Stand: 14.02.2019 16:08 Uhr

Airbus wird vom A380-Erbe profitieren

Gut elf Jahre nach der ersten Auslieferung des A380 im Oktober 2007 hat der Flugzeugbauer Airbus das Aus für das Riesenflugzeug verkündet. 2021 soll die letzte Maschine dieses Typs fertiggestellt werden, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Was bedeutet das für den Airbus-Konzern, der mit der Entscheidung auf die rückläufigen Bestellungen reagiert?

Ein Kommentar von Horst Kläuser, ARD-Hauptstadtstudio

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Die A380-Ingenieure dürfen weiter stolz darauf sein, Technikgeschichte geschrieben zu haben, meint Horst Kläuser

Die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel. Zugegeben ein schräges Bild für die Luftfahrtindustrie. Aber es ist gerade dieser Spagat zwischen irdischer Realität und Schwärmen, der das Produktion-Aus für das größte Passagierflugzeug der Welt erklärt.

Mit dem A380 stieß Airbus nach milliarden-teuren Entwicklungskosten und technischen Rückschlägen in bislang unerprobte Dimensionen vor. Je nach Bestuhlung hätten 900 Menschen von A nach B fliegen können. Doch die Bestell-Orgien, vor allem der Airlines in den Golf-Staaten und Asien, waren nicht nachhaltig. Technische Probleme mit Rissen und Triebwerken, die nicht sparsam waren, Fehlkalkulationen bei Strecken, die längst nicht immer voll besetzt geflogen werden konnten - das ließ die Business-Prognosen schlechter werden.

Zahlreiche Fluggesellschaften kürzten ihre Bestellungen oder stornierten komplett. Zuletzt Emirates, zuvor die australische Qantas - und auch Katar Airlines wird sie ab 2024 nicht mehr einsetzen.

Viele Gründe für geringe Nachfrage

Die Gründe sind vielschichtig: Vier Triebwerke brauchen viel mehr Kerosin als versprochen, die Wartungskosten sind enorm, die Routen oft nicht so rentabel wie erhofft. Noch werden rund 20 Maschinen bis zum Produktionsstopp 2021 gebaut - etwa 250 Flieger werden aber bis weit in die 2030er-Jahre im Einsatz sein. Zur Freude von Crews und Passagieren, die gleichermaßen den Riesenflieger lieben, wie zum Beispiel die Lufthansa bestätigt, die 14 in ihrer Flotte einsetzt.

Airbus nutzt die DNA des A380

Dabei ist der A380 keineswegs nur eine Geschichte geschäftlichen Versagens. Zugegeben: Die Verzögerungen bei Entwicklung und Bau haben am Image gekratzt und waren sehr, sehr teuer. Aber der Airbus-Konzern legte gerade eine der besten Bilanzen seiner Geschichte vor: 5,8 Milliarden Euro Gewinn, rappelvolle Auftragsbücher - nur nicht für den A380.

Doch andere Typen, zum Beispiel der A350, von dem Emirates jetzt 40 als Ersatz bestellt hat, profitieren von der DNA des A380: kleben statt nieten, Carbon statt Aluminium, elegante Aerodynamik, leisere Triebwerksentwicklungen und eine Cockpit-Elektronik, die wegweisend ist.

Zittern der Mitarbeiter ist wohl unnötig

Das Erbe des Super-Jumbos wird allen neuen Modellen zugutekommen. Und genau darin steckt auch die Hoffnung für Tausende von Mitarbeitern bei Airbus oder den Zulieferern. Wenn sie jetzt von Bremen bis Hamburg, von Stade bis Augsburg um ihre Arbeitsplätze zittern, ist das zwar verständlich, aber vermutlich unnötig.

Die Auftragsbücher sind voll, A320 und A350 heiß begehrt. Airbus hat gelernt, die Produktionslinie zu straffen, den Output aus den Werkshallen zu erhöhen. Fachleute werden daher sogar eher gesucht als freigesetzt.

Gefühle haben in der rauen Luftfahrt-Welt keinen Platz

Die Geschichte des A380 ist nicht vorbei. Auch wenn der Bau stoppt, am Himmel werden wir den faszinierenden Riesenvogel weiter sehen und ihm vielleicht begeistert hinterherschauen. Doch Gefühle haben in der rauen Welt der Luftfahrt keinen Platz. Hier muss Geld verdient werden. Das geht nicht, wenn keiner das Produkt mehr kaufen will.

Die Ingenieure der A380 dürfen dennoch stolz darauf sein, Technikgeschichte geschrieben zu haben, die in anderen Fliegern weiterlebt.

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NDR Info | Kommentar | 14.02.2019 | 18:30 Uhr

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