Stand: 07.08.2020 15:20 Uhr

Staatsoper Hamburg kommt kleiner zurück

von Daniel Kaiser

Die Hamburgische Staatsoper startet wegen der Corona-Pandemie mit einem neuen, kleineren Spielplan in die Saison. Pro Vorstellung werden höchsten 500 Eintrittskarten verkauft. Nun ist das Programm bis Dezember vorgestellt worden.

Staatsoper Hamburg © Kurt-Michael Westermann Foto: Kurt-Michael Westermann
Die Hamburgische Staatsoper verkauft wegen der Corona-Pandemie nur bis zu 500 Eintrittskarten je Vorstellung.

Statt großer Oper gibt es kleinere Formate. Frank Castorf wird zum Saisonauftakt nun nicht das Riesenwerk "Boris Godunow" inszenieren, sondern etwas völlig Neues: "molto agitato" - einen Abend mit Musik von Ligeti, Brahms, Händel und Weill. Außerdem stehen die Operette "Märchen im Grand Hotel" von Paul Abraham und ein Abend mit Musik von Arnold Schönberg und Francis Poulenc auf dem Programm. Die Abende werden mal mit kleinem Orchester, mal mit Klavierbegleitung gestaltet. Es wird ein anderer Klang sein, mit dem die Staatsoper Hamburg die Arbeit wieder aufnimmt: experimenteller, assoziativer und aktueller.

Corona verändert die Opernwelt

Große Kunst gehe auch in kleinem Rahmen, sagt Staatsopern-Intendant Georges Delnon. Er könne ganz viele Kollegen nicht verstehen, die Opern sehen möchten wie vor Corona - und Corona so trotzen wollen. Er fände es absurd. "Wir können Corona nicht trotzen, und ich möchte Opern sehen, die auch mit dieser Realität zu tun haben", so Delnon weiter. Nach und nach sollen dann auch im Frühjahr andere Opern aus dem Staatsopern-Repertoire wie "Così fan tutte" und "Die Zauberflöte" zurückkommen. Die ursprünglich für diese Saison geplanten Inszenierungen liegen auf Eis. Die neue "Elektra" soll im nächsten Jahr kommen und "Boris Godunow" als Frank-Castorf-Inszenierung in drei Jahren. Auf Olivier Messiaens "Saint François d’Assise" in der Elbphilharmonie muss das Publikum allerdings noch vier Jahre warten.

John Neumeier lässt Corona-Alltag vertanzen

John Neumeier hat für das Hamburg Ballett aus den Proben unter Corona-Bedingungen heraus ein neues Stück für 55 Tänzerinnen und Tänzer entworfen. Der Titel "Ghostlight" erinnert an die amerikanische Theatertradition, nachts ein Licht auf der Bühne für die Theatergeister brennen zu lassen. "Nach jeder Vorstellung wird auf der Bühne eine Stange mit einer einzelnen Bühne aufgestellt. Und dieses Licht brennt wie das ewige Licht in der Kirche die ganze Nacht, bis das Leben auf die Bühne zurückkehrt", erklärt John Neumeier. Der Ballett-Chef hat also einen Weg gefunden, die Corona-Krise vertanzen. Alle Beteiligten werden einmal in der Woche auf Corona getestet. Bei den Ballett-Vorstellungen kommt die Musik vom Band.

Philharmonische Orchester spielt im Stadtpark

Die Staatsoper hat fast 1.700 Plätze. Wegen der Abstandsregeln rechnet die Staatsoper aber zunächst nur mit 400 bis 500 Menschen pro Vorstellung. Auf den Gängen herrscht Maskenpflicht. Außerdem werden Hygiene-Stationen installiert. Das Philharmonische Orchester startet zunächst im Freien in die neue Konzert-Saison. Am 10. September ist ein Corona-gerechtes Open-Air-Event auf der Freilichtbühne des Stadtparks geplant. Das genaue Programm wird derzeit noch erarbeitet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 07.08.2020 | 19:00 Uhr

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