Stand: 24.07.2019 17:40 Uhr

Bayreuther Festspiele: Ausblick auf "Ring" 2020

Am Donnerstag überträgt NDR Kultur ab 16.00 Uhr live die Eröffnung der diesjährigen Richard-Wagner-Festspiele aus Bayreuth. Dazu gab es vorab auf dem Grünen Hügel eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz - sollte es da auch schon einen Ausblick auf das kommende Jahr gehen. Die Opernexpertin Sabine Lange war bei der Pressekonferenz dabei.

Frau Lange, wie ist es bei dem Auftakt gelaufen?

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NDR Kultur Opernexpertin Sabine Lange war bei der Pressekonferenz der Bayreuther Festspiele dabei.

Sabine Lange: Das war ein sehr freundlicher Auftakt - im Vergleich zu den vergangenen Jahren auch recht unspektakulär: Wir haben diesmal keinen Vorab-Skandal gehabt, keinen, der kurzfristig abgereist ist. Ekaterina Gubanova kann in "Tannhäuser" nicht auftreten - sie hatte einen Bühnenunfall. Aber sobald sie wieder genesen ist, wird sie wieder dabei sein - das hat Katharina Wagner extra noch mal gesagt.

Ein bisschen vieldeutiger wurde sie, als es um den russischen Stardirigenten Valery Gergiev ging, der in "Tannhäuser" debütieren wird. Sie sagte, Gergiev sei zu allen vertraglich vereinbarten Proben gekommen, zwei Mal allerdings zu spät - das klingt nach einem nicht so guten Zeugnis. Er werde im kommenden Jahr "Tannhäuser" nicht mehr dirigieren - das sei aber allein seinem vollen Terminkalender geschuldet, sagte Katharina Wagner. Tatsächlich ist Gergiev zwischen den Proben sehr viel unterwegs gewesen, und er plant auch, zwischen den Aufführungen in Bayreuth auch woanders zu dirigieren. Das wird in Bayreuth traditionsgemäß nicht sehr gern gesehen. Man kann sich auch die Frage stellen, wie sich ein Bayreuth-Neuling - so erfahren er auch sein mag - in so kurzer Zeit mit den akustischen Tücken dieses Hauses und dieses überdeckelten Orchestergrabens zurechtfinden kann.

Im nächsten Jahr wird es einen neuen "Ring" geben - von wem denn?

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Vielleicht eine Entdeckung: Der Finne Pietari Inkinen soll im nächsten Jahr den "Ring" dirigieren.

Lange: Das war wirklich eine Überraschung. Es gab ja viele Spekulationen, auch darüber, dass vielleicht sogar vier Frauen die Regie in dieser Tetralogie übernehmen sollten. Aber es sind Menschen, auf die niemand gekommen ist. Sie klingen auch im ersten Moment unspektakulär. Es wird ein sehr junges Team sein: Dirigieren soll der Finne Pietari Inkinen - er ist bislang eher Insidern ein Begriff. Er ist Chefdirigent der Deutschen Radiophilharmonie. Opernerfahrung hat er unter anderem in Australien gesammelt, wo er auch schon den "Ring" dirigiert hat. Außerdem hat er Opern in Finnland, Brüssel, Berlin und München dirigiert. Er ist natürlich nicht ein solcher Star wie Valery Gergiev, aber vielleicht ja eine Entdeckung.

Inszenieren wird der 30-jährige Österreicher Valentin Schwarz. Er hat 2017 einen internationalen Musiktheaterwettbewerb als Regisseur gewonnen und schon erste Inszenierungen auf die Bühne gebracht. Aber jetzt soll er den gesamten "Ring" in einer einzigen Spielzeit in einem Sommer auf die Bühne bringen - das scheint mir eine ziemlich gewagte Unternehmung zu sein für jemanden, der noch relativ wenig Erfahrung hat.

Früher hieß es ja oft: Wenn so etwas schiefgeht, dann war es das mit der Festspielleitung. War das heute auch ein Thema in Bayreuth, wie es weitergeht in der Chefetage auf dem Grünen Hügel?

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Lange: Nicht in Bezug auf ein mögliches Scheitern im "Ring" - da gab es eine erstaunliche Stille unter den Journalisten. Aber es wurde direkt danach gefragt, ob Katharina Wagner ihren Vertrag über das Jahr 2020 hinaus verlängern wird. Sie hat darauf geantwortet, dass sie bereits in Verhandlungen steht, und sie nimmt es auch als gutes Zeichen, dass Markus Söder ihr gerade den Bayerischen Verdienstorden verliehen hat. Sie ist sich relativ sicher, dass es zu einer Einigung kommt. Sie sagt, sie sei jetzt Anfang 40, wolle nicht ihr gesamtes Berufsleben am Grünen Hügel verbringen - aber sie sei eben noch nicht besonders alt.

Mit in dieser Führung sitzt auch Christian Thielemann, der Musikdirektor. Was war von ihm zu hören?

Lange: Beim Presseempfang war er nicht - das liegt aber daran, dass er heute Abend dirigieren wird. Ansonsten konzentriert sich Thielemann auf seine "Lohengrin"- und "Tristan"-Dirigate und freut sich auf Anna Netrebko, die er jetzt doch noch nach Bayreuth holen konnte, nachdem er sie in Dresden schon zur Elsa im "Lohengrin" überredet hat. Sie wird im August debütieren.

Das Interview führte Jürgen Deppe

Sabine Lange © NDR Foto: Christian Spielmann

Junges Team inszeniert nächsten Bayreuther "Ring"

NDR Kultur - Journal Gespräch -

Bei der Pressekonferenz zu den diesjährigen Bayreuther Festspielen hat es auch schon einen Ausblick auf das kommende Jahr gegeben - mit einer Überraschung. Opernexpertin Sabine Lange war dabei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 24.07.2019 | 19:00 Uhr