Porträt von Dirigent Klaas Stok © Hans van der Woerd

"Wir sind so froh, dass wir wieder in der Elphi sind"

Stand: 09.10.2020 12:55 Uhr

Das erste Konzert des NDR Chores nach der Corona-Pause ist ein Liederabend mit Werken von Schubert, Schumann, Brahms und Wolf in der Elbphilharmonie.

Im Gespräch mit NDR Kultur Moderator Jan Wiedemann berichtet Chefdirigent Klaas Stok über das Programm des Liederabends und die Umstände des Konzerts.

Herr Stok, einen großen Chor auf einer großen Bühne, das sind wir ja gar nicht mehr gewohnt. Welches Bild werden wir denn in der Elbphilharmonie erleben?

Klaas Stok: Wir sind über die ganze Bühne verteilt. In zwei Reihen. Aber wir brauchen die ganze Bühne der Elbphilharmonie, um mit 16 Leuten singen zu können. Das ist sehr merkwürdig, dass man da steht und so viel Raum hat.

Welche Herausforderungen bringt das für die Sängerinnen und Sänger aber auch für Sie mit sich?

Ensemblebild: Der NDR Chor auf der Plaza der Elbphilharmonie Hamburg © NDR Foto: Peter Hundert
Der NDR Chor auf der Plaza der Elbphilharmonie Hamburg.

Klaas Stok: Man hört den anderen weniger gut. Einen Ensembleklang zu machen, wie man es normalerweise macht, wenn man dicht beieinander steht, das geht jetzt ganz anders. Jede individuelle Stimme soll sich wie ein Solosänger präsentieren. Aber das ergibt auch einen schönen Effekt. Bei diesem Liederabend, der eigentlich für Solosänger gedacht ist, geht das ziemlich gut.

Kann man sich da als Sänger auch etwas Positives herausnehmen, indem man lernt, noch mehr auf den Dirigenten zu achten, noch exakter zu arbeiten?

Klaas Stok: Ja, man muss genau auf den Schlag achten, den Dirigierschlag. Man muss auch in seiner Partie sehr sicher sein, sehr musikalisch seine eigene Stimme bilden. Also eigentlich passiert weniger zusammen und mehr individuell, aber es passiert dann doch etwas, wo es eine neue Energie gibt. Ich finde es auch teilweise positiv, dass man so singen kann.

Wie proben Sie aktuell?

Klaas Stok: Wir proben in der gleichen Zusammenstellung. Wir sitzen auch weit auseinander. Und wir haben zum Glück einen sehr schönen Probensaal, denn unser eigenes Studio war zu klein. Wir sind jetzt in der Jugendmusikschule in Hamburg, da gibt es einen schönen Raum.

Lassen Sie uns nochmal auf das Programm blicken: Solowerke, die Sie als Chor singen. Was erwartet uns da und wie funktioniert das?

Klaas Stok: Es ist eigentlich ein Liederabend. In der romantischen Epoche war es so, dass man entweder in der Kirche mit großem Chor und Orchester sang oder man sang zuhause im Freundeskreis. Man hat zusammen musiziert. Und für diese Gelegenheit haben Schubert und Brahms Lieder geschrieben - mit Klavierbegleitung. Man kennt natürlich die "Winterreise" von Schubert. Das ist für einen Solosänger. Aber so hat man es auch für Ensemblesänger oder für zwei Sänger gemacht. Später hat man es auch für mehrere Sänger im kleinen Chor gemacht. Ich denke, wenn viele Leute zusammen in einem Wohnzimmer waren, haben vielleicht mehrere zusammen gesungen. Wir wissen nicht genau, wie es war. Aber es sind eigentlich Lieder für eine kleine Gesellschaft.

Werden Sie das Corona-Thema auch inhaltlich aufgreifen?

Klaas Stok: Nicht direkt, aber ich habe Stücke gewählt, die teilweise sehr sonnig sind. "O Sonne, Königin der Welt" ist das erste Stück. Also: Wir sind sehr froh, dass wir wieder da sind, aber in demselben Stück klingt auch an, dass wir wissen, dass wir sterblich sind. Das Leben ist schwach und wir wissen, dass wir bald sterben können. Die sonnige und die traurige Seite kommen in diesem Programm zusammen.

Wie "heiß" sind Sie und ihr Chor darauf, dass es jetzt endlich wieder losgeht?

Klaas Stok: Wir sind so froh, dass wir wieder in der Elphi sind. Seit März haben wir nicht dort gesungen. Wir sind froh, dass wir ein Konzert mit Publikum machen - sogar zweimal. Wir freuen uns sehr.

Das Gespräch führte Jan Wiedemann.

Weitere Informationen
Ensemblebild: Der NDR Chor auf der Plaza der Elbphilharmonie Hamburg © NDR Foto: Peter Hundert

Klaas Stok: Brahms, Schubert, Schumann, Wolf

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 10.10.2020 | 07:20 Uhr

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