Stand: 14.07.2017 14:41 Uhr

Nézet-Séguin dirigiert Mendelssohn

Mendelssohn Symphonies 1-5
von Yannick Nézet-Séguin
Vorgestellt von Sabine Lange
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"Das ist ein Repertoire, das ich wirklich liebe", schwärmt Nézet-Séguin von den Mendelssohn-Sinfonien.

Als in Hamburg im Januar die Elbphilharmonie eröffnet wurde und viele über die besondere Akustik des Großen Saals diskutierten, wurde immer wieder auf Paris verwiesen, wo es ebenfalls einen neuen spektakulären Konzertsaal gibt: die Pariser Philharmonie. Viele Musiker und Dirigenten schätzen deren Akustik als eine der besten weltweit, so auch der Kanadier Yannick Nézet-Séguin, der dort 2016 mit dem Chamber Orchestra of Europe alle fünf Mendelssohn-Sinfonien aufführte. Die Deutsche Grammophon hat diese Konzerte mitgeschnitten und jetzt als CD veröffentlicht.

Leichtigkeit und Transparenz

Licht und Klarheit - das sind die wesentlichen Charakteristika der Sinfonien Mendelssohns, sagt der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin. Er setzt in seiner neuen Aufnahme auf Leichtigkeit und Transparenz des Orchesterklanges.

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Nur einmal zum Vergleich: Man kann den 2. Satz der Schottischen Sinfonie behäbiger angehen, wie die Wiener Philharmoniker unter Christoph von Dohnayni, mit weniger leichtfüßigem Blech. Selbst John Eliot Gardiner und das London Symphony Orchestra spielen diesen Satzanfang zwar zügig, aber doch in der Phrasierung vergleichsweise geradeaus.

Nézet-Séguin setzt in seiner neuen Mendelssohn-Aufnahme mit dem kleiner besetzten Chamber Orchestra of Europe auf klare Akzente. Er bleibt dabei sehr leicht und beweglich, manchmal geradezu elegant, und er ist nie in Gefahr, Mendelssohn mit dem späteren Schumann oder gar Brahms zu verwechseln. "Das ist ein Oeuvre, das sehr von der Barockmusik und der Vokalmusik her kommt", sagt der Dirigent. "Mendelssohns Musik hat dabei visionäre Züge. Diese Musik bereitet in gewisser Weise den Weg für Robert Schumann und Johannes Brahms. Aber ich vergleiche Mendelssohn noch lieber mit Mozart. Denn Mendelssohn war sehr ungezwungen in seiner Art zu komponieren. Seine Musik wirkt wie lichtdurchflutet, in den hellen wie auch in den dunklen Momenten. Es gibt in all seinen Sinfonien dieses ewige Licht, diese Klarheit."

Wärme und Humanität

Voller Leben, voller Freude, voller Leidenschaft sei die Sinfonik Mendelssohns, sagt Nézet-Séguin. Entsprechend energiegeladen dirigiert der Kanadier das Chamber Orchestra of Europe - doch er trägt dabei nie spätromantisch dick auf. Er lässt sich nicht zu einem unangemessenen Pathos verführen. Sein Orchester spielt voller Wärme und Humanität. Und es kostet die wunderbare Melodik aus.

"Das ist ein Repertoire, das ich wirklich liebe", schwärmt Nézet-Séguin. "Und abgesehen von der 3. und 4., der schottischen und der italienischen Sinfonie, werden die anderen im Konzert heute viel zu selten gespielt. Ich hoffe, dass unsere Gesamtaufnahme dazu beiträgt, dass die anderen Sinfonien wiederentdeckt werden. Denn das sind Schätze im sinfonischen Repertoire. Die erste Sinfonie wirkt noch sehr jugendlich, die 2. hat dieses große Chorfinale, und die 5. nimmt Bezug auf die Reformation, die wir in diesem Jahr ja in Deutschland und in der ganzen Welt feiern."

Mendelssohn Symphonies 1-5

Genre:
Klassik
Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

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