Stand: 21.12.2020 14:05 Uhr

"wasfüreinjahr..." mit Telke Reeck

Telke Reeck ist Geschäftsführerin der Kinos Lumière und Méliès in Göttingen. Die Kinobetreiberin blickt mit gemischten Gefühlen zurück.

Im Rückblick: Was war 2020 für ein Jahr für Sie?

Ein herausforderndes. Sowohl in Bezug auf die eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten und die wirtschaftlichen Folgen als auch emotional, denn das Herz hängt an den Kinos und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Was ging für Sie wegen Corona auf einmal nicht mehr?

Am 2. April wollten wir nach anderthalb Jahren Bauphase unser neues Kino "Méliès" eröffnen. Das Programm war gedruckt, die Einladungen raus, dann der erste Lockdown. Nichts ging mehr. Kein Kino, keine Feier, keine Veranstaltungen. Was dann aber über Monate überhaupt nicht mehr ging, war eine verlässliche Planung, weil nicht klar war, wann wir die Kinos überhaupt wieder öffnen könnten und wie dann die Bedingungen sein würden.

Und was haben Sie dann stattdessen gemacht?

Als erstes Kino in Niedersachsen haben wir bereits kurz nach Ostern gemeinsam mit der Göttinger Sport und Freizeit GmbH ein Autokino aus dem Boden gestampft. Wir wollten einfach etwas machen, auch wenn das wegen der behördlichen Auflagen unglaublich aufwendig war.

Irgendwann haben wir dann auch entschieden, uns nicht mehr von den immer neu kursierenden möglichen Wiedereröffnungsterminen treiben zu lassen, sondern eigene Entscheidungen zu treffen. Deshalb haben wir dann die Sommermonate genutzt, die Sanitäreinrichtungen im Kino "Lumière" komplett zu sanieren und das Open-Air-Kino im Freibad im Brauweg vorbereitet. Die Eröffnung des neuen Kinos haben wir dann von vornherein auf September gelegt, das hat dann, wenn auch ganz anders als im April geplant, ganz gut geklappt.

Welches Buch oder welche Musik oder was sonst hat Sie in dieser Zeit richtig froh gemacht und aufgebaut?

Aufgebaut und froh gemacht haben mich vor allem lange Hundespaziergänge im zauberschönen Göttinger Umland. Von dem Hund kann man lernen, sich ganz im Hier und Jetzt zu bewegen. Dann hin und wieder noch einen Baum umarmen und alles ist gut!

Was hat die Zwangspause durch Corona für Sie Positives gebracht?

Abgesehen davon, dass ich in diesem Jahr schon im November sämtliche Weihnachtsgeschenke zusammen hatte, kann ich weder an der Zwangspause noch an Corona etwas Positives entdecken. Die "Krise als Chance" zu betrachten kommt mir geradezu zynisch vor, während die gesamte Kulturbranche und viele Menschen schlicht ums Überleben kämpfen.

Wie optimistisch schauen Sie auf 2021?

Wir haben ein sehr treues und unglaublich unterstützendes Stammpublikum. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass unsere Besucherinnen und Besucher schon kurz nach der Wiedereröffnung wieder da sein werden. Wirtschaftlich wird sich das aber voraussichtlich erst ab Herbst 2021 wieder rechnen, wenn die Abstandsregeln es bis dahin zulassen, die Kinosäle zu mehr als nur zu einem Drittel zu füllen. Die Monate bis dahin bereiten mir schon existenzielle Sorgen, aber ich bin optimistisch, dass wir kreative Lösungen finden werden, um die Zeit gemeinsam zu überstehen.

Und sonst so?

"Just keep swimming" (aus: Findet Nemo)

 

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Ein Kalender liegt zusammen mit einer Brille auf dem Tsich © imago images / Imaginechina-Tuchong

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 28.12.2020 | 07:20 Uhr

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