Stand: 10.06.2020 18:52 Uhr

Wie geht es weiter an den Opernhäusern?

von Marcus Stäbler

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat diese Woche die Deutschsprachige Opernkonferenz in Berlin getroffen - ein Zusammenschluss der dreizehn größten Opernhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wichtigster Gesprächspunkt des Treffens: die aktuelle Situation der Opernhäuser und ihr Wunsch nach Planungssicherheit trotz Corona. Einig waren sich die Ministerin und die Intendanten darüber, dass in der nächsten Saison endlich wieder vor Publikum gespielt werden soll. Wie genau das gehen soll, bleibt offen - auch bei den Opernhäusern im Norden.

Der Opernintendant George Delnon im Porträt. © Dominik Odenkirchen Foto: Dominik Odenkirchen
Georges Delnon, Intendant der Staatsoper Hamburg, muss sich mit der Frage befassen, wie viele Menschen in Zukunft sein Haus besuchen dürfen.

Die Anzeichen verdichten sich, dass die Opernhäuser zur neuen Saison tatsächlich wieder vor Publikum spielen können. Ein positives Signal vom Treffen mit der Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Auch Georges Delnon, Intendant der Staatsoper in Hamburg, sieht das so: "Es gibt unterschiedliche Überlegungen, wie und was man macht. Aber wir haben alle das Gefühl, die Schlüsselfrage ist: Für wie viele Menschen?"

Lohnt sich eine Vorführung auch finanziell?

Wie viele Menschen dürfen in den Zuschauerraum, ohne ein zu großes Ansteckungsrisiko zu erzeugen? Hier gehen die Einschätzungen der Fachleute auseinander. In Deutschland gilt derzeit eine Empfehlung von mindestens 1,5 Metern Abstand zwischen den Besucherinnen und Besuchern, ein Arbeitsschutzpapier aus der Schweiz hält einen Meter für ausreichend. Das macht für die Gesamtanzahl der Zuschauer einen gravierenden Unterschied, sagt Delnon: "Das können dann ganz schnell 300 bis 400 Leute sein, je nach Größe des Hauses. Es muss ja auch ein Verhältnis geben zwischen dem, was an dem Abend eingenommen wird und den Kosten dessen, was auf der Bühne passiert."

Werke in großer Besetzung kaum denkbar

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Sitzplätze in einem Kino sind sind mit Zetteln mit aufgedrucktem angedeuteten Corona-Virus-Symbol abgesperrt. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

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Auch das, was auf der Bühne stattfindet, unterliegt ja strengen Sicherheitsvorschriften. Deshalb sind Werke mit großer Besetzung in Chor und Orchester momentan nur schwer denkbar - zwischen den Zeilen scheint Georges Delnon bereits anzukündigen, dass die Eröffnungspremiere von Mussorgkys "Boris Godunow" an der Staatsoper nicht stattfinden wird - zumindest nicht in der bisher geplanten Form: "Es ist tatsächlich ein Projekt, das die Spielzeit eröffnen wird, Kent Nagano wird es dirigieren und wir wollen Montag oder Dienstag bekannt geben, was es ist."

Regie führt, wie geplant, Frank Castorf. Der streitbare Regisseur hatte noch Ende April in einem Interview zu - wie er es nannte - "republikanischem Widerstand" gegen die Corona-Maßnahmen aufgerufen. Aber Hamburgs Opernintendant Georges Delnon macht sich trotzdem keine Sorgen, dass die Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, sagt er: "Ich glaube, auch Frank Castorf beobachtet sehr genau, was in der Gesellschaft passiert und natürlich beeinflusst ihn das auch, natürlich macht er sich auch Gedanken darüber, was alles um ihn geschieht."

Berman: Zeit nutzen und "etwas anderes ausprobieren"

Laura Berman © Simon Hallström/Staatstheater Hannover Foto: Simon Hallström
Intendantin Laura Berman muss an der Staatsoper Hannover umdisponieren. Ein Werk mit 100 Menschen auf der Bühne ist zur Zeit nicht möglich.

Auf jeden Fall ist ein kreativer Umgang mit den Sicherheitsregeln auf der einen und den künstlerischen Möglichkeiten auf der anderen Seite gefordert - das bestätigt auch Laura Berman, die Intendantin der Staatsoper in Hannover: "Ja, ich glaube man soll das einfach nutzen und dann etwas anderes ausprobieren!"

Die geplanten Aufführungen von Martinus Oper "The Greek Passion" an der Staatsoper Hannover etwa sind leider nicht möglich, weil die Inszenierung noch in der Vor-Corona-Zeit entstanden ist und rund 100 Menschen auf der Bühne agieren müssten. Deshalb wird "The Greek Passion" durch etwas anderes ersetzt, wie Laura Berman erklärt: "Da sind wir jetzt dran, und das ist ein Barockwerk, das wir als Projekt realisieren wollen, weil die Besetzung einfach passt und weil man bei dem Stoff Abstand auf der Bühne akzeptieren wird."

Auf die für Oktober angekündigte "Carmen" von George Bizet müssen die Besucher dagegen aller Voraussicht nach nicht verzichten: "Wir schauen uns eine besondere Fassung von 'Carmen' an, wir werden dann eine kreieren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 10.06.2020 | 17:40 Uhr

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