Die Sängerin Dota Kehr singt mit ihrer Gitarre auf einer Bühne © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Patrick Pleul

Liedermacherin Dota Kehr kommt mit ihrer Band in den Norden

Stand: 16.07.2021 12:19 Uhr

Gerade ist ihr neues Album "Wir rufen dich, Galaktika" erschienen". Jetzt touren die Liedermacherin Dota Kehr und ihre Band auch durch Norddeutschland und treten beim Schleswig-Holstein Musikfestival auf.

Am 18. Juli wird Dota Kehr in Lübeck beim Schleswig-Holstein-Musikfestival auftreten und im Verlauf der Sommermonate weitere Termine auch im Norden spielen. Die lange Corona-Bühnenpause war auch für Dota Kehr eine durchwachsene Zeit, erzählt sie bei NDR Kultur: "Ein Teil von mir hat sich zuhause eingerollt und einfach nur abgewartet und sich furchtbar gelangweilt, viele Monate lang. Es war nicht nur schlecht, mal mehr vor Ort zu sein. Aber natürlich hat es auch finanziell und emotional einfach sehr gefehlt."

Die Sängerin Dota Kehr mit Band © Annika Weinthal
AUDIO: Interview: Liedermacherin Dota Kehr über Songtexte und ihr neues Album (55 Min)

Neues Album "Wir rufen dich, Galaktika" entstand in der Pandemie

Die überwiegend bühnenfreien Monate der Pandemie waren aber auch eine produktive Zeit. Ein neues Album ist entstanden, in dem sie jedoch bewusst nicht die Pandemie verarbeitet hat: "Ich hatte das Gefühl, das will jetzt keiner hören - wir sind alle zu nah dran, ich mag das gerade nicht in Liedern verarbeiten", erzählt Kehr.

Der Titel "Wir rufen dich, Galaktika" hat dem Album seinen Namen gegeben und ruft Erinnerungen wach an die NDR Kinderserie "Hallo Spencer" aus den 80er-Jahren, in der die Fee Galaktika gerufen wurde, wenn es Probleme gab. "Natürlich glaube ich nicht daran, dass diese Fee kommen wird, um uns zu retten," sagt Kehr. Es sei ihr in dem Song um die Balance zwischen Hoffnung und Ausweglosigkeit gegangen. Das sind auch Themen, die sich durch das Album ziehen.

Genderdebatte, Klimaschutz, Politik - Dota Kehr verarbeitet viele Themen der Gegenwart in ihren Songs und macht sich Gedanken. Zurzeit werde viel Sympolpolitik gemacht, meint die Musikerin: "Politik muss Regeln machen, die die gesellschaftlich und ökonomisch schwächeren schützen. Und gerade habe ich den Eindruck, dass wir in einer Phase sind, wo dieser reale Schutz und diese reale Umverteilung, das Sorgen für gerechte Bildungschancen, für eine vernünftige soziale Absicherung immer schlechter wird."

Song "Ich hasse es" verarbeitet Sucht nach Sozialen Medien

In ihrem Lied "Ich hasse es" beschäftigt sie sich mit den Sozialen Medien. "Für ein paar Herzchen sich verbiegen und schon bin ich Teil der Maschine" lautet eine Textzeile. Der Song sei aus der Pandemie heraus entstanden, in der bei vielen die Nutzung von Instagram und Co. deutlich anstieg, auch bei ihr, erläutert Dota Kehr. "Ich habe gemerkt, wie ich eine Social-Media-Sucht entwickelt habe und ständig diese App aufgemacht habe. Viel mehr als ich wollte - richtig klassisches Suchtverhalten. Das ist diese wahnsinnige, manipulative Maschinerie. Irgendwann hat es mich so genervt und es hat sich so befreiend angefühlt, dieses Lied zu schreiben!"

Vom Medizinstudium zur Laufbahn als Musikerin

Der Weg zur Musik führte bei Dota Kehr über Umwege, auch wenn sie als Jugendliche bereits Saxofon spielte. Kehr studierte zunächst Medizin. "Ich habe erst während des Studiums angefangen, Gitarre zu spielen und Lieder zu schreiben und habe dann gemerkt, dass ich davon leben kann." Sie habe nie den Plan gehabt, Lieder zu schreiben. In der Zeit ihres Staatsexamens wurde ein neues Album fertig. Und danach ging es auf Tour. Statt Ärztin war sie dann also Musikerin. Das hat Dota Kehr bisher nicht bereut: "Ich liebe es so sehr, zu singen und zu schreiben. Und ich glaube, ich bin da genau richtig gelandet."

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Dota Kehr probierte sich zunächst als Straßenmusikerin aus

Ihre ersten Schritte als Musikerin ging Dota Kehr, die 1979 in West-Berlin geboren wurde und dort auch aufgewachsen ist, unter anderem auch als Straßenmusikerin unter dem Namen "Kleingeldprinzessin". "Ich wollte meine Songs ausprobieren und sehen, wie Leute auf die Lieder reagieren und habe vor Cafés gespielt. Der Name 'Kleingeldprinzessin' ist kleben geblieben." Mittlerweile ist es der Name ihres eigenen Labels, mit dem Dota Kehr ihre Musik selbst verlegt.

Das Schreiben von Songs ist ein fragiler Prozess

Der ganz eigene Dota-Sound entstehe in einem fragilen Prozess, sagt die Musikerin. "Ich bringe ein Stück zur Probe mit, das in Akkorden, Melodie und Text fertig ist. Und dann muss das Arrangement so gefunden werden, dass es das Lied möglichst gut unterstützt, dass es dem nichts nimmt. Ich glaube, dass schon der Urkeim des Liedes in sich trägt, wie es nachher klingen sollte. Man muss dem nur treu bleiben." Text und Musik entstehen bei Dota Kehr und ihrer Band in der Regel parallel. Für sie sei es keine Option, fertige Texte zu vertonen. "Das würde zu verkopft. Eher ist es noch so, dass ich eine Melodie habe und dann Worte suche, die dazu passen."

Musikalsische Inspiration aus Brasilien

Eine längere Zeit hat Kehr in Brasilien verbracht und auch von dort musikalische Einflüsse mitgenommen, denn schon als Teenager interessierte sie sich für die brasilianische Musik. "2003 bin ich für ein Jahr nach Fortaleza gegangen und habe dann dort ganz tolle Musiker kennengelernt und dort ein Album aufgenommen mit dem Titel "Mittelinselurlaub/Perto da Estrada". Ein weiteres Album folge 2007 in São Paulo ebenfalls auf Deutsch und Portugiesisch. "Ich mag die Sprache wahnsinnig gern. Wenn ich ehrlich bin, singe ich sehr viel lieber auf Portugiesisch als auf Deutsch. Bei Deutsch drängt sich die Sprache immer sehr stark in den Vordergrund. Meine steile These ist, dass auch im Englischen und Portugiesisch der Text mehr in der Musik verschwinden kann."

Album mit Vertonungen von Gedichten Mascha Kalékos

Als ein Konzertbesucher ihr einen Gedichtband von Mascha Kaléko schenkte, entdeckte sie diese Dichterin völlig neu für sich und setzte sich daran, ihre Texte zu Lieder zu verarbeiten. 2020 erschien das daraus entstandene Album. Die einfache Sprache und besondere Tiefe habe sie daran beeindruckt, so Kehr: "Dass sie manchmal fast schon spöttisch und trocken ist. Und gleichzeitig ist da auch immer so eine Verletzlichkeit und und Nahbarkeit. Sie verdichtet wahnsinnig gut. Davon versuche ich mir immer eine Scheibe abzuschneiden." Auf dem Album gibt es das Lied "Auf eine Leierkastenmelodie", dass Dota Kehr gemeinsam mit Hannes Wader singt. Und auch mit Konstantin Wecker und Max Prosa hat sie Kaléko-Duette aufgenommen.

Für die Zukunft steckt Dota Kehr noch voller Ideen: "Ich würde sehr gerne nochmal anknüpfen an die Zusammenarbeit mit den brasilianischen Musikern und Musikerinnen, von denen ich erzählt hatte. Aber jetzt sind wir erst mal mit dem Galaktika-Album auf Tour, und wir werden sogar auch noch ein paar Konzerte zu dem Kaléko-Programm spielen. Ich freue mich sehr aufs Live-Spielen"

Dota Kehr - Tourdaten Norddeutschland

18.07.2021: Lübeck - Werftsommer
07.08.2021: Hannover - Herrenhäuser Gärten (Sommernächte im Gartentheater)
14.08.2021: Schwerin - Schweriner Schlossn
15.08.2021: Rostock - Circus Fantasia
20.08.2021: Hamburg - Planten un blomen
08.09.2021: Osnabrück - Live im Grünen (Büdchen am Westerberg)
10.09.2021: Flensburg - Werfthalle Robbe & Berking

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 16.07.2021 | 13:00 Uhr

Die Sängerin Dota Kehr mit Band © Annika Weinthal

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