Ein Balalaika-Spieler tippt mit dem Finger auf ein Tablet. © IMAGO / Panthermedia

Nützliche Begleiter: Apps in der Klassik

Stand: 24.04.2021 15:53 Uhr

Um die 50.000 Apps rund um das Thema Musik befinden sich bereits auf dem Markt. Für viele klassisch ausgebildete Musikerinnen und Musiker sind sie zu nützlichen Begleitern geworden.

Junge guckt sich ein Musikvideo auf dem iPad an. © NDR / Friederike Göckeler Foto:  Friederike Göckeler
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von Ulrike Henningsen

Oliver Wille, Geiger beim renommierten Kuss Quartett, erinnert sich noch genau daran, als er zum ersten Mal damit anfing, professionell Musik-Apps zu nutzen: "Das war, als wir dann plötzlich alle Smartphones besaßen und jemand im Quartett herausbekommen hatte, dass es eine Stimmgerät-App gibt, Metronome. Damit wurde dann unglaublich herumgespielt." Mittlerweile gehören Apps für Wille zum Berufsalltag - nicht nur die speziell für Musikerinnen und Musiker entwickelten - auch Anwendungen, die zur Grundausstattung jedes Smartphones gehören.

Digitale Notenblätter versus Papierausgaben

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Junge guckt sich ein Musikvideo auf dem iPad an. © NDR / Friederike Göckeler Foto:  Friederike Göckeler

Kleine Helfer mit Riesenpotential - Apps in der Klassik

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"Musikerinnen und Musiker müssen oft über die Jahre lernen, die Diskrepanz zu verringern zwischen: Wie klinge ich wirklich, und wie denke ich, dass ich klinge?" erklärt Wille. "Da ist eine Aufnahme-App, oder die Sprach-App Gold wert!"

Heutzutage passt ein kleines Tonstudio ins Telefon und eine ganze Partituren-Sammlung aufs iPad. Auch Wille hat immer "die ganze Bibliothek dabei" und auf der Bühne habe er nie Beleuchtungsprobleme beim Blick auf die Noten bzw. aufs Pedal. Wer aus dem Tablet spielt, kann mit einem Pedal blättern. Nur einer von vielen Vorteilen gegenüber den gebundenen Papierausgaben.

Sprach-Apps und Stimmgerät-Apps hilfreich

Noch stehen digitale Noten eher im Bereich der Kammermusik auf den Pulten, aber die Verlags-Branche ist im Umbruch. Es reicht nicht aus, wie ein E-Book nur den Text zu präsentieren. Die Partituren müssen auch bearbeitet werden können. Wille beispielsweise schreibt mit dem Finger. Damit sei er "schneller als jemand, der einen Bleistift braucht und ich kann meine Anmerkungen in verschiedenen Farben schreiben."

Bleistift, Textmarker, Radiergummi können zu Hause bleiben. Und auf der digitalen Spielwiese geht noch einiges mehr. Es gibt zum Beispiel auch die Möglichkeit, sich bei einer Sonate oder einem Violinkonzert die Fingersätze berühmter Geiger anzuzeigen zu lassen: "Man klickt da drauf und hat dann die Oistrach Fingersätze, die Frank Peter Zimmermann Fingersätze, die von Christian Tetzlaff usw. und kann sich daran orientieren," erklärt Wille.

Fingersätze berühmter Geiger

Einige Verlage bieten Partituren an, die mit Audio-Programmen kombiniert werden. So kann man sich während des Spiels aufnehmen und die Aufnahme auch noch als Datei verschicken. Oder zu Hause gemeinsam mit einem Profi-Chor singen und dabei die eigene Stimme mit einem digitalen Coach lernen.

Auch im Bereich der Musikwissenschaft tut sich einiges in Sachen App. Zum Beispiel gibt es eine Kantaten-App, die das gesammelte Wissen der Bach-Forschung bündelt. Ein ganze Bibliothek passt so aufs Smartphone in die Hosentasche. Bei allen diesen Anwendungen schwingt immer die Frage mit: Was passiert, wenn sich künstliche Intelligenz ins Musizieren einmischt?

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 23.04.2021 | 06:40 Uhr

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