Mohammad Ibrahimi steht vor einem Feuerwehrauto der Freiwilligen Feuerwehr in Achim. © Julius Matuschik Foto: Julius Matuschik

Mohammad Ibrahimi: Einsatz in Feuerwehr und Moschee

Stand: 31.07.2021 08:00 Uhr

Immer wieder gibt es Unwetter oder Unfälle. Für Feuerwehrleute heißt es oft: Einsatz statt Sommerpause. Der Afghane Mohammad Ibrahimi ist in der Freiwilligen Feuerwehr im niedersächsischen Achim aktiv. 2015 kam er nach Deutschland. 

Mohammad Ibrahimi steht vor einem Feuerwehrauto der Freiwilligen Feuerwehr in Achim. © Julius Matuschik Foto: Julius Matuschik
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von Andrea Schwyzer

Die dicke Feuerwehrjacke mit den gelben Reflektoren ist schwer. Sie steht ihm. Mohammad Ibrahimi lächelt spitzbübisch. Er kann sich noch gut daran erinnern, als er diese Jacke zum ersten Mal angezogen hat: "Die Kleidung war neu, ich war auch neu. Ich war sprachlos. Das war cool." Ibrahimi ist bei der Freiwilligen Feuerwehr in Achim in Niedersachsen im Landkreis Verden.

2015 Flucht von Afghanistan nach Deutschland

Vor sechs Jahren kam Mohammad Ibrahimi nach Deutschland. Geboren ist er im Iran, doch Afghanistan bezeichnet er als seine Heimat. Vor seiner Flucht lebte er in der Stadt Herat. "Ich habe vier Jahre, fünf Jahre da gewohnt und habe die echten Kämpfe und Krieg gesehen, wegen der Religion. Dann habe ich meine Heimat verlassen."

Ja, er vermisse Herat. Das sei eine schöne Stadt. Seine Schwester lebt dort mit ihren drei Kindern. Aber Mohammad Ibrahimi ist auch angekommen - in Achim und in der Freiwilligen Feuerwehr. Bereits seit fünf Jahren ist er einer von rund 80 ehrenamtlichen Frauen und Männern. Alle arbeiten hier zusammen, wie eine große Familie. "Wenn der Melder geht, treffen wir uns - egal wann. Wir rücken zusammen aus und wir kommen auch zusammen wieder", erklärt Manon Fehsenfeld.

Erste Bedenken verschwinden schnell

Fehsenfeld war Gruppenführerin und ist Kinderfeuerwehrwartin. Und Stadtpressewartin der Feuerwehr ist sie auch. In dieser Gemeinschaft werde niemand verurteilt - nicht wegen seiner Hautfarbe, nicht wegen seiner Religion, sagt die Feuerwehrfrau. Sie gibt aber zu: Als das erste Mal von Mohammad die Rede war, hatte sie Bedenken: "Vor unserer ersten Begegnung, als es hieß, es kommt ein junger Herr aus Afghanistan. Man kennt die Bilder, man kennt die Nachrichten und sagt: Ich als Frau, der hört nicht auf mich. Und dann kam er und es war überhaupt nicht so. Er ruft mich an, wenn er Fragen hat und er ist wissbegierig. Dieses Klischee erfüllt er null!"

Engagiert in Feuerwehr und Moschee

Mohammad Ibrahimi ist hilfsbereit, zuvorkommend und liebt es zu Lachen. Er engagiert sich in der Kinderfeuerwehr, den Feuertatzen. Seine Tochter ist dort auch dabei. Tagsüber arbeitet er als Maler, macht eine Ausbildung, obwohl er eigentlich schon in seiner Heimat Maler war. Und in der Moschee ist er auch aktiv. Mohammad : "Ich koche auch etwas für die Leute. Reis und Suppe, für viele Leute. Nicht für 100 Leute, für mehr: 200, 300 Leute."

Den muslimischen Glauben leben, wie er es möchte

Wenn er in die Moschee gehen möchte, zum Beispiel am schiitisch-islamischen Feiertag Aschura, dann geht er hin. Wenn ihm nicht danach ist, dann eben nicht. Und wenn es bei der Feuerwehr etwas zu feiern gibt, dann ist er dabei. Es sei für ihn eine Befreiung, den muslimischen Glauben so zu leben, wie er es möchte: "Hier kann man alles entscheiden. Keiner sagt, wie in meiner Heimat, zum Beispiel dass die Frauen müssen ein Kopftuch tragen müssen. Hier ist es freiwillig, hier ist es besser."

Ibrahimis Kinder sollen frei leben

Als Vater einer Tochter ist ihm diese Freiheit besonders wichtig: "Ich möchte, dass meine Kinder so wie diese Leute in Deutschland leben, einfach frei leben. Nicht festhalten und sagen, du musst ein Kopftuch tragen oder du musst nicht an der Schule mit Männern teilnehmen oder Männer nicht begrüßen - das ist alles anders."

Es ist spät geworden. Mohammad Ibrahimi schließt die große Seitentür des Einsatzwagens, streift seine Schutzausrüstung ab. Als Feuerwehrmann kann er der Gesellschaft etwas zurückgeben, Danke sagen. Als er das zu formulieren versucht, lächelt er, wie so oft: "Ich danke den Leuten von der Feuerwehr Achim und Uesen. Dass sie mich hier reingelassen haben, dass ich teilnehmen kann. Das freut mich sehr."

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