Stand: 15.11.2019 13:44 Uhr

Hildesheimer Erstaufführung von "Tristan und Isolde"

von Nick Sternitzke

Am Sonnabend feiert das Theater für Niedersachsen in Hildesheim seine Wiedereröffnung mit "Tristan und Isolde". Dies ist sozusagen die Hildesheimer Erstaufführung, denn in der über 100-jährigen Geschichte des Hildesheimer Stadttheaters hat es das noch nicht gegeben. Seit Pfingsten ist das Theater geschlossen. Monatelang hat man vor allem den Zuschauersaal gründlich saniert - zeitliche Verzögerungen, Druck und Adrenalin inklusive.

Szene aus der Oper "Tristan und Isolde" von Richard Wagner am Theater für Niedersachsen in Hildesheim. © T. Behind - Photografics
Nach langer Umbauphase soll die Wiedereröffnung groß gefeiert werden - mit "Tristan und Isolde".

Wagner auf einer Baustelle: Sinnbild für eine Liebe, die im brüchigen und wackeligen Diesseits keinen Halt hat? Denkbar, aber die Baustelle gehört nicht zur Inszenierung. Das ist Probenalltag im Ausnahmezustand. Im Zuschauersaal ist noch einiges zu tun, bis die Gäste am Sonnabend bequem in den neuen Theatersesseln, mit zwei Armlehnen pro Gast, Platz nehmen können. Generalmusikdirektor Florian Ziemen hat sich daran gewöhnt, dass die narkotischen Klangergüsse aus dem Orchestergraben vom Getöse der Baumaschinen kommentiert werden. "Es steht Spitz auf Knopf. Es gab jeden Tag zusätzlich zu den anstrengenden Proben auch noch Konferenzen über Dispo-Änderungen", sagt Ziemen. "Es ist wirklich so: In dem Moment, wo wir den letzten Ton spielen, geht die Kreissäge oder der Bohrer wieder an. Es wird jede Nacht, rund um die Uhr hier gearbeitet. Es ist abenteuerlich, aber wir kommen voran."

Szene aus der Oper "Tristan und Isolde" von Richard Wagner am Theater für Niedersachsen in Hildesheim. © T. Behind - Photografics
Durch den Umbau soll mehr Nähe zum Publikum entstehen.
Die Musiker müssen eng zusammenrücken

Ein deutliches "Mehr" an Komfort hat Intendant Jörg Gade seinen Zuschauerinnen und Zuschauern versprochen. Das betrifft vor allem die Bestuhlung, die Akustik und die Klimaanalage: "Besser hören, besser sitzen, besser atmen", so das Motto des Intendanten. "Der Saal sieht völlig anders aus. Es ist ein quasi neues Theater." Und dieses neue alte Theater soll feierlich eingeweiht werden. Zur Wiedereröffnung gehen "Tristan und Isolde" über die Hildesheimer Bühne des Stadttheaters: ein Stück, das für ein Haus dieser Größe nicht leicht zu bewältigen ist. Die Ressourcen sind begrenzt und das Orchester ist zu klein. Bei jeder Vorstellung helfen externe Musiker aus. Abstriche in der Original-Orchestrierung müssen aber nicht gemacht werden. Alle 53 Musikerinnen und Musiker passen - gerade so - in den Graben.

Eine Entdeckungsreise für die Neueröffnung

Sowohl für die Musiker als auch für die Sängerinnen und Sänger ist Inszenierung ein Debüt. "Das ist das Besondere: Wir alle machen es zum ersten Mal. Wir sind eine Gruppe von Debutanten", sagt Generalmusikdirektor Ziemen. Stolz ist man in Hildesheim vor allem darauf, König Marke, Brangäne, Kurwenal und die anderen Partien aus den eigenen Reihen stellen zu können. Nur das Liebespaar, das kommt nicht aus Hildesheim. Der britische Tenor Hugo Mallet hat sich langsam über Lohengrin und Siegfried zu Tristan vorgetastet. Diese Partitur liegt seit knapp vier Jahren auf seinem Schreibtisch - Zeit, hinauszugehen auf die Bühne. "Das ist die 'Final Front'. Mehr gibt es nicht. Es ist Wahnsinn: Je besser man es kennt, desto mehr entdeckt man. Das ist eine Reise der Entdeckung", sagt der Tenor.

Szene aus der Oper "Tristan und Isolde" von Richard Wagner am Theater für Niedersachsen in Hildesheim. © T. Behind - Photografics
Tenor Hugo Mallet aus England freut sich auf sein erstes Mal als Tristan.
Mehr Intimität zwischen Bühne und Zuschauer

Und wo, wenn nicht in einem so kleinen Haus wie in Hildesheim, könnte man sich besser auf diese traumverlorene Reise zweier Seelen, die zu einer werden, einlassen? Die Nähe zwischen Sängern und Zuschauern, die Intimität, das sind die Stärken des Hauses. Denn eigentlich ist "Tristan und Isolde" ein Kammerspiel und deshalb genau das Richtige für ein kleines Haus, das vor allem mit Opernraritäten ein ansprechendes und konkurrenzfähiges Profil entwickelt hat. Zur feierlichen Wiedereröffnung darf man dann aber auch einmal einen "Blockbuster" stemmen.

Hildesheimer Erstaufführung von "Tristan und Isolde"

Eigentlich ist das Theater in Hildesheim zu klein für eine Aufführung von "Tristan und Isolde". Aber zur Eröffnung nach langer Umbauphase soll richtig gefeiert werden - mit Wagner.

Datum:
Ende:
Ort:
Theater für Niedersachsen (TfN)
Theaterstraße 6
31141  Hildesheim
Telefon:
05121 1693-0
E-Mail:
info@tfn-online.de
Preis:
12 - 36 Euro
Kartenverkauf:
Kartentelefon: 05121 1693-1693

Theaterkasse:
Montag - Freitag: 10 - 18 Uhr
Samstag: 10 - 13 Uhr
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 15.11.2019 | 14:20 Uhr

Mehr Kultur

Der südafrikanische Künstler William Kentridge gestikuliert vor einer seiner Skulpturen © Kristin Palitza/dpa +++ dpa-Bildfunk Foto: Kristin Palitza

William Kentridge: Kunst des Weltstars in den Deichtorhallen

Die Deichtorhallen zeigen Zeichnungen, Trickfilme, Videos, Drucke, Skulpturen und riesige Installationen des Künstlers. mehr

Zu  sehen ist das Gebäude der Universitätsbibliothek TIB, dem Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften, in Hannover. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald

Leibniz Universität Hannover: TIB ist "Bibliothek des Jahres"

Die Technische Informationsbibliothek Hannover wird am Tag der Bibliotheken als "Bibliothek des Jahres" ausgezeichnet. mehr

Bücherstapel liegt im Laub © Fotolia.com Foto: Lilyana Vynogradova

Literaturpreis MV wird in Neubrandenburg verliehen

Aus mehr als 100 Einsendungen hat die Jury sechs Texte ausgewählt. mehr

Bei der Projektions-Triennale, der "lichtsicht 7" zeigt das Werk von den Künstlern Jeffrey Shaw und Sarah Kenderdine © picture alliance/Guido Kirchner/dpa Foto: Guido Kirchner

"lichtsicht 7" leuchtet abends in Bad Rothenfelde

Kunst unter freiem Himmel - in Corona-Zeiten ideal. Bei der "lichtsicht" wird Medienkunst auf die Wände der Saline projiziert. mehr