Stand: 01.06.2020 06:00 Uhr

Intendant Markus Fein vor seinen letzten Festspielen MV

von Axel Seitz

Der Sommer 2020 wird der letzte für Markus Fein bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern sein. Der 49-jährige Intendant im Nordosten wechselt zum 1. September an die Alte Oper in Frankfurt am Main.

Markus Fein, Intendant der Festspiele MV, im Interview mit dem NDR. © NDR Foto: Axel Seitz
"Ich bin noch voll und ganz bei den Festspielen", sagt Intendant Markus Fein, der im September nach Frankfurt am Main wechselt.

Viele Erlebnisse verbinden Markus Fein mit den Festspielen: etwa als die Berliner Philharmoniker erstmals nach 86 Jahren wieder zu Gast in Mecklenburg waren. Oder ein Auftritt von Nigel Kennedy in Fleesensee, bei dem der britische Geiger seine Zugabe quasi zu einem zweiten Konzert erweiterte und ein Orgelkonzert von Iveta Apkalna in der Neubrandenburger Konzertkirche, das mit ungeplanter Stille begann.

"'Es ist noch ein Jahr hin', habe ich gesagt, als ich diesen Wechsel bekanntgegeben habe. Jetzt sage ich immer noch, 'das ist noch ein Jahr hin'", sagt Markus Fein kurz vor Beginn seiner letzten Festspiele als Intendant. "Auch, wenn die Mathematik nicht stimmt, ich bin noch voll und ganz bei den Festspielen. Das macht auch in diesem schwierigen Umfeld in diesen Tagen unendlich viel Spaß."

Igor Levit als Preisträger in Residenz - "ein Glücksfall"

Im Oktober 2012 wurde der Musikwissenschaftler Fein als Nachfolger von Intendant Matthias von Hülsen vorgestellt. 2013 bereitete Fein seine ersten Festspiele vor, seit dem 1. Januar 2014 war er auch offiziell Intendant. Für seinen ersten Festspielsommer konnte er Pianist Igor Levit als Preisträger in Residenz gewinnen. "Das war ein Glücksfall, dass wir ihn in dieser Intensität präsentieren konnten", sagt Fein. "Es waren damals 24 oder 25 Konzerte. Das wäre heute undenkbar. Als Weltstar spielt er nur noch in den großen Häusern, auf den großen Bühnen."

Trotzdem ist der Pianist immer wieder zu den Festspielen zurückgekehrt, zum Beispiel 2016 und 2018. Es sei aber schwierig, solche mit der Zeit groß gewordenen Künstler wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zu locken, betont der Intendant: "Wir müssen diese Partnerschaften weiterdenken. Wir dürfen nicht stehen bleiben und den Künstlern sagen, sie seien unsere Preisträger und möchten sich bitte daran erinnern. Dieses Erinnern schwindet von Jahr zu Jahr, so ist der Musikbetrieb." Mit vielen Künstlern, sagt Fein, sei diese Partnerschaft gut gelungen. Da sei unter anderen die Geigerin Julia Fischer und der Cellist Daniel Müller-Schott.

Gerassimez, Armstrong, Krijgh waren Preisträger

Nach dem Pianisten Igor Levit prägten als Preisträger das Streichquartett Quatuor Ébène, die Geigerin Vilde Frang, der Schlagzeuger Alexej Gerassimez, der Pianist Kit Armstrong und im vergangenen Jahr die Cellistin Harriet Krijgh einen ganzen Festspielsommer. Auf die Frage, wer von diesen Künstlern der Sechser im Lotto mit Zusatzzahl war, antwortet Markus Fein: "Igor Levit." Zugleich betont er, dass jede dieser Residenzen für sich eine besondere war.

Videos
Der Perkussionist Alexej Gerassimez spielt auf einem Schlagzeug. © NDR
2 Min

Alexej Gerassimez spielt "View From Olympus"

Alexej Gerassimez spielt "View From Olympus" von John Psathas. Als Perkussionist prägte er mit mehr als 20 Konzerten den Festspielsommer 2017 in Mecklenburg-Vorpommern. 2 Min

Auftakt am 13. Juni in der Neubrandenburger Konzertkirche

Der für 2020 vorgesehene Akkordeonist Martynas Levickis wird nun nicht zu den geplanten rund 25 Konzerten in Mecklenburg-Vorpommern auftreten, denn die Corona-Pandemie hat sämtliche Vorhaben der Festspiele zunichte gemacht. Stattdessen planen Fein und seine Mitstreiter einen Festivalsommer mit Konzerten unter dem Motto "30mal anders" und einen Auftakt am 13. Juni in der Neubrandenburger Konzertkirche: "Die NDR-Radiophilharmonie aus Hannover wird kommen, wenn auch nur mit wenigen Musikerinnen und Musikern. Wir werden ein wunderbares Sextett von Johannes Brahms, und das Mendelssohnsche Oktett hören."

Ihm sei es wichtig gewesen, dass die Kultur eine starke Stimme in diesen Zeiten behält, betont der 49-Jährige, denn "die Kultur kann sich auf diese Umstände einstellen und die Kultur kann Menschen viel geben und daran mitwirken, dass eine Gesellschaft zusammenhält". Für seine letzten drei Monate als Intendant ist es für Markus Fein wichtig, dass sich die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern nicht von ihrem Weg abbringen lassen: "Wir sehen, wie die Musiker sagen: 'Wir wollen auftreten und verzichten auf unser Honorar oder treten für ganz kleines Geld auf'. Das ist einfach toll".

Künftige Intendantin der Festspiele MV: Ursula Haselböck

Mit Ursula Haselböck arbeitet sich bereits die künftige Intendantin in ihre neuen Aufgaben ein, denn die gebürtige Wienerin übernimmt mit dem 1. September die Leitung der Festspiele. Während der Festspielsommer 2021 zumeist die Handschrift von Markus Fein tragen wird, blickt Ursula Haselböck bereits noch weiter in die Zukunft: "Ab 2022 liegt es an mir, hier das Programm zu gestalten. Da freue ich mich sehr drauf."

Weitere Informationen
Der Akkordeonspieler Martynas Levickis hat sein Instrument umgeschnallt und blickt in die Kamera. © NDR/Martynas Levickis
3 Min

Kultur trotz Corona: Martynas Levickis

Martynas Levickis ist Akkordeonist und Preisträger der Festspiele MV. Auch der Litauer ist auf der NDR Bühne mit seiner Musik vertreten. 3 Min

Igor Levit am Flügel
5 Min

Igor Levit spielt Robert Schumanns "Kinderszenen"

Igor Levit spielt seit 35 Tagen jeden Abend um 19 Uhr ein Wohnzimmerkonzert, welches er am 16. April ins DAS! Studio verlegt, wo er aus Schumanns "Kinderszenen" das "Kind im Einschlummern" und "Der Dichter spricht" spielt. 5 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kunstkaten | 01.06.2020 | 20:00 Uhr

Mehr Kultur

Elsa Dreisig als Manon im glitzernden Abendkleid mit einem Glas Sekt auf der Bühne. Copyright: Staatsoper Hamburg/Brinkhoff/Mögenburg © Staatsoper Hamburg Foto: Brinkhoff/Mögenburg

"Manon" an der Staatsoper Hamburg: Ein musikalisches Fest

Unter der Regie von David Bösch feierte Jules Massenets Oper "Manon" Premiere an der Staatsoper Hamburg. mehr

Felix Klein © picture alliance/dpa Foto: Britta Pedersen

"Toleranz-Tunnel": Ausstellungsprojekt gegen Hass und Hetze

Das Projekt will Toleranz und Mitmenschlichkeit fördern. Wie genau - das erzählt Schirmherr Felix Klein im Interview. mehr

Sonderausstellung "Störtebeker und Konsorten" im Hansemuseum Lübeck © Europäisches Hansemuseum Lübeck Foto: Olaf Malzahn

Lübeck: Online auf den Spuren von Klaus Störtebeker

"Störtebeker und Konsorten" heißt eine Sonderausstellung, durch das Europäische Hansemuseum derzeit Online-Führungen anbietet. mehr

Der Schauspieler Flavio Kiener steht mit seinem Käsestand auf einem Wochenmarkt. © NDR Foto: Katja Weise

"Leben im Lockdown": Am Käsestand statt auf der Theaterbühne

Seit März 2020 hat Flavio Kiener ungewollt viel Zeit. Mittlerweile hat der Schauspieler ein zweites Standbein gefunden. mehr