Küster Hans-Joachim Prieß, Erika Prieß, Sylvie Rehork und Harry Tischmann © NDR Foto: Anina Pommerenke

Festspiele MV: Freiwillige in Beidendorf packen mit an

Stand: 22.08.2021 14:00 Uhr

Rund 20 Ehrenamtliche machen den Festspielsommer in Beidendorf zu einem besonderen Erlebnis. Unsere Reporterin hat den Ort im Landkreis Nordwestmecklenburg besucht.

von Anina Pommerenke

In der charmanten Backsteinkirche in Beidendorf im Landkreis Nordwestmecklenburg ist kurz vor Konzertbeginn noch einiges zu erledigen: Die Bühne wird aufgebaut, der Flügel angeliefert und gestimmt, die Sitzkissen für die alten Kirchenbankreihen aus Holz im Schachbrettmuster angeordnet, Programmhefte werden ausgelegt und Kaffee für die Künstler gekocht. Isabel Schubert von den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern ist dafür heute mit einem Teil ihres Teams angereist und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Besonders beeindrucke sie, mit wie viel Liebe an den einzelnen Festspielorten auf die Konzerte hingefiebert werde.

Festspielbesucher in Beidendorf: Schmalzbrote sehr gefragt

Denn: schon vor der Kirche begrüßt ein Strauß herrlicher Sonnenblumen die Gäste. Sie kommen direkt vom Feld nebenan. Die Freiwillige Feuerwehr aus dem Ort hat schon Zelte und Bierbänke aufgebaut. Auch die Tische sind ebenfalls liebevoll mit Sonnenblumen dekoriert. Eine Gruppe Freiwilliger hat Getränke herbeigeschafft, Brote geschmiert und Spreewald-Gurken-Gläser bereitgestellt. Alles kann für kleines Geld erworben werden. Die Erlöse werden anschließend gespendet. "Egal ob die Leute aus Hamburg, Ratzeburg oder Hannover kommen - immer fragen sie nach unseren Schmalzbroten", schmunzelt Sylvia Rehork. Sie ist eine von vier Freiwilligen, die sich heute um den Verkauf kümmern. "Das ist selbstgemachtes Schmalz von einem hier aus dem Dorf - das kommt immer gut an", weiß sie aus jahrelanger Erfahrung zu berichten.

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Kulturpartner: Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern sind ein klassisches Musikfestival, das jährlich an Spielorten in Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. extern

Mit Gartenschuhen zum Konzert

Insgesamt bringen sich in diesem Jahr um die 20 Ehrenamtliche aus dem Dorf mit ein. Dass die Gruppe Spaß an der Sache hat, merkt man schnell, wenn man sich zwischen Frischkäsebrot und Gurke auf einen kleinen Klönschnack einlässt. Ein gemeinsames Abschlussevent mit allen Beteiligten gehöre daher zum Festspielsommer in Beidendorf traditionell dazu, plaudert Rehork aus dem Nähkästchen. Und auch Pastorin Daniela Raatz berichtet vom vielfältigen Engagement in der Gemeinde, das die Konzertabende für alle zum besonderen Erlebnis werden lasse. Manche Beidendorfer kommen aber auch direkt aus dem heimischen Garten zum Konzert. Der aufmerksame Besucher erkennt sie daran, dass sie noch ihre Gartenschuhe anhaben.

"Musik, die wir lieben, in der Landschaft, die wir lieben"

Immerhin haben Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in diesem Sommer schon über 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer angelockt. Weniger als sonst, da zum Beispiel Innenräume nur zu 50 Prozent besetzt werden dürfen. Gerade große Namen wie Daniel Hope oder Nigel Kennedy und die Open-Air-Veranstaltungen hätten eine große Strahlkraft, berichtet Isabel Schubert. Zu den eingeschweißten Festival-Fans gehören auch Ute und Günther Seelinger aus Berlin, die es sich auf einer Bank im Kirchgarten gemütlich gemacht haben. Sie besuchen die Festspiele schon seit Jahren und haben meistens gleich mehrere Konzerte auf dem Zettel. Alleine in dieser Woche sind es vier. Besonders begeistere sie der musikalische Fokus auf der klassisch-romantischen Periode: "Es ist die Musik, die wir lieben, in der Landschaft, die wir lieben", resümiert Günther Seelinger. Über die Jahre haben er und seine Frau so auch viele schöne kleine Orte in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Von der Maskenpflicht oder der Rückabwicklung von Karten haben sie sich dabei nicht abschrecken lassen. "Wenn Kultur stattfindet, muss man da auch hin", bekräftigt Ute Seelinger.

Corona-Maßnahmen: Permanente Änderung der Vorgaben bereitet Kopfzerbrechen

Der gesamten Branche bereite es trotzdem derzeit Kopfzerbrechen, dass sich die Vorgaben permanent ändern, berichtet Isabel Schubert. Immer wieder werde man durch neue Landesverordnungen überrascht. In Mecklenburg-Vorpommern gilt der sogenannte Ampel-Erlass. So erfolgt in Schwerin und Rostock neuerdings der Einlass auf Basis der 3G-Regel: also geimpft, getestet und genesen. Denn dort steht die Ampel auf orange. Während an anderen Orten "nur" eine Maskenpflicht in Innenräumen herrscht. Immerhin habe man im Laufe des Sommers eine etwas kundenfreundlichere Variante für die Rückabwicklung der Karten gefunden. Während die zu Beginn der Festspiele noch aufwendig zurückgegeben und neu gebucht werden mussten, macht das Festival das jetzt unbürokratisch vor Ort beim Konzertabend. Eine große Erleichterung für beide Seiten.

Planung für den nächsten Sommer schon in vollem Gange

Eigentlich sei das gesamte Team auch optimistisch, dass die Konzerte mit den entsprechenden Vorgaben weiter gut besucht werden, prognostiziert Schubert. Die Abläufe im Land haben sich eingespielt. Wenn sich die Regeln ändern, werden Konzertbesucherinnen und -besucher darüber automatisch informiert. Etwas mehr Routine wäre mit Blick auf den Festspielherbst und die Winterkonzerte wünschenswert. Auch die Planung für den kommenden Sommer sei schon in vollem Gange. Gerade erst habe sie die ersten noch streng geheimen Programme zur Korrektur gelesen, schmunzelt Schubert. Trotzdem plane man weiterhin vorsichtig, zum Beispiel mit einer Besetzung der Konzerte nach Schachbrettmuster. Richtung Sommer hoffe man, dass dann wieder mehr möglich sein wird: "Der Blick geht also optimistisch nach vorne".

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 02.08.2021 | 07:40 Uhr

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