Stand: 18.04.2019 11:06 Uhr

"Gemeiner Reimer" gegen "Butterweichen Poeten"

von Rainer Schobeß

Fritz Reuter und Klaus Groth waren die erfolgreichsten plattdeutschen Autoren ihrer Zeit. Beide gelten als Begründer der neu-niederdeutschen Literatur im 19. Jahrhundert, und längst sind sie auch Säulenheilige der plattdeutschen Szene. Klaus Groth wird 2019 ganz groß gefeiert: Er kam vor 200 Jahren, am 24. April 1819, in Heide zur Welt. Fritz Reuters 200. Geburtstag ist schon ein paar Jahre her. Der Mecklenburger und der Holsteiner konnten sich allerdings nicht ausstehen.

Bilder von Klaus Groth und Fritz Reuter

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05:02
Schleswig-Holstein Magazin

Zum 200. Geburtstag von Klaus Groth

Schleswig-Holstein Magazin

Klaus Groth aus Heide war besonders bekannt für seine niederdeutschen Gedichte, die nicht nur in Norddeutschland gern gelesen wurden. Video (05:02 min)

Durch und durch gemein seien Reuters Anekdoten, schrieb Groth. Und Reuter nannte seinen Kollegen einen butterweichen Poeten, der sentimentalen Unsinn zusammenreime. Groths Gedichtband "Quickborn" erschien 1852, ein Jahr später kamen Reuters "Läuschen und Rimels" heraus. Groth wurde für seine Lyrik gerühmt, aber Reuters Buch verkaufte sich besser. Als der Literaturwissenschaftler Robert Prutz schließlich Reuters Rimels über Groths Gedichte stellte, entwickelte sich ein erbitterter Streit zwischen den Dichtern.

Zwei erbitterte Konkurrenten, die sich nie getroffen haben

In seinen "Briefen über Hochdeutsch und Plattdeutsch" schrieb Klaus Groth: "Wer in den Läuschen und Rimels die Natur Mecklenburgs und seiner Bewohner sucht, der wird staunen über einen Augiasstall von Grobheit und Plumpheit." Reuters Läuschen empfand Groth als "durch und durch gemein".

Programm-Tipps

NDR 1 Radio MV
Klönkist,
Sonnabend, 20.4.2019, 19.05 - 20 Uhr
NDR 90, 3
Wi snackt Platt,
Sonntag, 21.4.2019, 8.30 - 9 Uhr
NDR 1 Welle Nord
Von Binnenland und Waterkant,
Mittwoch, 24.4.2019, 20.05 - 22 Uhr
NDR 1 Radio MV
Kulturjournal,
Serie, 23.4.-26.4.2019, 19.05 - 20 Uhr

Fritz Reuter zahlte mit gleicher Münze zurück in seiner "Abweisung der ungerechten Angriffe und unwahren Behauptungen, welche Dr. Klaus Groth in seinen Briefen über Hochdeutsch und Plattdeutsch gegen mich gerichtet hat". Er warf Groth vor, sich zum "Hohenpriester der plattdeutschen Literatur" aufzuspielen und schrieb, "dass man auf zehn Seiten meines Buches mehr Fingerzeige zu einer richtigen Beurteilung unseres jetzigen plattdeutschen Volkslebens und unserer Volkssprache findet als in dem ganzen Quickborn".

Persönlich getroffen haben die beiden Dichter sich nie. Sie waren Konkurrenten, und sie waren grundverschieden. Reuter konnte derb und direkt schreiben, wenn die Handlung es erforderte. Groth wollte fein und gediegen schreiben, wenn er dem Volkston nachspürte. Vielleicht hat ihm die Kontroverse später auch ein wenig leidgetan. Nach Reuters Tod nannte Groth ihn "een vun de grötsten Dichter".

Groth und Reuter im Radio

Im Hörspiel "De Ehrengäst", das jetzt auch als Hörbuch erschienen ist, treffen der sensible Feingeist Groth und der lebenslustige Haudegen Reuter zusammen - bei Wasser und Bier in einem Studio des Norddeutschen Rundfunks. In dieser plattdeutschen Geisterbeschwörung von Holger Janssen mit Uwe-Detlev Jessen als Reuter und Joachim Bliese als Groth kommt nach einigen spitzen Bemerkungen tatsächlich ein Gespräch zustande. Die beiden erzählen einander, wie sie wurden, was sie sind - oder besser waren. Und dabei fliegen die Fetzen.

"De Ehrengäst: Fritz Reuter & Klaus Groth - eine plattdeutsche Geisterbeschwörung"
Hörbuch (Spieldauer: 53:16) mit ausführlichem Booklet
Tennemann Buch- und Musikverlag
ISBN 978-3-941452-68-8
Preis: 16,95 Euro

Ausschnitte aus dem Hörbuch
02:51

Groth und Reuter im Radio

Eine Begegnung, die es nie gegeben hat: In einem Hörfunk-Studio treffen die beiden plattdeutschen Autoren Groth und Reuter aufeinander. Sofort beginnen sie einen Streit. Audio (02:51 min)

02:53

Reuter nimmt Groth mit nach Stavenhagen

Fritz Reuter wurde im Rathaus der mecklenburgischen Kleinstadt Stavenhagen geboren. Sein Vater war der Bürgermeister und Stadtrichter Georg Johann Reuter. Audio (02:53 min)

03:08

Groth nimmt Reuter mit nach Heide

Klaus Groth wurde in Heide als Sohn eines Müllers geboren. Im Alter von 14 Jahren wurde er zunächst Schreiber beim Heider Kirchspielvogt, mit 18 Jahen ging er auf das Lehrerseminar in Tondern. Audio (03:08 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 18.04.2019 | 19:00 Uhr

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