linke haben richtige Themen besetzt

Die Fraktionsvorsitzende der Linken in der Hamburger Bürgerschaft, Cansu Özdemir sagte, ihre Partei habe vor allem bei den Themen Polizeiaufgabengesetz und Pflegenotstand klar Stellung bezogen. Im Vergleich zu den vergangenen Wahlen in Bayern habe man sich verbessert, das sei ein Erfolg, sagte Özdemir. Die Linke holte 3,2 Prozent und schaffte es damit erneut nicht in den Landtag.

Kommentare
NDR Info

Die CSU nach der Wahl: Augen zu und durch

NDR Info

Bei der Landtagswahl in Bayern hat die CSU deutlich an Stimmen eingebüßt. Jetzt braucht sie einen Koalitionspartner. Nikolaus Neumaier kommentiert die Situation nach der Wahl. mehr

01:52
NDR 1 Niedersachsen

Die Volksparteien haben ausgedient

NDR 1 Niedersachsen

Die CSU ging in früheren Wahlen als klarer Sieger hervor. Nun sind die Grünen Partei der Stunde. Die Politik wird wieder spannend, kommentiert Martin Reckweg, stellvertretender Hörfunkleiter. Video (01:52 min)

NDR Info

Wohl kein politischer Neubeginn in Bayern

NDR Info

Ein Fiasko für die CSU, die SPD im freien Fall und die Grünen in Bayern auf Platz 2. Dennoch sieht es nicht nach einem politischen Neubeginn aus, meint Claudia Spiewak in ihrem Kommentar. mehr

Weitere Informationen

Welche Folgen hat das Wahlergebnis in Bayern?

Nach der Bayern-Wahl haben CDU-, SPD- und Grünen-Politiker der Bundesregierung auf NDR Info eine Mitverantwortung für das Wahlergebnis gegeben. Vertrauen müsse wiederhergestellt werden. mehr

Link

Die Bayern-Wahl in Zahlen (tagesschau.de)

Bayern hat gewählt. Wer es in den Landtag geschafft hat, wer die Gewinner und Verlierer sind und wer künftig regieren könnte - alle aktuelle Informationen im Wahlmonitor von tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 15.10.2018 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten

02:16
Hallo Niedersachsen
02:02
Hamburg Journal
02:50
Hallo Niedersachsen