Welt der Musik

Die Vielseitige - Pauline Viardot-Garcia zum 200. Geburtstag

Sonntag, 18. Juli 2021, 18:00 bis 19:00 Uhr

Die Opernsängerin Pauline Viardot-García (1821 - 1910) in einem Gemälde von Ary Scheffer. © imago/ Le Pictorium
Die Opernsängerin Pauline Viardot-García (1821 - 1910) auf einem Gemälde von Ary Scheffer. © imago/ Le Pictorium
Die Opernsängerin Pauline Viardot-García (1821 - 1910) auf einem Gemälde von Ary Scheffer.

An Pauline Viardot-Garcia kam in der Kulturszene des 19. Jahrhunderts kaum jemand vorbei: Sie war eine der einflussreichsten Musikerinnen ihrer Zeit. 1821 geboren, entwickelte sie sich zu einer international gefeierten Sängerin. Zahlreiche Komponisten kreierten für sie virtuose Hauptrollen. Nach ihrem Rückzug von der Opernbühne widmete sich Pauline Viardot-Garcia verstärkt dem Komponieren. Zudem wirkte sie sowohl als Pädagogin als auch als Veranstalterin. Trotz Corona-Pandemie würdigen dieses Jahr einige Projekte und Veröffentlichungen ihren 200. Geburtstag am 18. Juli 2021.

Briefe zwischen Pauline Viardot-Garcia und Julius Rietz

Welch begnadete Briefeschreiberin sie war, zeigt eine Neuausgabe ihres Briefwechsels mit Julius Rietz. Beatrix Borchard hat diesen besonderen Briefwechsel gemeinsam mit Miriam-Alexandra Wigbers herausgegeben. Erschienen ist das 663 Seiten starke Buch im Hildesheimer Olms-Verlag in der Reihe der Viardot-Garcia-Studien - und das eben pünktlich zum 200. Geburtstag der Universalmusikerin. Beatrix Borchard ist die führende Viardot-Garcia-Forscherin. Für die Hamburger Musikwissenschaftlerin ist diese Korrespondenz zwischen Pauline Viardot-Garcia und Julius Rietz insbesondere zu Beginn "eine Liebesfreundschaft auf Papier. Die beiden haben sich ja gar nicht gesehen, sondern es ist wirklich eine briefliche Geschichte."

Einblicke in ihr Seelenleben

Pauline Viardot-Garcia befindet sich damals mit 37 Jahren in einer Art Midlife-Crisis. Nicht anders ergeht es Julius Rietz, 46, in Leipzig als Operndirektor und Dirigent des Gewandhausorchesters gefragt. 1858 lernen sie sich kennen und schreiben sich bis 1874 150 Briefe. Besonders intensiv ist das Jahr 1859 mit über 80, meistens langen, Briefen, erzählt Beatrix Borchard. "Ich kenne keinen vergleichbaren Musiker-Briefwechsel, wo zwei Leute so ausführlich über ihre Existenz als Musiker und Musikerin reflektieren. Also musikalische Themen spielen eine sehr große Rolle, nicht nur die persönlichen Sachen. Und wo es auch ganz klar um die ganzen sozialen Kontexte geht. Das heißt, es ist wahnsinnig aufschlussreich, wenn man sich dafür interessiert, was eine Sängerinnen-Existenz unterschieden hat von dem Dasein eines festangestellten Gewandhaus-Dirigenten, der eine kontinuierliche Programm-Politik machen konnte und nicht auf Engagements angewiesen war. Ich finde es sehr nah, sehr berührend - beide wollen ehrlich sein. Schon erstaunlich, was die sich da beide schreiben.”

So ist es insbesondere von Dezember 1858 bis November 1859. "Und nach einem Jahr bröckelt alles ab. Ist ja nicht untypisch, wenn der andere nicht erfüllt, was man sich von ihm gewünscht hat - nämlich einen zu retten aus der Misere des Alltags, ja?! Dann ist eben Schluss."

Eine Sendung von Dagmar Penzlin.

 

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Zwei Musiker im Senegal spielen Kora (links) und Djembe (rechts) im Gegenlicht vor untergehender Sonne. © picture-alliance / dpa

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