Stefanie Hempel auf dem Balkon im NDR © NDR.de Foto: Claudius Hinzmann

"wasfüreinjahr..." mit Stefanie Hempel

Stand: 17.12.2020 17:42 Uhr

Die Hamburger Musikerin Stefanie Hempel mit ihrem persönlichen Jahresrückblick im Interview.

Im Rückblick: Was war 2020 für ein Jahr für Sie?

2020 war ein Jahr wie eine Achterbahnfahrt. Es begann mit extremer Betriebsamkeit und Hektik, weil wir mit unserem kleinen Team Anfang 2020 in den finalen Vorbereitungen für das erste große Beatles-Festival in Hamburg steckten. Es sah so aus, als würde 2020 das bewegteste Jahr meiner bisherigen Laufbahn werden. Doch dann kam alles anders.

Wir waren wohl mit die ersten, die ein Festival, ein Großevent absagen mussten. Was für ein Schock! 40 Bands und Künstler aus aller Welt sollten kommen, knapp 100 Veranstaltungen waren geplant. Danach bin ich erst mal richtig krank geworden.

Dann ging es auf und ab mit Planungen von Konzerten, Veranstaltungen und Beatles-Touren, die immer wieder umgeschmissen oder verändert werden mussten, weil sich Bedingungen änderten und es auf allen Seiten Ängste und Unsicherheiten gab. Ein bisschen arbeiten und auftreten konnte ich zwischen Juli und Oktober. Ein toller Live-Stream aus dem Indra zum 60. Jubiläum der Beatles in Hamburg ging raus in die ganze Welt.

2020 war aber auch ein Jahr der Besinnung, der Einkehr, des Nachdenkens darüber, was ich will, was ich kann, wie ich weiter arbeiten will.

Was ging für Sie wegen Corona auf einmal nicht mehr?

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Ein Kalender liegt zusammen mit einer Brille auf dem Tsich © imago images / Imaginechina-Tuchong

"wasfüreinjahr ...": Wie haben Kulturschaffende 2020 erlebt?

Behutsam und neugierig fragen wir in der norddeutschen Kulturszene nach: Was war das denn nun für ein Jahr für Sie? mehr

Da fast meine gesamte Arbeit auf ein "echtes" Publikum angewiesen ist, ging erst mal gar nichts mehr. Meine musikalischen Beatles-Touren funktionierten ab Mitte des Jahres, dank der Lockerungen, eine Zeit lang eingeschränkt in den Sommermonaten, allerdings ohne Mitsingen des Publikums. Kein Festival, keine musikalischen Vorträge und vor allem kein internationales Publikum und keine Konzertreisen ins Ausland, was einen Großteil meiner Arbeit ausmacht.

Und was haben Sie dann stattdessen gemacht?

Ich habe viel gelesen und wieder sehr viel privat musiziert und geübt. Ich habe sehr viel recherchiert zu meinem großen Thema Beatles, Beatles in Hamburg, der Bedeutung Hamburgs in der internationalen Musikgeschichte. Ich habe für Zeitungen geschrieben, an Buchprojekten mitgearbeitet und vor allem in Kooperation mit der Stadt Hamburg einen großen Live-Stream zum 60. Jubiläum der Beatles organisiert, mit vielen Hamburger Künstlern, Weggefährten, Zeitzeugen und Videobotschaften aus aller Welt.

Welches Buch oder welche Musik oder was sonst hat Sie in dieser Zeit richtig froh gemacht und aufgebaut?

Die Musik der Beatles zu hören oder zu spielen baut mich immer auf, weil sie voller Hoffnung und Zuversicht und emotionaler Tiefe ist. Ich bin 2020 auch zum Podcast-Junkie geworden. Mein Favourit ist vermutlich die wunderbare Reihe "Soul Music" auf BBC 4, in der die emotionale Bedeutung und Wirkung von Musik anhand von ganz persönlichen, tief berührenden Geschichten und Schicksalen von Menschen erzählt wird.

Was hat die Zwangspause durch Corona für Sie Positives gebracht?

Ein intensives und wunderbares Familienleben, trotz gelegentlichem Lagerkoller, alle im "Home-Office". Die Rückbesinnung auf das große Glück, gesund zu sein, Familie und Freunde zu haben, mit denen man sein Leben teilt und letztlich auch das Glück, in diesem Land zu leben, das - trotz aller Widerstände und bestimmt auch Fehler - bestmöglich und vernünftig durch das Auf und Ab der Krise rudert.

Wie optimistisch schauen Sie auf 2021?

Ich habe mir irgendwie abgewöhnt, weit nach vorn zu schauen und blicke gerade nur auf den Moment. Ich hoffe jedoch sehr, dass ich bald wieder einem Publikum mit meiner Musik und meinen Geschichten ein paar glückliche Stunden bereiten kann.

Und sonst so?

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 29.12.2020 | 07:20 Uhr