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Ein enthusiastischer Geschichtenerzähler: Johannes Kalitzke

Dienstag, 21. September 2021, 21:00 bis 22:00 Uhr

Der Dirigent Johannes Kalitzke © picture alliance / Ralf Succo / SuccoMedia | Ralf Succo

Es ist nicht so, dass Freud Pate gestanden hätte und die meisten Bücher zu Hause bei Johannes Kalitzke in seiner Wahlheimat Wien sich mit der Psychoanalyse beschäftigen. Aber wenn er Musik zu den Stummfilmen der 20er-Jahre schreibt, zu "Schatten" von Arthur Robison oder ganz aktuell zu "Hoffmanns Erzählungen" von Max Neufeld, dann erzählt er "die Beweggründe oder die innere Geschichte einer handelnden Person und nicht, was sie an der Fassade zeigt!"

Der Dirigent Johannes Kalitzke © picture alliance / Ralf Succo / SuccoMedia | Ralf Succo
Johannes Kalitzke ist ein international renommierter Experte für Zeitgenössische Musik. Er studierte Kirchenmusik, Klavier, Dirigieren und Komposition in Köln und Paris.
Stummfilm als Kunstform

"Filme", schwärmt der vielseitige Komponist, "geben mir Aufgaben, die ich mir selbst nicht stellen würde!" Musik dazu zu schreiben, ist für ihn eine Herausforderung, die ihn weiter bringt. "Ich betrachte die Filmmusik, die ich schreibe, als eine Art Fortsetzung der Oper", erklärt Johannes Kalitzke.

Gegenwartsmusik ist ein Spiegel des Klimas

Die ganz großen Kämpfer wie Stockhausen und Nono haben ihn während des Studiums besonders interessiert, "weil mir Kunst machen auch immer als politisch und soziologisch vorgekommen ist. Wenn ich sage, ich schreibe heute eine Gegenwartsmusik und sie bezieht sich auch auf meine Wahrnehmung von Gegenwart, dann kann das nicht unpolitisch sein, denn ich muss ja Bezug nehmen auf das, wie die Gesellschaft funktioniert." Tagesaktuelle politische Themen interessieren Johannes Kalitzke als Themen für seine Musik weniger, weil ihre Halbwertszeit zu kurz ist. Aber "Gegenwartsmusik ist für mich ein Spiegel des gesellschaftlichen Klimas, über lange Zeit gestreckt und über ihre großflächigen Entwicklungen." Für Johannes Kalitzke ist Kunst mit einer Bewusstseinsschärfung verbunden.

"Komponieren oder Literatur schreiben oder zu malen, ist für mich eine Schule einer differenzierten Wahrnehmung. Und darum geht es eigentlich. Dafür muss man schon kämpfen, weil heute die differenzierte Wahrnehmung in den Medien eher unterbunden wird."

Eine Sendung von Margarete Zander.

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Tasten eines Konzertflügels © NDR

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