Claudia Christophersen © NDR Foto: Christian Spielmann

Wankt die Monarchie? Harry und Meghan packen aus

Stand: 11.03.2021 18:21 Uhr

Familienkrach im Vereinigten Königreich: verletzte Gefühle, Eifersucht und Mobbing. Hinzu kommen latente Rassismus-Vorwürfe. Harry und Meghan packen aus vor laufender Kamera. Die Queen sollte sich etwas einfallen lassen, wenn sie die Krone retten will.

Claudia Christophersen © NDR Foto: Christian Spielmann
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von Claudia Christophersen

Da sind sie wieder: Harry und Meghan sitzen in Korbsesseln vor grüner Gartenkulisse. Sie in schwarzem Kleid mit aufgedruckter Lotusblüte - "Symbol der Wiedergeburt", kommentierte die "Times"; er in hellem Anzug, leger, locker.

Ein Jahr leben sie nun unter der immer strahlenden Sonne Kaliforniens, weit weg von der Königsfamilie in Großbritannien. Damals, vor 14 Monaten, hatten die aufmüpfigen Königskinder die Flucht aus dem Palast ergriffen, raus aus dem engen Korsett der royalen Verpflichtungen. Die Queen ließ sie laufen, hatte Harry und Meghan Bedenkzeit eingeräumt, auch mit Rückkehrrecht. Die beiden taten sich schwer mit einer klaren Entscheidung für das eine oder das andere. Schließlich ginge doch Dienen im Auftrag der britischen Krone von überall her, sozusagen aus dem Homeoffice. Da hatten sie die Rechnung ohne die Queen gemacht. Nein, hieß das Machtwort. Elisabeth II., streng und energisch, zog die Reißleine: Herzogin und Herzog kehren nicht mehr, wie es heißt, als "arbeitende Mitglieder des königlichen Haushalts zurück". Kein weicher Megxit, kein Gefuchtel mit ein bisschen royal hier und ein bisschen royal da.

Bombengewitter aus Kalifornien

Das Gezeter jenseits des Atlantiks ist groß. So groß, dass ein wütender Rachefeldzug begonnen wurde. Wir erinnern uns: Auch Diana ging damals in die Offensive, als ihre Ehe zerbröselte und Camilla öffentlich in den Fokus rückte. Der Palast tobte, das königliche Gefüge geriet ins Wanken. Scheidung - um Himmels Willen! Diana schmiedete den Pakt mit den Medien, ein Spiel, das die "Königin der Herzen" beherrschte wie kaum ein anderes Mitglied der Royals.

Für Schauspielerin Meghan auch kein Problem. Das Interview mit Oprah Winfrey, das bereits vor seiner Ausstrahlung Schlagzeilen trommelte, hat die weltweite Runde gedreht. Meghan kullern vor laufender Kamera Tränen, wenn sie von Depressionen, Suizidgedanken und rassistischen Anfeindungen spricht.

Man könnte diese ganze Royal-Geschichte abhandeln unter "gefundenes Fressen" für die Boulevard-Abteilung. Wenn nicht doch viel mehr dahintersteckte. Großbritannien bebt, Boris Johnson hält sich noch diplomatisch zurück, erklärt maximal seine größte Bewunderung für die Queen.

Spätestens seit der Netflix-Serie "The Crown" ist unsere Fantasie angeregt: Wir können uns bildhaft vorstellen, wie das Intrigen- und Machtspiel hinter den Palastmauern funktionieren mag. Wie brüchig der Machtstatus und die Fassaden des Palastes sind, wie sehr die Königsfamilie auch um Anerkennung und Akzeptanz ihrer Privilegien bei den Briten kämpfen muss. Da hat ein solches Bombengewitter aus Kalifornien toxische Wirkung.

Was sagt die Queen?

Was ist das Gefährliche? Die Vorwürfe sind harsch, gerade auch, da sie auf rassistische Äußerungen und Strukturen abzielen. Das macht dieses Interview so besonders brisant und eben auch politisch. Es stellen sich Fragen: Wer sagt hier was? Wer denkt hier wie? Wer setzt hier wen unter Druck?

Und die Queen? Was sagt sie dazu? Zunächst mal gar nichts, nach dem Motto: "Never complain, never explain" - "Nie klagen, nie erklären". Immerhin konnte sie sich dann doch Tage später zu einem Statement durchringen. 61 Worte, die sagen: Das britische Königshaus sei traurig darüber, wie schwierig die vergangenen Jahre für Harry und Meghan gewesen seien. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst und werde sie privat in der Familie aufarbeiten. Ob das reicht? Kein Wort von Rassismus. Der Palast ist nicht bloß eine Familie, in der Konflikte im stillen Kämmerlein ausgetragen werden können. Die Queen repräsentiert ganz Großbritannien und den Commonwealth.

Also: 61 Worte, um auf Mobbing und Verletzung zu reagieren, sind schon reichlich sparsam und langfristig wohl auch zu wenig.

Weitere Informationen
Stephanie Pieper, Ulrich Kühn, Claudia Christophersen und Alexander Solloch. © NDR Foto: Christian Spielmann

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NachGedacht | 12.03.2021 | 10:20 Uhr

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