Pianist Víkingur Ólafsson im Porträt © Ari Magg

Víkingur Ólafsson begeistert mit neuem Programm

Stand: 06.07.2021 16:59 Uhr

Sein Bach-Album hat Víkingur Ólafsson weltbekannt gemacht, jetzt hat der Pianist ein neues Programm: Debussy/Rameau. Peter Helling hat den Pianisten am Montag in der Elbphilharmonie erlebt.

von Peter Helling

"Es ist so unglaublich, wieder hier zu sein", sagt Víkingur Ólafsson dem Publikum. "Ich würde sehr gerne auch Johann Sebastian Bach spielen, unseren Freund." Für die Zugabe knöpft sich der junge Pianist Víkingur Ólafsson den obersten Hemdknopf auf. Als würde er sagen: Den hier, den kenne ich so gut, da ist jede Förmlichkeit überflüssig. "Johann Sebastian" nennt er ihn fast zärtlich. Die Zugabe ist hinreißend. Und das Publikum? Außer sich.

Víkingur Ólafssons perfekte Spieltechnik

Die musikalische Reise des Abends beginnt aber nicht in Leipzig, sondern ganz woanders: in Frankreich, am Hof Ludwig XV., in Versailles. Schon das erste Stück von Jean-Philippe Rameau ist ein fast scheues "Bonjour, ça va?". Der Pianist spielt emotional, technisch perfekt, aber nicht zu sehr, da ist Luft dazwischen, die Musik wirkt federleicht, scheint zu schweben. Fast unmerklich geht ein Stück von Rameau in eines von Claude Debussy über - 200 Jahre Musikgeschichte in einem Sprung.

Weitere Informationen
CD-Cover: Vikingur Olafsson - Debussy & Rameau © Deutsche Grammophon

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Frankreich leuchtet, klingt lebendig, tänzerisch, manchmal zerbrechlich. Es ist das menschliche Maß, das hier begeistert, Víkingur Ólafssons Gabe, mit Tönen zu sprechen und gleichzeitig tief in die Musik hinein zu lauschen. Fragend manchmal, zögernd. Dann mit Entschiedenheit, Akkorde wie Donnerhall.

Der Isländer scheint über eine Wiese aus Musik zu schlendern, nachdenklich, mit offenem Blick, barfuß, den Kopf in den Wolken. Fast floral wirken die Stücke von Rameau. Musik zum Anfassen.

Musik, die alle Sinne anspricht

Debussy dagegen hat schon den rauen Sound der Großstadt. Kurz darauf hebt der Barockkomponist Rameau die Musik ins Strahlende eines Sommertags. Das Temperament des Pianisten verwandelt sich in Klang.

Herausragend, wie der Isländer eine Stunde lang einen musikalischen Fluss ohne Pause erzeugt, ohne Blick in die Noten. Es ist auch eine Begegnung mit dem nicht ganz Vertrauten. Man spürt: Musik ist mehr als Ohr, mehr als Kopf - Musik ist Körper, geht durch alle Sinne.

Und tatsächlich spielt Ólafsson am Schluss zwei Bach-Zugaben, mit offenem Hemdknopf. Als der letzte Akkord verklingt, rein, erhaben, ohne Gewicht, wirft er den Kopf zurück. Und lächelt. Dankbar, dass er seinen Freund mit dem Publikum teilen konnte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 06.07.2021 | 19:00 Uhr

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