Stand: 12.07.2018 18:15 Uhr

"Metheny bewegt etwas in dir!"

von Kerstin Düring

Der amerikanische Jazzgitarrist Pat Metheny spielt im Kieler Schloss. Das Konzert "An Evening with Pat Metheny", präsentiert von JazzBaltica und dem Schleswig-Holstein Musik Festival, ist schon seit Wochen ausverkauft. Der Bassist Martin Wind, gebürtiger Flensburger und ein treuer Fan und Weggefährte Methenys, spricht über den einzigartigen Sound des Ausnahmegitarristen.

Pat Methenys Jazzgitarre klingt weich und fast schwebend. So hatte vor ihm noch keiner gespielt, als er Mitte der 70er-Jahre sein Debütalbum "Bright Size Life" präsentierte. Es war ein Wendepunkt in der Geschichte des Jazz. Einer seiner Fans lebte damals in Flensburg und ging noch zur Schule: der Bassist Martin Wind, inzwischen als Profimusiker in die USA emigriert.

Mit Pat Metheny verbindet ihn eine ganz besondere Geschichte. Wind erinnert sich an die Anfänge: "Zusammen mit meinem ersten CD-Spieler habe ich auch meine erste CD gekauft und das war damals die Pat Metheny Group. Es war eines dieser Erlebnisse, bei dem man einen Musiker hört und er einen direkt ins Herz trifft."

"Da singt jemand durch sein Instrument"

Während Martin Wind in Flensburg die Platten seines Idols nachspielte, wurde Pat Metheny immer erfolgreicher. Mit seiner Band, der Pat Metheny Group, gewann er 1982 den ersten von insgesamt 20 Grammys. Er experimentierte mit Freejazz, Hardcore und Weltmusik, vor allem aber habe seine Musik etwas entwaffnend Verletzliches, schwärmt Martin Wind: "Pat Metheny ist ein Musiker, der keine Angst hat, sein Innenleben zu zeigen. Du hörst diesen Sound, du hörst diesen Klang und es bewegt etwas in dir. Es entstehen Bilder im Kopf und ich habe das Gefühl, da singt jemand durch sein Instrument."

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Der Bassist Martin Wind hat mit Gitarrist Pat Metheney und Drummer Jochen Rueckert das JazzBaltica Festival 2003 eröffnet.

Zur ersten Begegnung zwischen Martin Wind und Pat Metheny kam es 1995 bei einem Talentwettbewerb in den USA. "Ich hatte sogar einen Brief vorbereitet", erinnert sich der Flensburger, der davon träumte, eines Tages mit dem Stargitarristen aufzutreten. Wenige Jahre später - Wind war inzwischen selbst etablierter Musiker in der New Yorker Jazzszene und regelmäßiger Gast beim JazzBaltica Festival - traten sie das erste Mal zusammen in Kiel auf.

"Ich hätte fast aufgehört zu spielen"

Ein prägendes Erlebnis: "Es hat mich so bewegt, diesen Klang neben mir zu hören und zu spüren, dass ich fast aufgehört hätte zu spielen", erinnert sich Wind. In seiner Wahlheimat New York hatte der Flensburger auch Gelegenheit, Metheny besser kennenzulernen. Er sei zwar einer der wenigen Jazzmusiker, die als Weltstars auf der Straße erkannt werden, "aber wenn man dann mit ihm zusammen ist, ist er unglaublich offen und herzlich".

Bis heute ist Pat Metheny einer der der wichtigsten und stilprägendsten Jazzgitarristen der Szene, das spürt Wind auch in seiner Tätigkeit als Jazzdozent an der New York University: "Wenn es darum geht, wem die Studenten nacheifern, dann ist Pat immer ganz vorne mit dabei."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 12.07.2018 | 20:00 Uhr

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