Stand: 20.09.2017 13:10 Uhr

Michael Kunze - Der Mann hinter den Musical-Hits

von Mathias Heller
Michael Kunze sitzt am Schreibtisch © NDR.de Foto: Christina Grob
Ein Schreibtisch mit Geschichte: Hier entstanden viele deutsche Texte von Michael Kunze zu den bekanntesten Musicals wie "Cats" oder "Mammia Mia".

Seit Sonntag ist "Der Tanz der Vampire" wieder in Hamburg zu erleben. Den deutschen Text dazu hat kein geringerer als der große Musicalstar Michael Kunze geschrieben. Wie, Sie kennen Michael Kunze nicht? Ganz sicher! Sie werden überrascht sein, denn der 73-Jährige ist mehr als nur ein Musicalstar.

Ob “Ohne Dich schlaf ich heut Nacht nicht ein”, “Griechischer Wein” oder "Ein Bett im Kornfeld" - die Liste seiner Chart-Hits ist lang. Sehr lang. 79 Goldene Schallplatten hat Michael Kunze als Texter oder Produzent bekommen. Er hat die frühe deutsche Popmusik geprägt wie kein Zweiter. Mehr als 3.000 Songs, so sagt er selbst, hat er geschrieben und dutzende Stars wie Udo Jürgens, Juliane Werding, Jürgen Drews und die Münchner Freiheit zum Erfolg geführt.

Riesiger Erfolg als Ghostwriter für Sänger

Ein Grammy-Award steht im Schrank © NDR.de Foto: Christina Grob
Das ist der Grammy für "Fly, Robin fly".

Ende der 60er-Jahre fängt es für Kunze dagegen etwas holprig an. Vom Presley-Rock'n'Roll infiziert textet er neben seinem Jurastudium in München Protestsongs. "Damit kam ich aber nicht sehr weit", so Kunze. "Und es gab einen Verleger, der mir einen Vertrag und monatlich 250 Mark gegeben hat, und ich wollte nicht - das geht gegen meine Natur - dann nichts tun. Also habe ich versucht, ihm Dinge zu bieten, die er dann auch vermarkten konnte. Er hat mir dann auch Aufträge gegeben. Also musste ich - und das habe ich dann mein ganzes Leben gemacht - Ghostwriter für Sänger sein." Und das richtig erfolgreich. Als erster Deutscher erhält Kunze den Grammy in der Kategorie R’n’B für "Fly, Robin fly".

Die Musik lässt ihn nicht los

Seine Pop-Karriere scheint kein Ende zu nehmen, doch - auf dem Höhepunkt 1980 - schmeißt er alles hin. Er kehrt der Fließbandarbeit, wie er sie mittlerweile nennt, den Rücken und entdeckt seine Neugier zur Rechtsgeschichte wieder. Er schreibt Bücher darüber - die Musik lässt ihn aber nicht los. Vor allem Musicals haben es ihm angetan, besonders die von Andrew Lloyd Webber. Für ihn übersetzt er “Evita”, “Das Phantom der Oper”, und “Cats”. Fast alle Musical-Klassiker wie “A Chorus Line”, “König der Löwen”, “Mamma Mia” oder “Wicked” bringt er ins Deutsche. Am Ende schreibt er selbst welche.

"Ich denke, dass das, was man heute Musical nennt, so vielgestaltig ist, dass man in der Tat eher vom Musiktheater sprechen sollte - vom populären Musiktheater", meint Kunze. "Weil das, was ich mache, ist nicht Broadway-Musical oder Westend-Musical, es ist schon etwas Eigenes." So eigen und so erfolgreich. “Elisabeth” wird weltweit ein Kassenschlager. Und sein “Tanz der Vampire”, nach dem Film von Roman Polanski, läuft nun schon seit 20 Jahren auf den wichtigsten Musicalbühnen. "Ich glaube, beim 'Tanz der Vampire' ist mir die Interpretation der Vampire als eine Kritik an der modernen Immoralität ganz gut gelungen", findet Kunze. "Es geht um diese ewige Raffgier, denn es heißt ja da: 'Wir wollen immer mehr, denn wir haben nie genug.' Und das ist genau das, worunter unsere Welt heute leidet."

"Ich bin kein Musiker"

Michael Kunze macht sich weiter Gedanken. Schreibt auf seine Weise die Welt ein bisschen verständlicher, aber immer mit dem Blick für den Menschen, in seiner bescheidenen Art und Weise: "Ich bin kein Musiker und verstehe mich auch als Dienstleister und nicht zu sehr als ausübender Künstler." Ob er da wohl nicht ein bisschen zu sehr untertreibt?

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 21.09.2017 | 10:20 Uhr