Stand: 18.02.2019 14:17 Uhr

Überall gut zu hören? Jonas Kaufmann in Hannover

Bei seinem Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie gab es massive Diskussionen über die Akustik. Zuhörer hatten unter Protest den Raum verlassen: "Man höre nichts", hieß es. Und auch Tenor Jonas Kaufmann hat sich anschließend sehr kritisch geäußert. Gestern kehrte Jonas Kaufmann nach Norddeutschland zurück, allerdings in den Kuppelsaal nach Hannover. NDR Kultur Opernredakteurin Sabine Lange war bei seinem Konzert dabei.

Was die Akustik angeht, dürfte es gestern in Hannover vermutlich keine Beschwerden gegeben haben?

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Der Kuppelsaal in Hannover (Archivbild) ist ein runder Saal wie der der Elbphilharmonie.

Sabine Lange: Nein, ganz im Gegenteil. Das hannoversche Publikum hat sich offensichtlich sehr auf das Konzert gefreut. Jonas Kaufmann tritt ja nicht alle Tage in Hannover auf. Und ja, der Kuppelsaal ist auch ein runder Saal wie die Elbphilharmonie. Aber der größte Teil des Publikums sieht und hört die Solisten von vorne oder maximal von der Seite. Es gibt nur wenige Zuschauer, die hinter dem Orchester sitzen. Tatsächlich war der Elbphilharmonie-Eklat auch vor Beginn des Konzertes in Hannover Gesprächsthema im Publikum. Ich hatte das Gefühl, dass Jonas Kaufmann zu Beginn des Abends etwas angespannt war. Das hat sich aber gelegt, als er merkte, wie sehr ihn das hannoversche Publikum liebt. Und am Ende, in den Zugaben, da wirkte er völlig gelöst und glücklich. Das war schon eine bemerkenswerte Stimmung gestern.

Wie man sich das eigentlich wünscht in einem Konzert. Französisches Repertoire hat Jonas Kaufmann gestern gesungen. Wie hat Ihnen das gefallen?

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Im Januar sang Jonas Kaufmann mit Mahlers "Lied von der Erde" eine große Sinfonie mit Solopart - für den Klang in der Elbphilharmonie gab es Kritik.

Lange: Jonas Kaufmann ist zweifellos ein sehr charismatischer Sänger, der Vieles zum Niederknien schön singen kann. Gestern war mir das Französische bei ihm allerdings oft ein bisschen zu wenig französisch. Er hat auffallend viel Wert darauf gelegt, Phrasen zu gestalten. Das klang aber so ordentlich, so gesetzt, mit zu wenig Sentiment. Kaufmann hat auch keine großen Unterschiede gemacht zwischen den verschiedenen Charakteren. Er hat aus Opern von Meyerbeer, Gounod, Bizet, Massenet, Halévy und Berlioz gesungen. Ein Beispiel vielleicht: Als Werther, da klang er nicht wie ein junger Mann, der gerade die Liebe entdeckt und fasziniert davon ist. Er klang eher wie ein Mann, der schon einiges an Erfahrung als Otello, als Parsifal gesammelt hat. Er klang eher heldisch als typisch französisch.

Arien und Duette waren angekündigt. Mit dabei war auch die georgische Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili. Wie hat sie dazu gepasst?

Lange: Ich finde diese Frau umwerfend! Für mich wurde der Unterschied zwischen den beiden sehr hörbar. Sie hat die Habanera der Carmen gesungen. Das war vom ersten Ton an ein Naturereignis. Wie sie mit Klangfarben gespielt hat, mit der französischen Sprache, manchmal mit einzelnen Tönen, mit einzelnen Silben, das hat mich vom ersten Ton an in den Bann gezogen. Sie hat eine Klarheit, eine Präsenz, das ist sensationell. Sie ist vom ersten Ton an die Figur, die sie darstellt, das habe ich bei Jonas Kaufmann vermisst.

Ich hätte mir gewünscht, dass Anita Rachvelishvili mehr singt als nur eine Arie und zwei Duette. Ich hätte sie zum Beispiel gerne noch als Saint-Saëns' Dalila gehört, das ist ja eine ihrer Paraderollen. Das hätte dem Abend deutlich mehr französische Farbe gegeben. Denn vom Orchester, den Prager Philharmonikern unter Jochen Rieder, kam in dieser Hinsicht nicht so viel. Französische Orchestermusik ist oft sehr differenziert und farbenreich. Das klang in diesem Orchester eher routiniert. Aber dennoch: Die Stimmung gestern war sehr gut, das Publikum hat am Ende enthusiastisch reagiert.

Es hat auch Geschenke gegeben für Jonas Kaufmann, er wurde dort offensichtlich sehr verehrt.

Lange: Das kann man so sagen. Erst gab es rote Rosen. Das ist noch relativ normal, das kommt häufiger vor. Aber dann gab es mehrere Frauen, die vorne in der ersten Reihe am Bühnenrand standen und ihm Präsente überreicht haben und auch der Sängerin und dem Dirigenten. Das ist ungewöhnlich.

Weitere Informationen
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Die Akustik in der Elbphilharmonie

Ein Artikel auf der Homepage der Elbphilharmonie Hamburg beantwortet die wichtigsten Fragen zur Akustik im Großen Saal. extern

Elphi-Akustik sorgt für erneute Diskussion

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 18.02.2019 | 16:20 Uhr

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