Männer stehen in einem Raum und beten © Abdhul-Ahmad Rashid / NDR Foto: Abdhul-Ahmad Rashid

Afrikanischer Islam in Hamburg: Ein Besuch in der Sabikun-Moschee

Stand: 20.05.2022 09:00 Uhr

In Hamburg leben rund 50.000 Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Viele von ihnen sind Musliminnen und Muslime, die ihren Glauben in Moscheegemeinden praktizieren. Der Journalist Abdul-Ahmad Rashid hat eine Gemeinde auf dem Steindamm besucht.

Männer stehen in einem Raum und beten © Abdhul-Ahmad Rashid / NDR Foto: Abdhul-Ahmad Rashid
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von Abdul-Ahmad Rashid

Freitagmittag in der Sabikun-Moschee in Hamburg-St. Georg, direkt hinter dem Hauptbahnhof. Während der Imam schon predigt, verrichten einige ihre freiwilligen Gebete. Der Imam predigt zunächst auf Arabisch, bis er dann in die Landessprache wechselt. Das Thema der Predigt: Die Bedeutung des Schicksals für die Menschen.

Imame arbeiten ehrenamtlich

Die 2009 gegründete Gemeinde hat rund 300 Mitglieder. Die meisten von ihnen stammen aus Togo an der westafrikanischen Küste. Für die anderen Anwesenden übersetzt der Vorsitzende die Predigt auf Deutsch. Die Vorbeter stammen aus der Gemeinde. Sieben Männer, die sich die Aufgabe als Imame teilen. Sie werden dafür nicht bezahlt, denn die Gemeinde hat wenig Geld. Besonders auffallend: Die bunte Tracht, die viele Männer tragen. Der Gemeindevorsitzende Massoud Bamba erklärt:

"Bunte afrikanische Gewänder tragen die Leute freitags gern. In Afrika kann man das noch mehr sehen. Der Islam in Afrika ist - allein von der Geschichte - anders als in anderen Ländern", erläutert der Gemeindevorsitzende Massoud Bamba. "Und auch, wie der Islam praktiziert wird, ist anders. In einem Dorf in Afrika wissen die Menschen, dass jemand Wissen hat. Er ist sofort Imam, er braucht nicht in Saudi-Arabien eine Ausbildung zu machen und zurückzukehren und dann Imam zu werden." Zudem unterschieden sich die finanziellen Möglichkeiten der Sabikun-Moschee stark von anderen Gemeinden, so Bamba: "Zum Beispiel in der türkischen Gemeinde oder in der arabischen werden die Imame geholt und bezahlt. Sie haben noch mehr Möglichkeiten. Unsere Imame kommen ganz einfach so und arbeiten ehrenamtlich", schildert Bamba die Situation seiner Gemeinde.

Abdul-Ahmad Rashid © Abdul-Ahmad Rashid
Der Journalist und Islamwissenschaftler Abdul-Ahmad Rashid ist Mitglied der ZDF-Redaktion Kirche und Leben.

Nach dem Gebet verlassen die Männer zügig die Moschee, denn es wartet bereits die nächste Gruppe. Wegen Corona lässt die Gemeinde in zwei Schichten beten. Das Thema der Predigt jetzt: die islamische Ethik. In Hamburg gibt es sechs afrikanische Moscheegemeinden, zwei davon allein in diesem Gebäude. Dass sie nicht zu einer großen Gemeinde zusammenkommen, hat Gründe.

Imame predigen in unterschiedlichen afrikanischen Sprachen

"Es gibt unterschiedliche Landessprachen, wie hier bei uns die Sprache Kotokoli, was wir benutzen, die ist anders als Hausa oder als Poular oder Manding. Das sind verschiedene afrikanische Sprachen, und danach richten sich die verschiedenen Moscheen, die hier gegründet worden sind", erklärt Bamba und berichtet weiter: "Die Menschen müssen richtig verstehen, was gesagt wird. Die erste Generation, die gekommen sind und sich hier eingelebt haben, haben Familien gegründet. Diese Generation fühlt sich besser in ihrer Landessprache als auf Deutsch. Auch die Imame, die predigen, verstehen nicht richtig Deutsch. Warum sollen sie dann auf Deutsch predigen?"

Afrikanischer Islam gilt als tolerant

Der Islam afrikanischer Prägung ist vielfältig, nicht nur wegen der diversen Sprachen. Auch das Islamverständnis gilt als offen und freier als in anderen Regionen der islamischen Welt. "Toleranz ist eigentlich das Merkmal der Kultur. In Afrika sieht man das, egal ob Muslime oder nicht: Die Afrikaner sind tolerant. Die sind offen. Manche sagen, das ist die Sonne, manche sagen, das ist das Land. Toleranz gibt es bei Afrikanern, weil sie fröhlich sind. Eine Familie in Afrika ist anders definiert, und da fängt es an. Da sind nicht nur Papa und Mama, es gibt auch Onkel und Tanten. Je größer die Familie ist, desto mehr lerne ich, die Menschheit zu akzeptieren."

Für die religiöse Landschaft Hamburgs, aber auch für die muslimische Gemeinschaft in der Hansestadt ist der bunte, weltoffene afrikanische Islam eine Bereicherung.

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