Stand: 20.08.2018 09:53 Uhr

Faust'scher Abend mit Brandauer in Lübeck

von Katrin Bohlmann

Beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) hat es am Sonntagabend ein echtes Schmankerl gegeben: Klaus Maria Brandauer hat in der Lübecker Musik- und Kongresshalle zu Schumanns "Faust-Szenen" gelesen, zusammen mit dem Flensburger Dirigenten Matthias Janz, seinen beiden Chören, einem Orchester und zwölf Solisten, die den musikalischen Part übernommen haben. Ein besonderer Abend, zumal Robert Schumann - der diesjährige Schwerpunktkomponist beim SHMF - bisher noch nie so zu hören war: in Wort und Musik.

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Der 75-jährige Österreicher Klaus Maria Brandauer liest Schumanns "Faust-Szenen" in Lübeck.

Es war ein großes Aufgebot, das hat es in dieser SHMF-Spielzeit noch nicht gegeben. Mehr als 280 Künstler waren auf der Bühne: die Mitglieder des Flensburger Bach-Chors und des Symphonischen Chors Hamburg. Zwölf Solisten, das dänische Symphonieorchester Südjütlands - alle unter der Leitung des Flensburger Dirigenten Matthias Janz. Eine große Herausforderung, erzählt Janz, bekennender Brandauer-Fan: "Ich habe ihm anhand der Partitur gesagt: Da könntest du lesen und da. Dann hat Brandauer sich hingesetzt und überlegt, was könnte an den Stellen gelesen werden. Anschließend haben wir uns ein ganzes Wochenende in Lübeck mit Frank Siebert, dem Chefdramaturg, zusammengesetzt und versucht, alles zusammenzubringen. Ich habe Klavier gespielt, Brandauer hat gelesen - wie live -, und so hatten wir eine lange Vorlaufzeit. Sonst würde das nicht funktionieren."

Brandauer ist von "Faust-Szenen" fasziniert

Schumanns "Faust-Szenen" faszinieren Brandauer. Er will an dem Abend mit dem Publikum in einen Dialog treten. "Wir erzählen die Geschichte von Herrn Schumann, wie er sich müht, nicht zu glauben, dass es einen Teufel gibt. Also die Auseinandersetzung: 'Wozu bin ich überhaupt auf der Welt, warum habe ich eine Begabung, warum bin gerade ich für Musik ausgesucht, im Gegensatz zu Goethe?'"

Publikum vom Gesamtkunstwerk begeistert

Auch wenn viele den heute 75-jährigen Brandauer immer noch als den Faust'schen "Mephisto"-Darsteller vor Augen haben - ihm selbst ging es in Lübeck viel mehr um Schumann und seine Gefühlswelt. Er las nicht nur, er litt mit Schumann.

Schon vor zwei Jahren haben Dirigent Janz und Schauspieler Brandauer zusammengearbeitet: zu Haydns "Jahreszeiten" in Büdelsdorf. Mit Erfolg. Auch jetzt war das Publikum in der fast ausverkauften Lübecker MuK von dem musikalisch-literarischen Gesamtkunstwerk begeistert - mit einem Wermutstropfen: Die Akustik sei nicht gut gewesen, beklagten viele. Brandauer verrät: Er fühle sich gut aufgehoben beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Das lässt hoffen, dass er, einer der wichtigsten Charakterdarsteller unserer Zeit, noch einmal in den hohen Norden kommt. "Ich habe hier glückhafte Arbeiten gemacht, und da kann man immer über alles reden", sagt Brandauer.

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