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Donaueschinger Musiktage 2021

Dienstag, 14. Dezember 2021, 21:00 bis 22:00 Uhr

Metronom © Comstock
Der künstlerische Leiter der Donaueschinger Musiktage Björn Gottstein © picture alliance / dpa | Patrick Seeger
Das 100. Jubiläumsjahr der Donaueschinger Musiktage ist auch das letzte Jahr des künstlerischen Leiters Björn Gottstein.

Zu ihrem 100. Geburtstag waren die Donaueschinger Musiktage ein ganz besonderes Fest auch für die Donaueschinger selbst. Die Haupteinkaufsstraße ihrer Stadt, die Karlstraße wurde zum Donau/Rauschen von der Donauquelle bis zum Rathausplatz. Daniel Ott und Enrico Stolzenburg hatten eine Klangkomposition erarbeitet und die örtlichen Musikvereine eingeladen, mitzumachen. Dabei waren die Musikvereine von Aufen und Grüningen, die Musikkapelle Neudingen, die Feuerwehrkapelle Fohren, der Posaunenchor der evangelischen Kirche und die Stadtkapelle Donauschingen 1827. Ganz Donaueschingen und Umgebung schien bei schönstem Wetter auf den Beinen. Sie fühlten sich eingeladen, waren neugierig über Freunde und Bekannte und genossen die Verwandlung ihrer Hauptstraße in eine Konzertmeile. Das 100-jährige wurde gefeiert mit einem Festkonzert mit Festreden, aber im Zentrum standen - dieses Mal sogar an vier Tagen von Donnerstag bis Sonntag - Uraufführungen. Die Erwartung des Festivalleiters Björn Gottstein war, das zu tun, was sie am besten können: "in die Zukunft zu schauen, Visionen zu entwickeln und ihre eigene Klangsprache zu finden".

Visionen und emotionale Reflektionen

Komponierende versuchen uns mit Worten und Bildern in die Welt ihrer Werke hineinzuziehen, einen Moment des Interesses zu wecken für ein Thema, in das sie über Wochen und Monate intellektuell und emotional eingedrungen sind. Wenn Rebecca Saunders beschreibt, was sie am Buch von Ed Atkins so fesselt, dann hört man quasi schon ihre Musik. "A Primer for Cadavers" von Ed Atkins ist eine berauschend virtuose Beschäftigung mit dem Körper, mit Fleisch, mit Vergänglichkeit und Fluidität. Ein Bewusstseinsstrom, der bisweilen greifbar, nah, intim und beängstigend gegenwärtig ist, und dann wieder wird der Leser in eine beklemmende, dichte, schwindelerregende Tiefe hinuntergezogen, in eine atemlose Sinnlichkeit, die sowohl verlockend als auch schockierend ist."

"Hirn" nennt Enno Poppe sein Auftragswerk des SWR und fragt "Wo soll die Seele sein, wenn nicht im Gehirn? Zur Erklärung schreibt er: "Gern und immer wieder wird das Wort "verkopft" gebraucht. Dieses soll generell das Nachdenken verunglimpfen und kommt aus einer unguten, sehr deutschen Tradition, die den Geist als Widersacher der Seele begreift. In Wirklichkeit macht das Gehirn alles. Hypnose ist ein zerebraler Vorgang, Trance spielt sich im Gehirn ab. Das Gehirn ist unser größtes Geschlechtsorgan.

Showpiece mit wilden Nährstoffen

Das neue Klavierkonzert von Liza Lim war auf den ersten Blick ein Showstück. Es wurde mit Spannung erwartet, denn die Solistin war die Pianistin Tamara Stefanovich. Doch die Werke der australisch-chinesischen Komponistin Liza Lim bleibt nicht an der Oberfläche - und so war es auch dieses Mal: Der Titel des Werkes "World as Lover, World as Self" stammt aus einem Buch der Ökophilosophin, Aktivistin, Lehrerin und Wissenschaftlerin Joanna Macy. Sie ist Wissenschaftlerin in den Bereichen Buddhismus, Systemdenken und Tiefenökologie. Themen, die Liza Lims Denken beeinflussen. Sie sieht sich als Komponistin auf der Suche nach wilden Nährstoffen und Heilmitteln. In dieses Klavierkonzert, sagt sie, sind Eindrücke aus den Gesprächen mit der Pianistin Tamara Stefanovich eingeflossen, aber auch Dinge, die man in Märchen findet: magische Bohnen, vergiftete Äpfel, halluzinogene Pilze, sprechende Steine - gute und böse Wesen, und die schaffen einen Übergang zwischen den Realitäten.

Emotionale Intelligenz

Die unterschiedlichsten Themen unserer Zeit erspüren Komponierende mit besonderen Antennen für das, was uns derzeit und in Zukunft beschäftigen wird. Sie schauen darauf aus einer Perspektive, die nicht kommerziell oder von Machtinteressen geleitet wird, sondern vom Geheimnisvollen, vom Geheimnis, das sich in der Musik mitteilt. Wir laden Sie herzlich ein, sich musikalisch in sonderbare spannende Welten entführen zu lassen und etwas über die Hintergründe zu erfahren.

Eine Sendung von Margarete Zander.

 

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Tasten eines Konzertflügels © NDR

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