Stand: 24.10.2019 20:00 Uhr  - NDR Info

Wie steht es um die Opern in Norddeutschland?

von Joachim Hagen

Am 25. Oktober ist Weltoperntag. Ein Tag, an dem weltweit auf den Wert dieser Kunstform aufmerksam gemacht werden soll. Allerdings macht es auch misstrauisch, wenn eine Kunstform solche Werbung nötig hat. Dies ist Anlass genug, mal zu schauen, wie es um die Oper steht. Und warum sie gegen das Image kämpfen muss, eine etwas verstaubte Kunstform zu sein.

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Mozarts "Zauberflöte" wird immer irgendwo gespielt - ob auf den großen Bühnen oder in der Kinderoper.

Die "Zauberflöte" von Mozart - das war in der vergangenen Spielzeit die am häufigsten aufgeführte Oper in Deutschland - ein Singspiel, das älter als 200 Jahre ist. Und auch die weiteren Ränge der Statistik der beliebtesten Opern werden von Kompositionen aus den vergangenen Jahrhunderten dominiert. Zeitgenössische Musik? Fehlanzeige.

George Delnon: Sind moderne Opern mehrheitsfähig?

George Delnon, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, will das so nicht stehen lassen. Die moderne Oper lebt und sie wird auch aufgeführt. Sie sei halt nicht so populär wie Mozart, Humperdinck, Puccini und Co.: "Ich glaube, dass man erst mal über die zeitgenössische Musik nachdenken muss. Die Frage ist: Inwiefern ist neue Musik mehrheitsfähig? Die Zahl junger Menschen, die Popkonzerte besuchen oder sich für Jazz oder Hip-Hop interessieren, ist deutlich höher als die Zahl der Interessierten an der neuen Musik. Man kann also nicht sagen, dass die neue Musik der Mainstream ist."

Staatsoper Hamburg: Moderne Oper über Tsunami 2004

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Die Atomkatastrophe von Fukushima ist das Thema der Oper "Stilles Meer", bei der Oriza Hirata in Hamburg Regie führte.

Trotzdem tue die Hamburgische Staatsoper viel für die moderne Oper und junge Komponisten. In fünf Jahren seien in seinem Haus zwölf Opern uraufgeführt worden, erzählt Delnon. Zum Beispiel "Stilles Meer" des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa, eine Oper über die Opfer des Tsunami 2004. Diese Oper setzt bei den Zuhörern musikalische Neugierde voraus. Nur wenige Aufführungen im großen Haus waren ausverkauft. Solche Auftragskompositionen sind teuer, sagt Delnon. Dennoch müsse man auch solche Experimente wagen, um ein junges Publikum zu erreichen.

Oper über NSU-Mordopfer an der Staatsoper Hannover

Die Opern in Norddeutschland gehen dabei unterschiedliche Wege: Die Staatsoper Hannover hat den australischen Komponisten Ben Frost beauftragt, eine Oper über eines der NSU-Mordopfer zu schreiben. Frost hat sich einen Namen gemacht als Komponist für Hollywood-Thriller und Streaming-Serien. Das Theater Lübeck hat eine Tango-Oper von Astor Piazzolla im Programm. Im E-Werk in Schwerin zeigt das Mecklenburgische Staatstheater die "Weiße Rose", eine Kammeroper von Udo Zimmermann über die zum Tode verurteilten Geschwister Sophie und Hans Scholl.

Traditionelles Repertoire nicht vernachlässigen

Aber über solche Experimente dürften die Schätze des Repertoires nicht vernachlässigt werden, sagt George Delnon. "Wenn ich eine Mozart-Oper höre, denke ich, dass es schwierig ist, etwas Besseres zu machen. Aber wir müssen nicht unbedingt etwas Besseres, sondern etwas Eigenes machen, das gleichzeitig mehrheitsfähig ist. Ich glaube, wenn diese Begeisterung nicht da ist, dann hat man es schwer."

Genau das konnte Mozart wie kein Zweiter: eine Arie so zu komponieren, dass man sie noch tagelang mit summen muss.

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NDR Info | Kultur | 25.10.2019 | 06:55 Uhr

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