Stand: 24.08.2020 13:46 Uhr

Daniel Hopes Kontrastprogramm im Schweriner Dom

von Axel Seitz

"Hope@Home" - das war und ist in diesem Jahr ein besonders erfolgreiches Konzertformat des Geigers Daniel Hope - im Internet, im Fernsehen, aber auch vor Publikum. Am 14. August 2020 erschien auch eine CD mit gleichlautendem Namen. Bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern war der deutsch-britische Geiger nun solo zu erleben. Denn Daniel Hope stand ganz allein auf der Bühne - und zwar in Wismar, Schwerin und Rostock.

Der deutsch-britische Geiger Daniel Hope während eines Konzertes im Schweriner Dom © NDR Foto: Axel Seitz
Geiger Daniel Hope ist froh, wieder live aufzutreten, auch wenn die Anzahl der Zuhörer limitiert ist.

Ob in der Wismarer St.-Georgen-Kirche, im Schweriner Dom oder in der Rostocker Heiligen-Geist-Kirche - solch einen Tag wie diesen hat Daniel Hope auch noch nicht erlebt, gleich mit mehreren Premieren: "Das erste Mal bei den Festspielen ein Solorezital, das erste Mal drei Konzerte an einem Tag, das erste Mal drei Konzerte in drei verschiedenen Städten und das erste Mal eine Bach Cellosuite auf der Geige."

Er liebe dieses Stück seit vielen Jahren, sagt Daniel Hope, er habe es aber noch nie öffentlich aufgeführt, denn die Cellisten hätten etwas dagegen: "Sie sagen, Du hast genug Repertoire, wieso musst du auch noch unseres klauen. Aber es gibt einfach Stücke, die gehören zur Erinnerung, zum Gefühl. Dieses erste Prélude ist ein magisches Werk und ich dachte, wenn ich es tatsächlich mit in das Programm nehme, dann muss es schlüssig sein. Es muss ein Abschluss zu einem Abend sein und der Zeitpunkt eignete sich jetzt dafür."

Ein Konzert wie eine Andacht

Neben Bach spielte Daniel Hope in den drei großen Mecklenburger Kirchen unter anderem Werke von Schulhoff, Biber, Westhoff und Penderecki.
Gerade Musik wie Westhoff und Biber sei sehr bewegend. Man könne nicht so schnell spielen wie sonst. Es sei eine Art Andacht. Auf der anderen Seite sei ihm der Kontrast zu Penderecki, Rochberg und Schnittke wichtig gewesen. Er wollte zeigen, was eine Geige alles kann. Dieses Instrument sei nach wie vor ein faszinierendes Stück Holz, das eine ganze musikalischen Landschaft eröffne. Und gerade in Kirchen zu sein, sei für ihn noch intensiver, als "nur" in einem Konzertsaal zu spielen, schwärmt Hope.

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Der Geiger Daniel Hope © picture alliance / rtn
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"Nichts geht über ein Live-Publikum"

Eigentlich sollte Daniel Hope im vergangenen März den Festspielfrühling auf Rügen leiten, die Corona-Pandemie sorgte für eine Absage des zehntägigen Festivals, der Geiger blieb statt dessen zu Hause und entwickelte das Format "Hope@Home", zunächst in seinem Wohnzimmer, zwischen Mai und Anfang August dann auch wieder draußen und durchaus mit Publikum: "Insgesamt sind es 70 Folgen, die Hälfte davon mit Publikum. Das größte Konzert hatten wir in der Frauenkirche in Dresden mit fast 300 Leuten. Manchmal war es ein Publikum mit fünf Leuten. Aber, jedes Mal dieses Live-Erlebnis mitzubekommen, für jemanden zu spielen und nicht vor einer Linse zu stehen! Auch wenn man weiß, dass inzwischen mehr als acht Millionen Leute unsere Sendung gestreamt haben. Doch nichts geht über ein Live-Publikum. Da sind mir fünf Leute ehrlich gesagt lieber, weil man in diesem Moment die Wirkung der Musik sieht."

"Innehalten tut uns gut"

Wie die Musik jetzt im Schweriner Dom das Publikum beeindruckte, war besonders bei den leisen Passagen zu spüren, rund 190 Zuhöreinnen und Zuhörer sorgten dafür, dass jeder die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können. Daniel Hope hat es sehr beeindruckt zu spüren, wie die Menschen zugehört und reagiert haben, still waren. "Stille ist immer noch sehr schön in unserer Welt. In einer lauten und gefährlichen Welt ist diese Stille ein Moment des Innehaltens und im Moment tut uns das gut."

Festspiele Meckelnburg-Vorpommern
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 24.08.2020 | 19:00 Uhr

"Hope@Home"

Podcast NDR Kultur Neue CDs © ©Rob | Fotolia | Stock.Adobe
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Daniel Hope - "Hope@home"

Eine CD von Daniel Hope - vorgestellt auf NDR Kultur. 5 Min

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