Stand: 17.06.2017 22:08 Uhr

Festspiele MV: "Real Music statt Fake News"

von Christian Kahlstorff, NDR.de

In Wismar sind am Sonnabend die Festspiele MV 2017 offiziell eröffnet worden. Vor 900 Zuschauern in der ausverkauften St.-Georgen-Kirche spielte die NDR Radiophilharmonie Stücke von Mozart und Bartholdy. Am Ende gab es minutenlang stehende Ovationen für einen gelungenen Konzertabend.

Fußstampfen, Wind und Wetter: MV als Musikstück

Es beginnt mit dem Wind. Und Wasser. Nur aus den Stimmen des NDR Chors. Mit der Festspiel-Overtüre "Das Land" stimmt Alexej Gerassimez die Anwesenden auf die Saison ein. Mit dem Stück für Chor und Schlagzeug gelingt es dem diesjährigen Preisträger in Residence, die Aufmerksamkeit des Publikums sofort auf seine Seite zu reißen. Mit der ungewöhnlichen Kombination aus Stimm-Effekten, Fußstampfen und klerikalen Klängen sorgt er für einen angenehm überraschenden Auftakt der Festspiele MV.

Fein will reale Musik in Zeiten von "Fake News"

Anschließend betonen sowohl Kulturministerin Birgit Hesse (SPD) als auch Festspiel-Intendant Markus Fein in ihren Begrüßungsreden das verbindende Element der Musik. Gerade in so unsicheren Zeiten frage er sich, so Fein, was die Festspiele leisten könnten. Doch reale Musik verbinde gerade in diesen Momenten, betont Fein. "Real Music statt Fake News" sucht er die Verbindung zum aktuellen Weltgeschehen. Das Selbstverständnis der Festspiele MV ist auf der internationalen Ebene angekommen.

Star-Geigerin Steinbacher mit mildem Mozart

Mit dem Konzert Nr. 5 A-Dur für Violine und Orchester und dem "Lobgesang" von Felix Mendelssohn Bartholdy folgen exemplarisch zwei Beispiele für diesen Anspruch. Violinistin Arabella Steinbacher spielt Mozart mit besinnlicher Leichtigkeit. Eher introvertiert und ohne große Allüren fließt das Konzert. Erst im Adagio setzt Steinbacher etwas stärkere Akzente mit ihrer Stradivari. Ist es ein gewollt ruhiger Kontrapunkt zu den von Fein zitierten unruhigen Zeiten?

Bartholdys "Lobgesang" reißt die Zuschauer mit

Nach der Pause folgt der Lobgesang und ändert diesen Eindruck - nachhaltig. Zwar muss das Ensemble mit deutlich weniger als den rund 500 Mitwirkenden bei der Uraufführung in der Leipziger Thomaskirche im Jahre 1840 auskommen. Doch von der mitreißenden Gewalt der menschlichen Stimmen - druckvoll gesungen durch den NDR Chor und den WDR Rundfunkchor - dürfte diese Vorstellung der Erstaufführung nicht nachstehen. Das Orchester - nun in voller Stärke - präsentiert sich im zweiten Teil des Konzerts ge- und entschlossener. Vielleicht will das Stück einfach besser in eine Kirche passen als der leichte Mozart. Jede Regung des hoch emotionalen Lobgesangs überträgt sich intensiv auf das Publikum. Zum Applaus hält es auch die Zuschauer im gesetzten Alter nicht mehr auf ihren Sitzen - minutenlang applaudiert es der gelungenen Darbietung.

Querschnitt durch alle Festspiel-Schwerpunkte

Ein Percussionist, eine Star-Geigerin, Chorgesang und Spitzen-Orchester - die Festspiele MV feiern einen gelungenen Auftakt und einen Ausblick auf die Bandbreite, der sich die Festspiele MV seit Jahren rühmen und an der sie sich selbst jedes Jahr von Neuem messen lassen müssen. Gerade Gerassimez wirkt da wie ein erfrischender, neuer Akzent. Über 130 Konzerte stehen in diesem Festspiel-Sommer noch an. Der NDR unterstützt die Festspiele MV.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.06.2017 | 16:00 Uhr

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