Stand: 25.11.2017 11:03 Uhr

Was macht eigentlich ein Barockorchester aus?

von Anja Martini
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Das Elbipolis Barockorchester hat sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben.

Wenn wir an Orchester denken, dann sehen wir eine große Bühne vor uns mit etwa 100 Musikern, die einen beeindruckenden Klang erzeugen. Aber das war nicht immer so. Vor etwa 300 Jahren in der Zeit der Barockmusik, waren die Orchester kleiner und sie klangen ganz anders. Das war die Zeit der Komponisten Telemann, Bach und Vivaldi. Um der Musik dieser Komponisten so nahe wie möglich zu kommen, fangen immer mehr Musiker an, diese Werke auf historischen Instrumenten zu spielen. Dann klingt die Musik fast wie damals in der Barockzeit.

Es ist ein warmer, dunkler, gedeckter Klang, der den Kirchenraum erfüllt. Nicht so kräftig, wie man ihn erwartet hätte, bei der Anzahl an Musikern. Geprobt wird Bachs h-Moll-Messe. Es sind Mitglieder des Barockorchesters Elbipolis. Sie spielen auf historischen Instrumenten, die so ähnlich gebaut sind wie zur Zeit der Entstehung der h-Moll-Messe - vor etwa 285 Jahren.

Fasziniert von barocker Musik

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Jürgen Groß spielt auf einer historischen Geige, Regina Gleim auf einer Traversflöte. Beide haben ihr Studium auf modernen Instrumenten angefangen, beide sind fasziniert von Barockmusik. Jürgen Groß stellte irgendwann fest, "dass das moderne Instrument, auf dem man spielt, gar nicht genau das wiedergeben kann, was man eigentlich ausdrücken möchte. Und das ist der Moment, wo man zu einem historischen Instrument greifen möchte." Regina Gleim erinnert sich noch genau an den Zeitpunkt, als sie begann, sich mit historischer Aufführungspraxis zu beschäftigen: "Als ich anfing, barocke Musik und ganz speziell Bach zu spielen, hat plötzlich alles viel mehr Sinn gemacht und ich wollte gar nicht mehr zurück zur modernen Flöte. Es war wirklich alles ganz klar."

Dem Klangideal der Komponisten näherkommen

Es waren die musikalischen Bögen, die Gedanken von Bach, Vivaldi und Telemann, die Regina Gleim auf einmal ganz klar wurden. Auf modernen Instrumenten könne man diese Musik natürlich auch spielen, aber es sei eben nicht dasselbe. Beide wollen versuchen, dem Klangideal, das die Komponisten im Kopf hatten, möglichst nahe zu kommen.

Die Komponisten schrieben die Musik so, dass sie zu den Instrumenten aus ihrer Zeit passte. In der Barockzeit, also vom Beginn des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Geigen ganz anders gebaut. So hatten sie zum Beispiel Saiten aus Darm und nicht aus Nylon oder Stahl mit Metallumwicklung. "Auch die Bögen sind anders. Sie sind kürzer und haben eine andere Form und haben andere Schwerpunkte und Spieleigenschaften, die deutlich leichter sind, als das was ein moderner Bogen so von einem fordert.", erklärt Jürgen Groß.

Historische Flöte erzeugt weichen Klang

Historische Flöten sind komplett aus Holz. Moderne Flöten hingegen sind meist versilbert und haben viele Klappen. "Richard Strauß bezeichnete das mal als 'Gewaltröhre'. Es kann jedenfalls extrem laut sein und das ist bei der Traversflöte gar nicht der Fall. Sie ist viel leiser und dadurch auch im Klang wärmer und weicher.", sagt Regina Gleim. Einfacher zu spielen, als moderne Flöten, seien sie aber nicht: "Dazu gibt es nur eine einzige Klappe und sonst nur Löcher, also sechs Löcher, mit denen man alle Halbtöne und Töne spielt. Also man muss quasi ein neues Instrument lernen, denn es gibt so viele Griffe, die mit der modernen Flöte gar nichts gemeinsam haben."

Für Regina Gleim und Jürgen Groß ist es kein Muss, barocke Musik ausschließlich auf historischen Instrumenten zu spiele. Aber für beide ist es mittlerweile nicht mehr anders vorstellbar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 23.11.2017 | 19:00 Uhr

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