Stand: 16.12.2019 15:48 Uhr  - NDR Kultur

NDR Sendesaal: Verzögerung wegen Schadstoffsanierung

von Agnes Bührig

Ein Festkonzert mit der Pianistin Martha Argerich sollte den Großen Sendesaal des NDR in Hannover am 10. Januar wiedereröffnen. Aber eine unvorhersehbare Schadstoffsanierung verzögert den Zeitplan der Bühnen-Modernisierung. Geplante Konzerte werden zum Teil in den Kuppelsaal verlegt, zum Teil gestrichen und erstattet. Eine Baustellenreportage.

Bauarbeiter stehen auf der Baustelle des NDR Großen Sendesaals in Hannover © NDR Foto: Agnes Bührig
Die Sanierungsarbeiten gestalten sich doch langfristiger als gedacht.

Projektleiter Jörg Lilleike steht mit zwei Bauarbeitern im Großen Sendesaal des NDR. Die Sitzreihen des Publikums sind flächendeckend abgedeckt. Die Bühne ist entkernt. Gerade schweißen Bauarbeiter eine neue Trägerkonstruktion aus Stahl zusammen. Plötzlich passen Motorhöhe und Bauholzmaß für die verstellbaren Podien nicht zusammen. Baustellenalltag für Projektleiter Jörg Lilleike: "Man kann so genau planen, wie man möchte, es wird immer Situationen geben, wo man auf der Baustelle feststellen wird, dass es nicht passt. Und dann muss das geändert werden. Aber wir haben natürlich bei dem Bau auch so eine sehr, sehr schwierige Terminsituation. Es ist einfach vorgegeben worden, dass die Bühne in sehr, sehr kurzer Zeit saniert wird. Und wir haben aufgrund von Kostensteigerungen bei den Angeboten auch nicht sofort beauftragen können, sondern wir mussten die Leistung zweimal ausschreiben."

Vier Monate für Bühneumbau

Zudem hat eine unvorhersehbare Schadstoffsanierung den Zeitplan um etwa vier Wochen verzögert, schätzt Jörg Lilleike. Und der sei mit einem knappen halben Jahr Bauzeit sowieso eng getaktet. In gerade einmal vier Monaten Arbeitszeit soll die Bühne des 1963 erbauten Konzertsaales neu aufgebaut sein. Möglichst schnell also sollte das Publikum so von der Modernisierung profitieren, sagt der Manager der NDR Radiophilharmonie, Matthias Ilkenhans: "Der Saal bleibt schon der Alte, was wir neu machen ist der Bühnenbereich. Das hatte mehrere Ziele, zum einen die Flexibilität, also es wird fahrbare Podeste geben, das Orchester wird aber auch anders sitzen. Und wir haben eine stark erhöhte Rückwand, eine Umrandung, die sowohl die Hörsamkeit der Musikerinnen und Musiker untereinander verbessern wird, als aber auch die Kompaktheit des Klanges im Saal."

Veränderungen auch für das Orchester

Metallgerüst auf der Baustelle im großen Sendesaal des NDR in Hannover © NDR Foto: Agnes Bührig
Der Blick von der neu entstehenden Bühne in den Zuschauerraum.

Schließlich gilt der Große Sendesaal als meistbespielter Konzertsaal Niedersachsens mit rund 100 Konzerten pro Jahr, knapp zwei Drittel davon veranstaltet die NDR Radiophilharmonie. Um den Klang des Orchesters zu verbessern, werden die Seitenwände weiter nach vorn gezogen, nach innen gewinkelt und mit akustischen Faltungen versehen. So hören sich die Musikerinnen und Musiker besser. Und auch die Sitzordnung wurde verändert, sagt Jörg Lilleike: "Die einzelnen Podeststufen waren trapezförmig angeordnet, und wir haben jetzt eine bogenförmige Anordnung gewählt. Das ist einfach so von der Sitzordnung für das Orchester heute der Standard. Alle großen Konzertsäle, die Elbphilharmonie, der Kulturpalast in Dresden, die Philharmonie in Berlin haben diese bogenförmige Anordnung, weil man einfach dadurch die Sicht- und Hörbeziehungen im Orchester verbessert."

Umorganisierung der geplanten Konzerte

Paletten vor dem Großen Sendesaal des NDR in Hannover © NDR Foto: Agnes Bührig
Auch das Foyer des Großen Sendesaals ist der Teil der Baustelle - wenn auch nur als Lager.

Rund drei Millionen Euro soll diese Modernisierung am Ende kosten. Die Mehrkosten von rund 350.000 Euro durch die bauverzögernde Schadstoffsanierung werden aus Eigenmitteln des NDR bestritten. Andere Bauvorhaben werden dafür zurückgestellt. Umorganisiert werden auch die Konzerte, die zum Teil in den Kuppelsaal verlegt, auf die nächste Konzertsaison geschoben oder erstattet werden. Die ungeplante Verzögerung des Baus wirble den Spielplan mächtig durcheinander, sagt Matthias Ilkenhans: "Zum Glück können wir mit unserem Neujahrskonzert und Martha Agerich am 10. Januar in den Kuppelsaal in Hannover ausweichen. Andere Konzerte müssen leider ausfallen. Darunter eben auch unsere "Schülerkonzerte Spurensuche" oder unsere Abonnementskonzerte A am 16. und 17. Januar. Diese Konzerte entfallen ersatzlos. Das Geld wird erstattet."

Bleibt zu hoffen, dass die Umbauarbeiten im Großen Sendesaal im Frühjahr abgeschlossen werden können. Wann genau das sein wird und wer das Eröffnungskonzert bestreitet, das soll im Januar beraten werden.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 16.12.2019 | 06:40 Uhr

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