Stand: 10.08.2018 10:56 Uhr

Tina Dico live in Hamburg: Songs, die bleiben

von Petra Rieß

Tina Dico ist eine Sängerin aus Dänemark, die es in wenigen Jahren vom Geheimtipp zum Publikumsmagneten geschafft hat. Mittlerweile füllt sie große Konzertsäle, vor Kurzem auch die Elbphilharmonie. Mit 23 war sie nach London gezogen, und weil sie sich den Klang ihrer Musik nicht vorschreiben lassen wollte, gründete sie im Jahr 2000 ihre eigene Plattenfirma. Heute lebt die 40-Jährige mit ihrem Mann und ihren Kindern in Island. Das Schleswig-Holstein Musikfestival hat sie für drei Konzerte eingeladen. Das erste sollte am Donnerstagabend in Hamburg stattfinden, auf der großen Open-Air-Bühne vor dem Museum für Arbeit. Doch es kam anders.

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Tina Dico spielt auf der großen Bühne nur kurz - dann kommt das Gewitter.

Einige ganz neue Songs will Tina Dico mit ihrer Band spielen, Songs die vorher noch niemand gehört hat. Von ihrer zukünftigen neuen Platte. Und einige alte. Der Himmel ist tiefdunkelgrau hinter der in lilablaues Licht getauchten großen Bühne. Davor: ein voll besetzter Platz. Viele haben zur Sicherheit Schirm und Regencape mitgebracht. Dico, in bunter Bluse und pink leuchtendem Plisseerock, hofft, das Wetter möge halten. Doch dann geht alles ganz schnell: Nach nur 20 Minuten, nach drei, vier Songs, ist Schluss. Blitz, Sturzregen und Sturm fegen den Platz in Minutenschnelle leer.

Es geht drinnen weiter

Obwohl sie die Elektrizität in der Luft habe spüren können, hätte sie nie gedacht, dass eine Show so schnell vorbei sein könne, sagt Dico. Der Gewittersturm hat die meisten Dico-Fans unter die nächstliegenden Bäume, zu Bierständer und Bratwurstbehausungen getrieben. Der Veranstalter öffnet die Türen zu einem Seitenflügel des roten Museumsgebäudes und dann sickert die Nachricht durch: Tina Dico will drinnen weiterspielen, ohne Verstärker, nur sie und ihre drei Mitmusiker.

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Das Gelände des Museums bietet mit der Elbtunnel-Bohrmaschine eine tolle Optik auch für Konzerte.

Vor allem leise muss es werden: Schlagzeugerin Marianne Lewandowski hat sich ihre Basedrum geschnappt, Dennis Ahlgren seine Bassgitarre, Helgi Jonsson - der Pianist der Band und Dicos Ehemann - bringt seine Posaune mit, und Tina Dico, hautnah, spielt brandneue und alte Songs, manche auf Zuruf, wie etwa "Count To Ten", einer ihrer großen Erfolge.

Ebenerdig auf vier Quadratmetern

Die etwa 250 Menschen, die geblieben sind, sitzen dicht an dicht auf dem Boden. Die Sängerin und ihre Band spielen auf nur vier Quadratmetern Bretterboden, ebenerdig. Für das Publikum und auch für die Künstlerin wird es ein ganz besonderer Abend, ein wenig "back to the roots, als das Musikmachen noch einfach war und man mit vier Menschen das spielte, was sich natürlich anfühlte", wie Dico sagt.

Wie versprochen hat Tina Dico auch noch ungespielte Stücke ihrer zukünftigen CD dabei: "Festland" wird sie heißen. Denn Lieder, so Tina Dico, sind der Boden unter ihren und unseren Füßen, sie schreiben unser Leben, sie bleiben, auch wenn alles andere um uns herum zu zerbrechen scheint.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 10.08.2018 | 07:20 Uhr

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