Stand: 12.06.2019 09:20 Uhr

Schönberger Kantorei

von Karin Erichsen

Singen verbindet - das trifft auf Chöre im Allgemeinen zu, aber ganz besonders auf die Schönberger St. Laurentius Kantorei. Ihre Mitglieder kommen aus einem weiten Umkreis von etwa 50 Kilometern, von Ost und West, aus Städten und Dörfern und aus allen sozialen Schichten. Nur wenige Chöre haben ein so großes Publikum: Es reist aus ganz Norddeutschland an - nämlich immer dann, wenn die Kantorei mit Orchester und Solisten den Schönberger Musiksommer eröffnet oder feierlich beschließt.

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Immer mittwochs wird im Gemeindehaus unter der Leitung von Christoph Minke geprobt.

Die Proben der Schönberger Kantorei beginnen mittwochs um 19 Uhr, aber bis 20 Uhr füllen sich noch peu à peu die Stuhlreihen im Schönberger Gemeindesaal. Wenige Chorleiter würden das so gelassen hinnehmen wie Kantor Christoph Minke: "Wir haben in der letzten Zeit im Chor wahnsinnig viel gemacht und wir haben noch viel vor. Und die Leute, die hierher kommen sind nicht gerade diejenigen, die sonst nichts zu tun haben. Es sind die, die auch sonst tausend Dinge machen. Insofern werde ich selbst fast zu einer Art Anwalt der Leute. Da wohnen zwei Seelen in meiner Brust."

Der Chor als Ort der Begegnung

Wenn erst einmal alle anwesend sind, singen rund 50 Leute in der Schönberger Kantorei. Darunter einige sehr junge Schüler, ein alter Pastor, eine Künstlerin, eine Steuerfachfrau, ein Tischler in Arbeitskleidung, ein Bauer, ein Architekt, eine Mutter mit ihrem Baby auf dem Schoß. Dank Kantor Christoph Minke sei der Schönberger Kirchenchor ein echter Ort der Begegnung über alle sozialen Schichten und Altersgrenzen hinweg, erzählen die Chormitglieder:

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Die Sängerinnen und Sänger der Schönberger Kantorei schätzen das Miteinander im Chor sehr.

"Ich kam hier eines Tages rein vor 14 Jahren und wollte eigentlich den Chor zeichnen, weil ich gerne zeichne", erzählt ein Sänger und ergänzt: "Und er sah mich und sagte: 'Ach wie nett, Sie sehen aus wie ein Bass!', drückte mir die Noten in die Hand, gab mir einen Stuhl und dann saß ich da. Ich hatte noch nie Noten in der Hand gehabt, ich hatte noch nie Gesangsunterricht, aber das war ihm egal. Hauptsache dabei sein!"

Eine Mitsängerin fügt hinzu: "Ich habe schon in vielen Chören mitgesungen, auch parallel, aber der Zusammenhalt in diesem Chor ist einfach richtig richtig schön! Und man lernt sehr viel, das macht einfach Spaß."

In Symbiose mit dem Schönberger Musiksommer

Obwohl oder vielleicht gerade weil in der Schönberger Kantorei so viele verschiedene Menschen singen, erreicht sie ein musikalisches Niveau, das jährlich hunderte Besucher in ihre Konzerte und musikalischen Gottesdienste lockt. Zum Beispiel wenn die Kantorei demnächst beim Schönberger Musiksommer (18. Juni bis 22. September 2019) gemeinsam mit einem spanischen Chor aus Barcelona Bachs "h-moll Messe" aufführen wird. Die Proben dafür haben begonnen.

Die St. Laurentius Kantorei und der Schönberger Musiksommer bilden eine Symbiose. Sie seien ohne einander nicht denkbar, betont Kantor Christoph Minke. Nur mit seinem Chor im Rücken könne er jeden Sommer das Musikfestival stemmen: "Denn aus dem Chor heraus kommen einerseits ehrenamtlich viele praktische Tätigkeiten für den Musiksommer. Auf der anderen Seite ist der Musiksommer auch das Forum, auf dem der Chor sich darstellen kann. Dabei entsteht ein Austausch mit Künstlern, die von draußen reinkommen. Und das führt dazu, dass wir uns an denen schon irgendwie messen müssen und auch wollen. Auch die Nähe zu Lübeck bringt einiges mit sich, weil das Lübecker Kulturleben ein sehr hohes Niveau hat. Das heißt, dieser Standard muss von uns auch irgendwie erreicht werden."

Um die Welt und in der Nachbarschaft

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Jedes Jahr eröffnet oder beschließt die Schönberger Kantorei den Schönberger Musiksommer.

Dafür biete die Musik von Johann Sebastian Bach eine hervorragende Grundlage. Denn da müsse man präzise proben, aufeinander hören und einen gemeinsamen Ton finden, sagt der Kirchenmusikdirektor. Er komme deswegen immer wieder auf Bach zurück. Aber auch geistliche Musik des Judentums, Werke der Romantiker und zeitgenössische Chormusik stehen regelmäßig auf den Programmen, mit denen die Kantorei auch außerhalb von Schönberg auftritt.

"Wir machen auch schöne Chorreisen", sagt Tenor Olaf Booth und ergänzt: "Im Herbst geht es nach Barcelona. Wir treffen andere Chöre, singen mit anderen Chören zusammen. Und dieses Gemeinsame mit den Orchestern, dem Chor und den Solisten, das hat einen Anspruch, der mir gefällt." Nur einen Nachteil habe das Singen in Schönberg: Eine gemütliche Kneipe für das Bierchen nach der Probe gibt es nicht.

Die Sängerinnen und Sänger der Schönberger St. Laurentius Kantorei bei einer Chorprobe im Gemindehaus. © NDR Foto: Karin Erichsen

Die Schönberger Kantorei

NDR Kultur - Matinee -

Singen verbindet - das trifft auf Chöre im Allgemeinen zu, aber ganz besonders auf die Schönberger St. Laurentius Kantorei. Karin Erichsen hat eine Chorprobe besucht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 12.06.2019 | 09:20 Uhr

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