NDR Musikjournalist Matthias "Matthes" Köppinghoff beim Reeperbahn Festival 2020. © NDR Foto: Benjamin Hüllenkremer

Reeperbahn Festival-Blog 2021: Die Ruhe vor dem Stürmchen

Stand: 22.09.2021 11:34 Uhr

NDR Musikjournalist Matthes Köppinghoff ist auch in diesem Jahr beim Reeperbahnfestival: In seinem Blog erzählt er von seinen Beobachtungen auf St.Pauli. Vier lange Tage mit großen und kleinen Highlights liegen vor ihm.

von Matthes Köppinghoff

Wer mich noch nicht kennt: Ich bin Matthias Köppinghoff, genannt Matthes, und schreibe für den NDR den Reeperbahn Festival-Blog. In den letzten Jahren bin ich bis tief in die Nacht bei Europas größtem Clubfestival durch St. Pauli gezogen - allerdings ist auch im Jahr 2021 vieles noch anders als früher.

Tja. Wenn wir mal kurz an das letzte Reeperbahn Festival im September 2020 zurückdenken, dachten wir da nicht alle: "Puh. Das mit den Masken, Abstand und dem ganzen Zeug drum rum, das war ja alles ganz schön anstrengend. Gut, dass wir damit allerspätestens im Frühling 2021 durch sind!" Und jetzt sitze ich in herbstlichen Klamotten an den Vorbereitungen zu meinem Lieblingsfestival, mit zahlreichen Apps, Impfnachweisen und einer Auswahl an Masken.

Keine Sorge liebe Leser*innen: Ich möchte in diesem Jahr ganz bewusst in meinen Texten das "C-Wort" weitestgehend meiden, zur Einstimmung komme ich allerdings nicht ganz um die Thematik herum.

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Joy Denalane mit ihrer Band auf der Bühne des Operettenhauses in Hamburg © NDR

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Wenn ich im Sommer 2020 Freund*innen und Kolleg*innen mal aufgeregt von einem Konzert erzählt habe, war es noch so: Ich wurde angeschaut und behandelt wie ein Einhorn, das etwa neun Sprachen spricht. Fließend. So unvorstellbar war ein "normales" Konzert, das nicht im Internet gestreamt wurde. Jahrelang war es ganz einfach gewesen, eine Band samt Publikum in einen Raum zu stecken. Im letzten Jahr ging so etwas (wenn überhaupt) nur unter extremen Vorkehrungen, mit Sicherheitsabständen, zugewiesenen Plätzen - und sehr viel Papierkrieg.

Das Reeperbahn Festival 2020 im letzten Herbst war also sehr ungewohnt, weil eben Publikumsmassen mit dazugehören, egal ob Festival-Besucher*innen oder Hamburg-Tourist*innen. Hier und da war es zugebenermaßen im Festivalablauf auch etwas ruckelig: Ticketbesitzer*innen kamen oft nur mit Glück und noch längerem Anstehen als sonst in die Clubs. Oder mussten, wenn das Limit an Zuschauer*innen erreicht war, leider draußen bleiben. Und trotzdem hatten die Leute und natürlich die Musiker*innen Freude daran, dass endlich wieder irgendwas passierte.

Anpassung an das neue Festival-Setting

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Zuschauer vor der ARTE Concert Stage beim Reeperbahn Festival © Julian Rausche Foto: Julian Rausche

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In diesem Jahr hat man sich ein wenig an das Setting gewöhnt, Stichwort "neue Normalität". Wir können es uns ungefähr vorstellen, was man mit "Strandkorbkonzert" meint oder kennt ähnliche Veranstaltungen in Autokinos, ob man die jetzt gut findet oder nicht. Dabei sehnt man sich zu etwas zurück, was Bilder aus Großbritannien schon zeigen, beispielsweise beim Reading Festival: Hier wird wieder ausschweifend zu Musik gefeiert, gegrölt und getanzt. Gern würde ich hier Instagram-Schnipsel von Sam Fender oder Liam Gallagher empfehlen, fürchte aber, dass die eine oder der andere traurig nach wenigen Sekunden aufgibt und wegklickt. Schneller Themenwechsel!

Ausblick auf Rumgerenne und viel Spaß

Ich bin sehr gespannt, wie das Reeperbahn Festival, nun ebenfalls Pandemie-erprobt, seine Veranstaltung durchzieht. Für die Hamburger Clubs war es eine harte Zeit, auch für Veranstalter*innen, Künstler*innen und Besucher*innen. Und sind wir mal ehrlich: Auf Streaming-Konzerte hat(te) niemand (je so wirklich) Lust. Sicherheit und Gesundheit sind nachhaltig wichtige, im Jahr 2021 sogar politische und gesellschaftlich oft sehr sensible Themen.

Auch Musik, sowohl als Geräusch, aber eben auch als soziale und körperliche Erfahrung, mit Musiker*innen und einem agierenden Publikum - das ist ebenfalls wichtig für uns, auch für unsere geistige Gesundheit. Daher bin ich insgesamt sehr optimistisch und freue mich schon auf die vier Tage. Das Reeperbahn Festival ist mein jährlicher, persönlicher "Iron Man"; zwar fürchte ich mich im Vorfeld immer etwas vor dem Rumgerenne, aber hey: Es macht auch sehr viel Spaß, und der Soundtrack ist auch toll.

Auftakt am Mittwoch mit Stars und Geheimtipps

In der Reeperbahn Festival-App habe ich schon etliche Bands und Musiker*innen markiert, die ich mir gern anschauen möchte. Mein Festival-Highlight verrate ich noch nicht (Spannungsaufbau und so), wohl aber ein paar Shows, die ich Mittwoch sehen möchte. Empfehlen möchte ich WEZN aus Hannover, das Duo gibt es um 19 Uhr im Thomas Read (das ist der Pub am Beatles-Platz). Hoffentlich schaffe ich es auch zu Fortuna Ehrenfeld im Gruenspan, dieser Indie-Pop aus Köln ist immer sehr unterhaltsam.

C’est Karma in der St. Pauli-Kirche, Sharktank im Indra und Luke Noa im Headcrash werde ich vermutlich verpassen, denn: Angeblich wird mir in diesem Jahr ein Plätzchen im Operettenhaus freigehalten. Traditionell verpasse ich die Opening-Shows, beziehungsweise schaffe es vor lauter Publikumsandrang nicht rein. Dort freue ich mich besonders auf Joy Denalane; die Plattenfirma Universal hat sogar noch einen draufgesetzt und schickt Sting auf die Bühne. Ja, richtig gelesen, endlich mal wieder ein richtig großer Star beim Reeperbahn Festival!

Mal sehen, vielleicht kommt es auch wieder alles ganz anders und ich werde zu anderen Konzerten getrieben. Auch das hat Tradition beim Reeperbahn Festival. Wie dem auch sei: Ich freue mich darauf, wieder berichten zu dürfen!

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.09.2021 | 06:40 Uhr

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