Stand: 11.12.2017 18:11 Uhr

Ständchen und Weltstar für Symphoniker Hamburg

von Daniel Kaiser
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Stehende Ovationen bekamen die Hamburger Symphoniker und ihr Stargast Martha Argerich - hier an der Seite des Dirigenten Ion Marin.

Mit einem großen Jubiläumskonzert haben die Symphoniker Hamburg am Sonntag ihren 60. Geburtstag gefeiert. Stargast in der restlos ausverkauften Laeiszhalle war die argentinische Pianistin Martha Argerich.

Martha Argerich langt zu. Der Weltstar am Klavier aus Argentinien ist 76 Jahre alt, doch das Konzert von Robert Schumann klingt bei ihr frisch - wie eben erst komponiert. Argerich spielt ohne Show. Schnörkellos. Ehrlich. Nach den stehenden Ovationen und einem Kniefall des Symphoniker-Intendanten Daniel Kühnel vor der Pianistin bedankt sich Argerich mit Schumanns Ohrwurm "Von fremden Ländern und Menschen" aus den Kinderszenen. Sie ist ein toller Geburtstagsehrengast, der sogar noch mit dem Publikum ein "Happy Birthday" anstimmt. "Jetzt können Sie in Ihren Lebenslauf schreiben, sie hätten mit Martha Argerich in der Laeiszhalle musiziert", scherzt Dirigent Ion Marin.

Bürgerorchester mit viel Engagement

Nach der zweiten Sinfonie von Brahms gibt es bei der Aftershow-Party eine große Geburtstagstorte. Ohne Rüdiger Kruse, der für die Eimsbütteler CDU im Bundestag sitzt und der für die Symphoniker schon manche Million aus dem Bundeshaushalt organisiert hat, würde da wohl schon längst keine Kerze mehr brennen. Kruse schätzt den Spirit des Orchesters. "Das Besondere ist ja, dass es eine Art Bürgerorchester ist. Die Symphoniker sind keine staatliche Gründung, sondern sie kommen aus der Bürgergesellschaft und werden von ihr getragen", sagt er.

Ein denkendes Orchester

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Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda lobte die Hamburger Symphoniker als Orchester, das sich ständig neu erfindet.

Kultursenator Carsten Brosda lobt die Symphoniker als "denkendes Orchester". Er sagt weiter: "Als Residenzorchester der Laeiszhalle haben sie Möglichkeit, diesen Raum zu besetzen und sie tun das, wie wir heute erlebt haben, mit Verve und Kompetenz. Sie probieren Formate aus und suchen die Nähe zum Publikum. Es ist ein Orchester das sich ständig neu erfindet." In der Reihe MusikImPuls haben Orchestermusik immer wieder mit Erfolg Konzerte an öffentlichen Plätzen in Hamburg gegeben - zum Beispiel im Alten Elbtunnel oder unter einem U-Bahn-Viadukt in Eppendorf.

"Das beste Jahr in der Geschichte!"

Vergessen ist an diesem fröhlichen Abend schon fast, dass das Orchester nach dem plötzlichen Tod Jeffrey Tates im Juni keinen Chefdirigenten mehr hat. Die Suche läuft. Vergessen ist an diesem Abend auch fast, dass das Orchester vor vier Jahren kurz vor der Pleite stand. "Das 60. Jahr ist das beste in unserer Geschichte", jubelt jetzt der Aufsichtsratsvorsitzende des Orchesters Burkhard Schwenker in die Partygesellschaft. Mit 120.000 Zuschauern habe sich diese Zahl seit 2011 verdoppelt. Im Windschatten der Elbphilharmonie nimmt das dritte Orchester der Stadt an Fahrt auf. Und gewinnt Selbstbewusstsein. "Die Symphoniker Hamburg sind die echte Alternative zur Elbphilharmonie!", ruft Schwenker. Jubel bei den geladenen Gästen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 11.12.2017 | 19:00 Uhr

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